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Doping für winzige Blutgefäße

Pressemitteilung: Universität Rostock

Rostocker Tagung beschäftigt sich mit Theorie und Praxis der Mikrozirkulation

Mikrozirkulation bezeichnet die Versorgung der Organe des Körpers mit Blut, die über winzige Äderchen erfolgt. Der Erforschung der Vorgänge in den mikroskopisch kleinen Gefäßen und der Anwendung dieser Erkenntnisse in der Praxis der Kliniken widmet sich eine Tagung vom 15. bis 17. September 2005, zu der Experten aus der ganzen Bundesrepublik nach Rostock kommen

Die Veranstaltung ist beispielhaft: Grundlagenforscher und Spezialisten der klinischen Anwendung, die ihre Erfahrungsaustausche sonst oft getrennt von einander abhielten, tagen in Rostock gemeinsam und demonstrieren so ihr Interesse an verstärkter Zusammenarbeit. Erörtert werden dabei aktuelle Forschungsfragen, etwa über die Funktionsweise des Dopingmittels Epo und inwieweit es für neue medizinische Aspekte genutzt werden kann. Außerdem werden mehrere Preise vergeben, darunter einer für hoffnungsvolle Nachwuchswissenschaftler.

Grundlagenforscher und sogenannte Kliniker, also Mediziner, die sich mit der Anwendung von Forschungsergebnissen in der Behandlung der Patienten befassen, gehen aufeinander zu. Für Professor Dr. Brigitte Vollmar, Leiterin der Abteilung für Experimentelle Chirurgie an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock, hat sich allein mit dieser Feststellung schon ein wesentlicher Zweck der Rostocker Tagung zur Mikrozirkulation erfüllt. "Das ist ein nahrhafter Boden für innovative Ideen, wenn grundlagenwissenschaftliche Fragen mit Blick auf die praktische Anwendung am Patienten erörtert werden", sagt Professor Vollmar.

Die Rostocker Professorin ist Vorsitzende der Gesellschaft für Mikrozirkulation und Vaskuläre Biologie und organisierte die Tagung gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für klinische Mikrozirkulation und Hämorheologie. Grund für das Auseinanderdriften von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung sei die erhebliche Spezialisierung der einzelnen Fachgebiete. "Die Bereiche seien so komplex, dass man sie in ihrer vollen Breite nicht mehr erfassen kann", sagt Professor Vollmar. Umso wichtiger sei es, wenn die einzelnen Fachleute intensiver miteinander diskutieren und kooperieren - wie nun in Rostock.

Das Forschungsgebiet der Mikrozirkulation befasst sich mit den Strömungseigenschaften und Strömungsbedingungen des Blutes in den Blutgefäßen auf mikroskopisch kleiner Ebene, sowie der Kommunikation von Blutzellen mit den Gefäß auskleidenden Endothelzellen. Über diese kleinsten Blutgefäße erfolgt die Versorgung der Organe mit dem lebensnotwendigen Treibstoff Sauerstoff und anderen Nährstoffen. Klassische Volkskrankheiten wie "Bluthochdruck, Arteriosklerose und Diabetes" sind in der Regel mit erheblichen Gefäßveränderungen verbunden und führen daher nicht selten zu Störungen der Sauerstoffversorgung und damit zur Funktionseinbuße lebenswichtiger Organe. "Grundsätzlich geht es uns darum, die Funktion und Steuerung der Durchblutung von Organen sowie die Rolle der vielen zellulären Blutbestandteile in der Entstehung und Entwicklung von Krankheiten besser zu verstehen, um auf dieser Basis Konzepte zur spezifischen Behandlung von Krankheiten zu entwickeln", sagt Professor Vollmar. Unter diesem Gesichtspunkt treffen sich Kliniker und Grundlagenforscher am Freitag, 16. September, in zwei gemeinsamen Haupt-Sitzungen.

Unter anderem werden aktuelle Themen, wie das Dopingmittel Erythropoetin, kurz Epo, behandelt. Dieses Mittel, das nicht zuletzt durch seine regelwidrige Anwendung bei Teilnehmern der Tour de France zu zweifelhaftem Ruhm kam, steigert die Produktion von roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren. Die bessere Versorgung der Organe mit Sauerstoff fördert deren Leistungsfähigkeit und Funktion. Den Forschern stellt sich gleichzeitig die Frage, ob diese attraktiven Eigenschaften von Epo auch für die Wiederherstellung beschädigter Organe im Sinne einer Regeneration genutzt werden können. Klinische Schwerpunkte sind weiterhin Untersuchungen zum Einfluss von Röntgenkontrastmitteln auf den Blutfluss sowie der Einsatz neuer Materialien für das Offenhalten von Blutgefäßen (Stents).

Während der Tagung werden auch mehrere Preise verliehen, unter anderem einer für junge Nachwuchsforscher. Aus 150 Einsendungen traf eine Jury eine Vorauswahl von acht Projekten, die sich am Sonnabend, 17. September, präsentieren werden. Zu der Tagung reisen Spezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Österreich, aus der Schweiz, aus Ungarn, Schweden, Großbritannien, Polen und Russland an. Erwartet werden etwa 180 Teilnehmer.

15. bis 17. September 2005, Hochschule für Musik und Theater Rostock, Jahrestagung der Gesellschaft für Mikrozirkulation und Vaskuläre Biologie.

Internet: www.gfmvb.de.

zuletzt bearbeitet: 14.09.2005 nach oben

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Dr. phil. Axel Hirsch

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