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Keine Nachwuchssorgen für das metabolische Syndrom

Grundschüler auf dem besten Weg zu Zivilisationskrankheiten

Eltern, schützt Eure Kinder vor Fehlernährung und geht mit gutem Beispiel voran!

Die US-amerikanische Fettwelle überschwemmt Europa! Immer mehr Schulkinder sind übergewichtig und entwickeln sich zu Kandidaten für spätere Zivilisationskrankheiten. Dies ergab eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie (BMJ 2001;322:1094-1095) mit 1762 Messungen an insgesamt 608 Schulkindern im englischen Leeds, die im Jahr 1996 und erneut im Jahr 1997 und 1998 durchgeführt wurden.

Bei den 9jährigen waren eins von fünf, bei den 11jährigen bereits eins von drei Mädchen übergewichtig. Die Häufigkeit von starkem Übergewicht (Adipositas) lag bei 13 Prozent. Bei den Jungen lag die Übergewichts-Prävalenz bei 27 Prozent, die der Adipositas bei 20 Prozent. Bei diesen Zahlen sollten alle Alarmglocken läuten, so heute Birgit Junghans, Ernährungswissenschaftlerin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen. Falsche Ernährungsgewohnheiten wie die Vorliebe für Fast-Food, Süßigkeitenverzehr und zuckerhaltige Softdrinks wie Cola und Limonaden begünstigen Übergewicht.

Lebensmittelhersteller werben mit angeblich speziell auf kindliche Bedürfnisse abgestimmten und gesunden Produkten, die bei genauerer Betrachtung in erster Linie überflüssigen Zucker und teilweise sogar Alkohol als Trägerstoff enthalten.

Kinder bieten eine ideale Zielgruppe für Werbung und sind leicht zu gewinnen, Produzenten locken mit interessanten Verpackungen und Zugabeartikeln wie Abziehbildern und Plastikfigürchen. Kinder spielen eine entscheidende Rolle beim wöchentlichen Einkauf, Eltern füllen den Kühlschrank mit Fruchtzwergen, Milchschnitten, Knisterjoghurts und Milchshakes.

Diese Lebensmittel verzehren Kinder "nebenher", vier bis fünf Fruchtzwerge rutschen wie nichts, weiß Junghans, Mutter von zwei 13- und 16jährigen Töchtern zu berichten. Spezielle Kindermüslis entpuppen sich häufig als Zuckerbomben. Ein weiterer begünstigender Faktor für kindliches Übergewicht ist mangelnde Bewegung. Vom Bett mit dem Bus zur Schule, dort an die Schulbank, mit dem Bus zurück, an den Computer und vor den Fernseher - so sieht der Tag von vielen Kindern aus.

Kindlich angelegtes Übergewicht manifestiert sich für das ganze Leben, warnt Junghans. Was uns in Zukunft erwartet, können wir an den US-Amerikanern sehen: Jugendliche mit Altersdiabetes, XXL-Kids mit einem BMI über 30, Bluthochdruck, Arteriosklerose, koronare Herzkrankheiten (KHK) in jungen Jahren. Sind diese Kinder einmal erwachsen oder gar im Seniorenalter, ist die Lebensqualität auf Grund dieser Erkrankungen schlecht. Können wir das verantworten?

Es ist unsere Pflicht, unsere Kinder davor zu schützen. Gesundes Ernährungsverhalten müssen Eltern vorleben und nicht predigen! Täglich reichlich Obst und Gemüse, Ballaststoffe, zwei- bis dreimal wöchentlich Fleisch und Fisch gehören auf den Speiseplan. Alkohol und Zigaretten sind Suchtmittel und müssen als solche behandelt werden. Darüber hinaus benötigen Kinder dringend Bewegung. Auch kleine Computerspezialisten profitieren vom Sport im Verein, denn das bringt Freunde, fördert Fairness und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Nach dem Sport arbeitet es sich am Rechner auch viel besser.

Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik informiert auf seiner Homepage über den Weg zu einer ausgewogenen Ernährungsweise und einem gesunden Körpergewicht. Unter der Nummer 0241-4450600 beantworten die ernährungsmedizinischen Berater des Instituts werktags in der Zeit von 14.00 bis 17.30 Uhr Ihre Fragen.

Medizinische Poliklinik der Medizinischen Fakultät Bonn Direktor: Universitätsprofessor Dr. med. Hans Vetter

In Kooperation mit dem Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) e.V.
Präsident: Prof. Dr. rer. nat. Rudolf Schmitz
Wissenschaftlicher Direktor: Prof. Dr. med. Helmut Mann

Vorlesungsreihe Ernährungsmedizin, Wintersemester 2001
Privatdozentin Dr. med. Christine Metzner

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zuletzt bearbeitet: 19.09.2001 nach oben

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