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Teleaugendienst schützt Patienten vor Erblindung

Richard-Merten-Preis für Telemedizinprojekt der Universitäts-Augenklinik Greifswald

Der diesjährige Richard-Merten-Preis zur Förderung der Qualitätssicherung in der Medizin geht an das Teletonometrie-Team um Prof. Frank Tost von der Augenklinik der Universität Greifswald. Die Preisträger werden die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung im Rahmen des 29. Deutschen Hausärztetages vom 20. bis 23. September 2006 in Potsdam entgegen nehmen.

Der Richard-Merten-Preis wird alljährlich für herausragende Leistungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens verliehen. Die Stiftung würdigt Arbeiten, die unter Nutzung moderner Informationstechnologien einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätsverbesserung in der medizinischen Versorgung leisten.

Die "Teletonometrie" (Druckmessung in der Ferne) ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt der telemedizinischen Versorgungsforschung an der Universität Greifswald in Kooperation mit der Dr Heydenreich GmbH Greifswald. Das vor zwei Jahren gestartete telemedizinische Modellprojekt wird von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe realisiert, in der Informatiker, Augenärzte, Physiker und Gesundheitsökonomen zusammen arbeiten.

Die vom "Teleaugendienst" verwendete telemedizinische Technologie ermöglicht Glaukompatienten die Selbstmessung ihres Augeninnendruckes, des Blutdruckes und bei Diabetes auch ihres Blutzuckers zu Hause und die Versendung ihrer Messdaten an den Augenarzt. Aus Blutdruck und Augeninnendruck wird zum ersten Mal automatisch der "Durchströmungsdruck" vom Auge (der okuläre Perfusionsdruck) berechnet, der eine Aussage über die Durchblutung des Auges trifft. Gerade die Durchblutungssituation des Auges ist bei der Entstehung und dem Fortschreiten des Glaukoms von großer Bedeutung.

Das Modellprojekt soll in einer dünn besiedelten Region und einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern neue Wege aufzeigen, das weit verbreitete Glaukom (s. Hintergrund), eine Sehnervenschädigung mit möglicher Erblindungsfolge, optimal und präventiv zu behandeln. Messungen des Augendruckes werden erstmalig vollständig ohne manuelle Brücke direkt in eine elektronische Patientenakte übertragen. Über die Funktion "Tele-Visite" der Akte können alle neu eingegangenen Messwerte durch den Arzt zeitnah beurteilt werden. Die einfache Erfassung von medizinischen Messwerten mit den tragbaren Geräten nimmt etwa 15 - 20 Minuten in Anspruch. Ein komplettes Gerätesystem kostet 2.150 Euro.

Das System "Teletonometrie" ist an eine web-basierte elektronische Patientenakte (Dr Heydenreich GmbH, Greifswald) angeschlossen, die einen reibungslosen, interdisziplinären Informationsfluss zwischen ambulantem und stationärem Gesundheitssektor, also zwischen niedergelassenen Ärzten in der Praxis und den behandelnden Ärzten des Universitätsklinikums gewährleistet. Alle wichtigen Daten aus der Vorgeschichte des Patienten sind für die vom Patienten dazu autorisierten Ärzte am PC-Monitor einsehbar. Zusätzlich haben die Patienten selbst Zugang zu ihrer eigenen Patientenakte und werden somit aktiv in die Verlaufskontrolle und in ihre Behandlung einbezogen.

Die Zwischenbilanz der ersten inzwischen abgeschlossenen klinischen Untersuchungen wurde von den teilnehmenden Glaukompatienten und in Bezug auf die medizinisch-fachliche Bewertung sehr positiv angenommen. Anfang Oktober 2006 werden die abschließenden Ergebnisse, auch die der gesundheitsökonomischen Analyse vorliegen. Die bisherigen Resultate wurden, einschließlich eines Vertragsentwurfes zur integrierten Versorgung, einigen großen gesetzlichen Krankenversicherern präsentiert. Das Votum des Kuratoriums zur Vergabe des Richard-Merten-Preises setzt ein Zeichen für eine Kosten sparende Kommunikation verschiedener ambulanter und stationärer Gesundheitsdienstleister über eine vollfunktionsfähige elektronische Patientenakte in der Krankenversorgung.

"Die Untersuchungen haben belegt, dass das Telemedizinprojekt die Betreuungsqualität von chronisch Kranken in ländlichen Regionen deutlich verbessern und helfen kann, schweren Gesichtsfeldausfällen und Erblindungen vorzubeugen", resümierte Projektleiter Prof. Tost. "Das Modellprojekt ist in Fachkreisen und weiteren Bundesländern auf großes Interesse gestoßen, weil es telemedizinische Alternativen im künftigen Umgang mit Volkskrankheiten aufzeigt."

Hintergrund Glaukom (grüner Star)
Unter allen Erblindungsursachen in unserem Kulturkreis steht das Glaukom an erster Stelle. Die Sehnervenschädigung, die durch eine Steigerung des Augeninnendruckes entsteht, kann im fortgeschrittenen Krankheitsstadium schwere Gesichtsfeldausfälle nach sich ziehen. Im Augeninneren wird eine Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser produziert. Der Abfluss des Kammerwassers aus dem Auge kann aus verschieden Gründen gestört sein. Dies kann zu einer Erhöhung des Augeninnendruckes und einer Schädigung der Sehnerven führen. Zur Behandlung genügt in den meisten Fällen die Verabreichung von drucksenkenden Augentropfen. Als weitere Optionen können eine Lasertherapie und Augenoperationen hilfreich sein. Bei rechtzeitiger Behandlung kann das Sehen in der Regel erhalten werden.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 24.07.2006 nach oben

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