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Insulinanaloga: IQWiG weist unberechtigte Vorwürfe zurück

Institut wehrt sich gegen irreführende Aussagen in den Medien

Fragen-Antworten-Katalog veröffentlicht

Kurzwirksame Insulinanaloga sind zu einem umstrittenen Thema in den Medien avanciert. In manchen Berichten werden Patienten und Ärzte unter anderem durch Aussagen industrienaher Experten falsch informiert. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) will Klarheit schaffen und hat einen allgemein verständlichen Katalog mit Fragen und Antworten zu zentralen Aspekten erarbeitet.

Auslöser für die aktuelle Debatte war auch ein Bericht des IQWiG selbst, der den Nutzen dieser Medikamentengruppe für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 bewertet. Er kommt zu dem Schluss, dass Insulinanaloga gegenüber herkömmlichem Humaninsulin keine Vorteile für die Patienten haben. Seitdem versuchen vor allem die Hersteller der Insulinanaloga in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, der Bericht des IQWIG wäre voreingenommen und würde die Versorgung von Patienten mit Diabetes Typ 2 gefährden. "Der Vorwurf beruht auf dem Missverständnis, dass Insulinanaloga die Behandlung erleichtern würden", sagt Institutsleiter Prof. Dr. med. Peter Sawicki: "Patienten mit Diabetes Typ 2 können eine Behandlung mit Humaninsulin ebenso gut und ohne gesundheitliche Nachteile in ihren Alltag einfügen wie eine Behandlung mit Insulinanaloga."

Als einer der angeblichen Vorteile der kurzwirksamen Insulinanaloga wird von Fürsprechern angeführt, dass Patienten auf einen sogenannten Spritz-Ess-Abstand verzichten könnten. Damit ist gemeint, dass Patienten Humaninsulin eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit injizieren sollen. Tatsächlich gibt es für diesen Ratschlag keine solide wissenschaftliche Begründung. "Patienten können Humaninsulin ebenfalls kurz vor einer Mahlzeit spritzen", sagt Sawicki.

Sawicki wundert der derzeitige Versuch nicht, die Arbeit des IQWiG zu diskreditieren. Ähnliche Erfahrungen haben international alle Institute gemacht, die sich mit der Bewertung von Medikamenten befassen. Die übliche Strategie ist es, die Methoden zu kritisieren und den Instituten zum Beispiel eine voreingenommene Auswahl von Studien vorzuwerfen. Festzuhalten bleibt, dass es bislang nur Stimmen aus dem Umfeld der Hersteller gibt, die den Bericht des IQWiG kritisieren. Unabhängige Wissenschaftler, die nicht in finanzieller Verbindung mit den Firmen stehen, haben bislang keine Kritik geäußert.

In seinem Fragen-Antworten-Katalog klärt das IQWiG über eine Reihe weiterer Missverständnisse und falscher Behauptungen auf: Warum nur bestimmte Studien verlässliche Aussagen liefern können, wird ebenso erklärt wie die Wirkungsweise der verschiedenen Medikamentengruppen. Das IQWiG erläutert auch, wie es bei seiner Bewertung vorgegangen ist und wie die Ergebnisse der ausgewerteten Studien auf den Alltag der Patienten übertragbar sind.

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zuletzt bearbeitet: 17.03.2006 nach oben

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Dr. phil. Axel Hirsch

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