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Diabetes ist auch bei Kindern und Jugendlichen kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken

Anlässlich des 3. Saarländischen Kinder- und Jugenddiabetestages des Deutschen Diabetiker Bundes, Landesverband Saarland erklärt Staatssekretär Josef Hecken als Schirmherr der Veranstaltung:

"Etwa 25.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden derzeit an der angeborenen (Er ist nicht angeboren, sondern das Ergebnis einer Autoimmunerkrankung, Anm. d. Red.) Form des Diabetes, dem sogenannten Typ-1-Diabetes. Inzwischen erkranken aber zunehmend auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene am Typ-2-Diabetes, der daher bald nicht mehr zu Recht als "Altersdiabetes" bezeichnet werden kann.

Allein in Deutschland werden die Krankheitskosten, die in Folge von Diabetes entstehen auf 12 Mrd. Euro beziffert und machen damit 6 % der deutschen Krankheitskosten insgesamt aus. Diese Zahlen sind weit mehr als Statistik, denn hinter diesen Zahlen verbergen sich Zigtausende von Menschen– und Familienschicksalen, denn Diabetes bringt die bekannten gravierenden Folgeschäden bis hin zur Erblindung oder Amputation mit sich.

Bei jedem einzelnen Menschen, dem der Arzt eröffnet, dass er Diabetes hat, ändert sich schlagartig das Leben: Angst vor der Umstellung von liebgewonnenen Lebensgewohnheiten, Verzweiflung und Ratlosigkeit beherrschen unmittelbar nach einer Diagnose die Gedanken. Alles dreht sich nur noch um die Frage, wie es weitergeht. Nicht nur für den unmittelbar Betroffenen, sondern auch für dessen Familie ist allein die Diagnose schon oft eine Tragödie unabhängig davon, wie die Krankheit letztendlich verläuft und unabhängig davon, was Medizin danach noch tun und erreichen kann.

Doch es besteht für die Betroffenen keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir alle können zumindest für die Verhütung von Typ-2-Diabetes viel tun: seine Häufigkeit lässt sich um bis zu 58 % senken, wenn Übergewicht reduziert und Bewegungsmangel abgestellt wird. Dass auch Übergewicht gerade bei Kindern und Jugendlichen der entscheidende Faktor für die Diabetesentstehung ist und wir in Deutschland, wie überall in Europa und Nordamerika, zunehmend stark übergewichtige Kinder haben, zeigt umso mehr die Dimension an Diabeteskranken, die uns erwartet.

Nach einer bayrischen Studie leiden 1,5 % der übergewichtigen Jugendlichen bereits an Typ-2-Diabetes, bei 6,7 % sind Hinweise auf eine Störung des Zuckerstoffwechsels gegeben. Und wenn wir die saarländischen Schulanfänger betrachten - auch hier sind bereits über 5 % stark übergewichtig - dann müssen wir auch im Saarland mit diesen Dimensionen rechnen.

Gesunde Ernährung gemäß unserer Kampagne 'Hauptsach GUDDgess' kann ebensoviel Spaß machen wie Fast-Food und Süßigkeiten und Bewegung zur Vorbeugung ist keine Hexerei: warum nicht statt des Aufzugs mal die Treppen benutzen, kürzere Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Dazu kann noch ein Lieblingssport kommen, der nichts Spektakuläres sein muss - alles ist besser, als reglos vor dem Fernseher oder Computer zu verharren, denn Diabetes Typ 2 ist vermeidbar. Hier appelliere ich auch an die Eltern, über die Sorge für sich selbst hinaus die Chance und so meine ich, auch die Verpflichtung wahrzunehmen, sowohl im Ernährungs- wie auch im Bewegungsverhalten immer wieder die erforderlichen Impulse im eigenen Umfeld zu setzen.

Aber auch die Kinder und Jugendlichen mit angeborenem Diabetes brauchen nicht zu verzweifeln, denn die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten machen immer weitere Fortschritte. Hier hilft aber nicht allein medizinischen Beistand, den bei uns heute jeder problemlos und schnell auf höchstem technischem Niveau bekommt. Genauso wichtig wie medizinische Hilfe und manchmal sogar noch wichtiger ist aber Hilfe im umfassenden Sinne, die anfängt bei psychologischer Stabilisierung, über den Austausch mit anderen Betroffenen bis hin zur Hilfe bei der Ernährungsumstellung oder dem Umgang mit der Krankheit im Alltag, also beim Sport oder beim Autofahren. Hier danke ich ausdrücklich dem Deutschen Diabetiker Bund Landesverband Saarland für sein Engagement und seine Initiative zum Kinder- und Jugenddiabetestag. Hinweisen möchte ich auch auf die Nutzung der Selbsthilfestruktur im Saarland, wo eine Gruppe die Möglichkeit zu informativem Austausch über Alltagsprobleme und zu ermutigendem Kontakt zu anderen Kindern und Jugendlichen bietet, die ein vergleichbares Leiden haben."

zuletzt bearbeitet: 19.03.2004 nach oben

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