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Einstieg in die integrierte Versorgung

Pressemitteilung: Vereinte Krankenversicherung AG

Mehr trotz Lebensqualität Diabetes

Vereinte Krankenversicherung startet Modellprojekt zur Steigerung der medizinischen Behandlungsqualität bei Diabetikern

Im Mai hat die Vereinte Krankenversicherung AG, München, ein Modellprojekt mit 500 an Diabetes erkrankten Versicherten in Bayern gestartet. "Ziel ist es, durch ein ärztliches Qualitätsmanagement und durch die Vernetzung von niedergelassenen Ärzten und Kliniken die Versorgung und Lebensqualität von Diabetespatienten zu verbessern", erklärt Vorstandsmitglied Wilfried Johannßen.

Die zur Allianz Gruppe gehörende Krankenversicherung steigt damit erstmals in die integrierte Versorgung ein und setzt neben der Prävention von Hautkrebs und dem bundesweiten Asthma-Programm einen neuen Schwerpunkt in ihrem Gesundheitsmanagement. Das auf zwei Jahre angelegte Diabetes-Modellprojekt ist ein neuer zentraler Baustein im Konzept der Vereinten, das auf eine hochwertige medizinische Versorgung zu bezahlbaren Versicherungsbeiträgen abzielt.

Nach Einschätzung des Münchener Krankenversicherers kann angesichts der nachweislichen Qualitätsdefizite in der Diabetikerversorgung mit einer optimalen Behandlung der Gesundheitszustand der Patienten entscheidend verbessert werden. Außerdem können nicht nur Kostensteigerungen vermieden, sondern sogar Ausgaben gesenkt werden. Johannßen geht bei der Vereinten Krankenversicherung mittelfristig von einem Einsparpotential von ca. 20 Prozent aus. Langfristig gesehen will die drittgrößte private Krankenversicherung mit dem Projekt die Grundlagen für eine qualitativ bessere Diabetesversorgung ihrer Versicherten schaffen.

Diabetes-Modellprojekt startet Ende Mai

In der ersten Phase werden Versicherte der Vereinten Krankenversicherung eingeladen, gemeinsam mit einem Arzt ihres Vertrauens an dem Projekt teilzunehmen. Die Ärzte in den Modellregionen werden bereits vorab über das Vorhaben informiert. Wie Johannßen betont, liegt die Initiative aber ausschließlich beim Patienten. "Wir wollen dem behandelnden Arzt nicht die Patienten wegnehmen - im Gegenteil: Der Patient soll bei dem Arzt bleiben zu dem er Vertrauen hat und mit ihm zusammen von dem Programm profitieren." Bei der Durchführung arbeitet das Unternehmen eng mit dem PROSIT®-Projekt zusammen, einem Zusammenschluss von führenden Diabetesexperten der Universität München (LMU) und des Klinikums München-Bogenhausen.

Eines der Kernelemente des Modellprojekts ist die Datenauswertung der im Therapieprogramm dokumentierten Werte und die anschließende gezielte Optimierung der Behandlung. Zu diesem Zweck hält der teilnehmende Arzt in einem Dokumentationsbogen die wesentlichen Krankheitsdaten des Patienten fest. Das PROSIT-Team wertet diese zuvor anonymisierten Angaben aus, vergleicht sie per Computer mit den dort gespeicherten Werten und kann so dem Arzt genau angeben, wie der Stand der Therapie ist und was unbedingt getan werden sollte. Auf Basis der Datenanalyse kann der Arzt den Behandlungsprozess gezielt optimieren. "Die Therapiefreiheit des Arztes wird dabei nicht angetastet. Wir wollen dem Arzt lediglich Entscheidungshilfen zur Verfügung stellen", erklärt Johannßen.

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Qualitätszirkel: Schnittstelle zwischen dem ambulanten und stationären Bereich

In regelmäßigen Qualitätszirkeln, die sich an den Regeln der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns orientieren, sollen Ärzte, Fachärzte und Kliniker problematische Patientenfälle beraten. In Fallkonferenzen kann auf Grundlage existierender Behandlungsempfehlungen die Therapie von Diabetikern mit zusätzlichen Risiken geplant und optimiert werden.

Die Anzahl von vermeidbaren Klinikeinweisungen soll so reduziert werden. Für den erhöhten Dokumentationsaufwand im Modellprojekt erhält der Arzt einen finanziellen Ausgleich. Ansonsten werden alle medizinischen Leistungen wie gewohnt abgerechnet.

Der Diabetiker ist sein erster und wichtigster Therapeut

Ein weiterer wesentlicher Programmbestandteil ist die Stärkung der Patientenrolle. Um eigenverantwortlich mit seiner Erkrankung umgehen zu können, sollte der Diabetiker genau wissen wie sein aktueller Krankheitszustand ist, wie er sein tägliches Leben auf die Diabetestherapie abstimmen und sich in Notfällen verhalten sollte. Ein zentraler Punkt dabei ist der Gesundheits-Pass Diabetes, den der Patient zusammen mit seinem Arzt führt.

In diesem Vorsorgepass der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), Bochum, werden die Krankheitsdaten regelmäßig festgehalten. Für den Diabetiker führt dies zu mehr Transparenz und mehr Sicherheit im Umgang mit seiner Erkrankung. Ferner stellt die Vereinte Kranken in Absprache mit dem Deutschen Diabetiker Bund in Bayern dem Versicherten regelmäßige Informationen zum Thema Diabetes sowie im Bedarfsfall Hilfsmittel wie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte zur Verfügung. Ergänzend bietet sie den teilnehmenden Patienten qualifizierte Schulungen nach dem Standard der DDG an.

Im Spätherbst erste Zwischenergebnisse

Mit ersten Ergebnissen des Modellprojekts rechnet die Krankenversicherung der Allianz im November 2000. "Wir werden sowohl die Entwicklung des Krankheitszustandes der teilnehmenden Patienten analysieren als auch den Nutzen der ärztlichen Qualitätszirkel prüfen", erklärt Johannßen.

Bislang liegen kaum qualifizierte Daten über den Nutzen von ärztlichen Qualitätszirkeln im Rahmen von integrierten Versorgungsmodellen vor. Falls sich diese interdisziplinäre Verzahnung als so erfolgreich erweist, wie der Versicherer derzeit annimmt, will er solche Modelle in Zukunft verstärkt fördern.

zuletzt bearbeitet: 05.06.2000 nach oben

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