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Der aktivierte Patient

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. med. Hermann von Lilienfeld-Toal, Vorsitzender des Landesverband Hessen des Deutschen Diabetiker Bundes, im Rahmen der "Elmauer Gespräche 2006" - einer Informationsveranstaltung für Fachjournalisten von der Firma Roche Diagnostics.

Möglichkeiten und Grenzen in der aktuellen Versorgung

Die Ausbreitung des Diabetes mellitus hat epidemiologische Ausmaße. Die Therapie und Verhinderung von Folgeschäden hat damit nicht nur eine für den Betroffenen individuelle, sondern auch eine sozialpolitische Bedeutung. Ist es überhaupt möglich, dass ein Sozialsystem eine solche Last trägt?

Die Daten von gut betreuten Patienten zeigen, dass der mögliche Weg die Kombination richtiger medikamentöser Behandlung mit eigener Aktivität des Betroffenen ist. Die Einführung der Gesundheitsprogramme "disease management program" (DMP) ist unter diesem Blickwinkel ein richtiger Schritt, weil sie mit der obligaten Schulung und strukturierten Kontrollen diese Kombination anstreben.

Es gibt allerdings bei der Umsetzung bis heute noch erhebliche Defizite. Hierzu gehören Ausbleiben von Kontrollmechanismen, unzureichende Fußversorgung und unzureichende Umsetzung der Schulung der diabetischen Bevölkerung. Angesichts der Effektivität der Interventionsmöglichkeiten müssten die enormen Kosten, die die Betreuung des Diabetes mellitus bereits jetzt erzeugen, zu einer sehr viel stärkeren Aktivität der Beteiligten, insbesondere der über die Finanzen wachenden Krankenkassen führen. In diesen Zusammenhang würde auch eine erhebliche Steigerung von Förderung der Patienten Aktivierung gehören. Eine aktive Teilnahme des Diabetikers an der Stoffwechselkompensation und damit Vermeidung von Folgeschäden/Kosten ist nämlich sehr gut möglich, egal ob in oder außerhalb des DMP.

Allerdings ist der Betroffene abhängig, inhaltlich von dem Wissen und der richtigen Zuwendung durch den Arzt, organisatorisch von der Krankenkasse. Hier ergibt sich dann die Sequenz: Arzt kann nicht verschreiben, weil KV (Kassenärztliche Vereinigung) budgetiert ist, weil Krankenkasse budgetiert ist, weil die Politik Sorgen wegen des Standortes Deutschland hat.

Frage: Muss nicht eine andere Bewertung erfolgen? Die Aktivität des Diabetikers entspricht der Einführung neuer Technik (etwa der Erfindung des Computertomographen). Überhaupt: Welche Wertigkeit hat die Gesundheitsversorgung in unserem Land? Gesundheitspolitik ist schwierig, wenn sie mit einer Erhöhung der Krankenkassenbeiträge einhergeht.

Techniken der Politik, Ausgaben im Gesundheitswesen zu reduzieren, bestehen zum Teil in einer Entwicklung von Bürokratismen. Hierzu gehört das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Am Beispiel der Insulin-Analoga ist darzustellen, dass ein Vorwurf, dass "ideologisch" (Letzel 2005) vorgegangen wird, durchaus seine Berechtigung hat. Es geht ja um "Kosten"reduktion.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass der aktivierte Patient es zwischen pseudoautonomen Organisationen wie KV oder Krankenkassen schwer hat. Aufgabe aller, die die Lawine Diabetes erkennen, wäre es aber, ihn zu unterstützen und zu fördern.

zuletzt bearbeitet: 20.02.2006 nach oben

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