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Evidenz der Ernährungstherapie bei Diabetes mellitus

Abstract zum Vortrag Dr. med. Monika Toeller im Rahmen eines Symposiums von Abbott Diabetes Care auf der 41. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Leipzig.

Neue europäische Empfehlungen

Dr. med. Monika Toeller Erstmals sind europäische Empfehlungen zur Prävention und Ernährungstherapie des Diabetes mellitus publiziert worden, die dem heute international geforderten formalen Vorgehen Evidenz-basierter Medizin gefolgt sind. Diese wissenschaftlich begründeten Ernährungsempfehlungen sind abgestimmt mit den relevanten deutschen Fachgesellschaften: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG), Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) und Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie bilden die Basis sowohl für Strategien zur Prävention des Diabetes mellitus als auch zur Implementierung der Ernährungstherapie für Menschen mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes.

Da es bisher in Deutschland noch nicht gelungen war, Unbegründetes bzw. Ungesichertes aus der Ernährungsinformation für Diabetiker auszuklammern, bieten die neuen europäischen Empfehlungen eine gute Chance zu einheitlichem Vorgehen in der Therapie, zum Ausschöpfen des Potenzials der Nahrungsmodifikation, um die Therapieziele zu erreichen und zur Vermeidung einer Belastung durch unnötige Einschränkungen in Auswahl, Menge und Verteilung der Nahrungsaufnahme. Menschen mit Diabetes sollen nur solche Ernährungsempfehlungen erhalten, die nachgewiesener Weise Nutzen für die metabolische Kontrolle, zur Vermeidung von Folgekrankheiten des Diabetes und für die Lebenserwartung versprechen.

Einige bewährte Konzepte in der Ernährungstherapie bei Diabetes konnten durch Belege aus der systematischen Literaturrecherche weiter erhärtet werden, einige bisher gegebene Empfehlungen mussten revidiert werden, andere Aussagen bedurften einer neuen Gewichtung.

So liegt genügend Evidenz für den Vorteil einer Begrenzung von Gesamtfett, gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren und Nahrungscholesterin vor. Weiter erhärtet hat sich der Nutzen von einfach ungesättigten Fettsäuren und n-3 Fettsäuren. Klare positive Effekte einer Proteineinschränkung auf Mengen deutlich unterhalb der allgemeinen oberen Empfehlungsgrenze von 20 % der Tagesenergie (0,8 g/kg Sollgewicht/Tag) ließen sich lediglich für Typ-1-Diabetiker mit Makroalbuminurie sichern. Die "ungefährlichen" oberen Limits für die tägliche Alkoholaufnahme für die meisten Diabetiker mussten nach der Datenlage gegenüber früheren Empfehlungen auf 10 g/Tag bei Frauen und 20 g/Tag für Männer reduziert werden.

Die Unsinnigkeit eines kompletten Zuckerverbots bei Diabetes konnte schon in früheren Untersuchungen klar belegt werden. Zur Einschätzung kohlenhydratreicher Lebensmittel können heute Kenntnisse über die glykämische Wirkung von Lebensmitteln (Glykämischer Index) genutzt werden. Für inzwischen häufig propagierte Nahrungsergänzungsmittel, Supplemente bzw. funktionelle Lebensmittel liegen dagegen bisher unzureichende oder gar keine wissenschaftlichen Studien vor, die deren Verwendung begründen könnten. Dass Zuckeraustauschstoffe für Diabetiker keinen messbaren langfristigen Nutzen erkennen lassen, wurde schon in früheren Statements der Fachgesellschaften dargestellt. Neuere Studien weisen auf ungünstige bisher noch nicht untersuchte Wirkungen von Fruktose hin.

Die Vorteile einer ballaststoffreichen Kost für Menschen mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes wurden bisher jedoch deutlich unterschätzt. Heute sind weitere Daten verfügbar, die zeigen, dass sich der Verzehr von ballaststoffreichem Gemüse, frischen Früchten und Vollkorngetreideprodukten positiv auf die metabolische Kontrolle auswirkt.

Auf der Grundlage der aktuellen europäischen Ernährungsleitlinien steht jetzt ein Ernährungsschulungssystem zur Verfügung, das Ärzte, Diabetesberater und Diätassistenten in der Ernährungsberatung unterstützen kann, um damit zu wissenschaftlich begründeter Ernährungstherapie in Deutschland beizutragen.

Bildunterschrift: Dr. med. Monika Toeller, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung.
Bildquelle: Abbott Diabetes Care

zuletzt bearbeitet: 25.05.2006 nach oben

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