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Prävention gegen Übergewicht und Adipositas

Öffentliches interdisziplinäres Symposium bringt Wissenschaft und Politik in den Dialog über Vorbeugung und Gesundheitserziehung

Die dramatische Zunahme von Übergewicht und Adipositas hat sich in Deutschland zu einem verbreiteten Gesundheitsproblem entwickelt. Die Frage nach geeigneten Gegenmaßnahmen ist allerdings noch mit vielen Unsicherheiten behaftet.

Der Stand der Forschung und die Perspektiven der Adipositasprävention in Hessen sind nun Thema eines öffentlichen und interdisziplinären Symposiums, das unter Leitung von Professor Dr. Winfried Rief vom Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg stattfinden wird. Schirmherrin des Symposiums ist die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger, als Vortragsgast geladen ist unter anderem Ministerialrat Dr. Christian Luetkens.

Organisiert wird das Symposium von der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Nachwuchsforschergruppe "Psychosoziale, ethische und rechtliche Konsequenzen genetischer Befunde bei Adipositas", die zu Beginn des Jahres ihre Arbeit an der Philipps-Universität aufgenommen hat.

Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) nehmen in der gesamten Bevölkerung dramatisch zu und stellen mittlerweile ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem dar. Besonders alarmierend ist, dass bereits etwa zwanzig Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig oder adipös sind, denn auch bei Kindern wächst hierdurch das Risiko für die Entstehung einer Vielzahl von Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Noch ist indessen kein Königsweg zur Bewältigung des Adipositasproblems erkennbar. Zwar werden vielfach gesundheitspolitische Maßnahmen gefordert. Doch wie wirksam und geeignet bestimmte Maßnahmen sind - zum Beispiel Präventionsprogramme -, bleibt weitgehend ungeklärt. Selbst biomedizinische Fortschritte werfen in diesem Zusammenhang tief greifende Fragen auf, etwa im Zusammenhang mit der Indikation genetischer Tests bei Adipositas, der präventiven Nutzung genetischer Information oder der Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitswesen.

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"Sollen Maßnahmen und Projekte das Adipositasproblem effektiv angehen, müssen sie wissenschaftlich fundiert sein. Dazu gehört, dass neuere Erkenntnisse der biomedizinischen und psychologischen Forschung sowie deren ethische und rechtliche Implikationen bei der Entwicklung von Präventionsmodellen beachtet werden", erläutert Dr. Anja Hilbert, Leiterin der Nachwuchsforschergruppe. "Uns kommt es vor allem darauf an zu fragen, wie der wissenschaftliche Fortschritt bei Übergewicht und Adipositas politisch und gesellschaftlich umgesetzt werden kann", beschreibt Hilbert das Ziel des Symposiums. "Wir wollen uns bei dieser Tagung einerseits als junge Wissenschaftler mit ersten Ideen und Ergebnissen vorstellen und andererseits Impulse für unsere weitere Arbeit mitnehmen."

Das Symposium widmet sich daher zunächst den medizinischen und psychologischen Einflussfaktoren auf das Körpergewicht und fragt dann nach rechtlichen, ethischen und politischen Konsequenzen. Professor Dr. Johannes Hebebrand (Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Essen-Duisburg) und Dr. Anja Hilbert werden über die Entstehung der Adipositas und die Bedeutung genetischer Befunde sprechen.

Professor Dr. Wolfgang Voit (Fachbereich Rechtswissenschaften) wird die teilweise noch in Planung befindlichen rechtlichen Regelungen zu Gendiagnostik und Prävention thematisieren und Juniorprofessor Dr. Peter Dabrock (Fachbereich Evangelische Theologie) die ethischen Aspekte genetischer Befunde bei Adipositas beleuchten.

Schließlich wird Ministerialrat Dr. Christian Luetkens aus dem Hessischen Sozialministerium Handlungsmöglichkeiten der Gesundheitspolitik bei der Adipositasprävention vorstellen. Abschließend ist eine Diskussionsrunde geplant, in der Ansätze zur Prävention der Adipositas in Hessen mit Vertretern aus Politik, Schul- und Gesundheitswesen diskutiert werden.

zuletzt bearbeitet: 13.05.2005 nach oben

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