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Bonner Nierentag informiert Ärzte und Patienten

Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose und die Therapie der Ursachen wie Zuckerkrankheit und Entzündungen

In Deutschland sind derzeit über 50.000 Menschen aufgrund eines akuten Nierenversagens auf eine künstliche Blutwäsche angewiesen. Für sie ist die sogenannte Dialyse lebensnotwendig. Aber eine chronische Nierenerkrankung bedeutet heute nicht mehr zwangsläufig Dialyse für den Rest des Lebens.

Die Medizinische Klinik I des Universitätsklinikums Bonn lädt am Samstag, 26. Juni, Ärzte, betroffene Patienten und deren Angehörige zum Bonner Nierentag in das "Auditorium" des Kunstmuseums Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 2, ein. Die kostenlose Fortbildungsveranstaltung "Erhalt und Ersatz der Nierenfunktion - Der aktuelle Stand" gibt von 9 bis 13 Uhr einen praxisorientierten Überblick über die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie eines chronischen Nierenversagens.

Die Nieren säubern das Blut von giftigen Stoffwechselprodukten und scheiden diese mit dem Urin aus. "Die Niere ist ein sehr empfindliches Organ und reagiert sehr schnell auf schwere Erkrankungen", sagt Professor Dr. Tilman Sauerbruch, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Bonn. Ist ihre Funktion jedoch eingeschränkt, sammeln sich toxische Substanzen im Blut an. Auch scheiden die Nieren nicht mehr genug Flüssigkeit aus; es bilden sich Flüssigkeitsansammlungen, sogenannte Ödeme.

Eine chronische Niereninsuffizienz kann darüber hinaus zu Bluthochdruck und Blutarmut führen. Wenn das Nierengewebe in einem fortgeschrittenen Stadium fast vollständig zerstört ist, wird diese Krankheit ohne Behandlung lebensbedrohlich. "Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose und unter anderem die Therapie der Ursachen wie Zuckerkrankheit und Entzündungen. Auch muss der Bluthochdruck stabilisiert werden. Mit Hilfe von Medikamenten und Ernährungsberatung kann der Arzt die Nierenfunktion weitgehend erhalten", erklärt Professor Dr. Hans Ulrich Klehr, Leitender Oberarzt der Nephrologie an der Medizinischen Universitätsklinik I und Organisator der Bonner Nierentage.

"Im Bonner Raum bieten wir als einzige bei dem sehr komplexen Krankheitsbild einer Nierenerkrankung das ganze Spektrum von der schwierigen Diagnostik über sämtliche Nierenersatzverfahren bis hin zur Nierentransplantation an und begleiten dies mit der klinischen Forschung", sagt Professor Sauerbruch. Im Dialysezentrum stehen 20 Geräte mit einem Membranfilter zur Blutreinigung außerhalb des Körpers bereit. Bei der zeitaufwendigen Hämodialyse wird der Patient meist dreimal pro Woche für rund fünf Stunden an die "Künstliche Niere" angeschlossen.

Eine in Deutschland noch nicht so verbreitete gleichwertige Alternative ist die Bauchfelldialyse, bei der das stark durchblutete Bauchfell als körpereigener Filter fungiert. Der Patient lässt mehrmals am Tag am Arbeitsplatz oder zu Hause selbst eine Dialyselösung mittels eines Katheters in die Bauchhöhle fließen. "Die Bauchfelldialyse ist für Patienten geeignet, die bereit sind, für ihre Unabhängigkeit auch eine hohe Eigenverantwortung zu übernehmen", sagt Professor Klehr.

Beide Bonner Professoren sehen jedoch in der Transplantation bei einem akuten Nierenversagen die beste Therapie. "Je eher eine Nierentransplantation erfolgt, desto günstiger. Der Patient hat eine bessere Lebensqualität und eine höhere Lebenserwartung", konstatiert Professor Klehr. Aber allein in Bonn stehen rund 200 dialysepflichtige Patienten auf der Warteliste für eine Niere und müssen mit einer Wartezeit von bis zu sieben Jahren rechnen. Aufgrund des akuten Mangels an Spenderorganen ist die Lebendspende eines näheren Angehörigen eine sinnvolle Option. Diese spielt auch in Deutschland eine zunehmende Rolle, zurzeit etwa 20 % der Nierentransplantationen.

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zuletzt bearbeitet: 16.06.2004 nach oben

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