{"id":931,"date":"2006-07-20T20:50:14","date_gmt":"2006-07-20T18:50:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diabsite.de\/diabetes-weblog\/2006\/07\/20\/nach-der-gb-a-entscheidung-zu-kurzwirksamen-insulinanaloga\/"},"modified":"2006-07-24T19:37:17","modified_gmt":"2006-07-24T17:37:17","slug":"nach-der-gb-a-entscheidung-zu-kurzwirksamen-insulinanaloga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diabsite.de\/diabetes-weblog\/2006\/07\/20\/nach-der-gb-a-entscheidung-zu-kurzwirksamen-insulinanaloga\/","title":{"rendered":"Nach der G-BA-Entscheidung zu kurzwirksamen Insulinanaloga"},"content":{"rendered":"<p><em>In Pressekonferenzen werden Journalisten Sachverhalte erkl\u00e4rt, damit sie Leser, H\u00f6rer oder Zuschauer informieren k\u00f6nnen. Da ich, obwohl mit den <a href=\"https:\/\/www.diabsite.de\/aktuelles\/nachrichten\/dateien\/060206-diskussion.html\" title=\"zur Diskussion um Insulinanaloga\" target=\"_blank\">Diskussionen<\/a> um kurzwirksame Insulinanaloga f\u00fcr Typ-2-Diabetiker als Chefredakteurin des Diabetes-Portals DiabSite vertraut, gestern einigerma\u00dfen verwirrt aus einer Pressekonferenz kam, gestatten Sie mir bitte diesen pers\u00f6nlichen Beitrag. <\/em><\/p>\n<p>Gestern hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen G-BA seine Entscheidung, die Verordnungsf\u00e4higkeit kurzwirksamer Insulinanaloga f\u00fcr Typ-2-Diabetiker einzuschr\u00e4nken, auf einer Pressekonferenz in Berlin begr\u00fcndet. Jetzt muss die Bundesregierung den <a href=\"https:\/\/www.diabsite.de\/aktuelles\/nachrichten\/2006\/060720.html\" title=\"zur Nachricht vom G-BA\" target=\"_blank\"> Beschluss<\/a> noch absegnen. Und wer zweifelt an der freudigen Zustimmung des Gesundheitsministeriums, angesichts der Tatsache, dass Ulla Schmidt sich die Senkung der Arzneimittelausgaben ganz oben auf ihre Fahnen geschrieben hat?<\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen&nbsp;(IQWiG) hat bei der Analyse der Studien zu kurzwirksamen Analoginsulinen festgestellt, dass vor allem die Studienlage schlecht ist. Au\u00dferdem sei ein Zusatznutzen gegen\u00fcber den preiswerteren Humaninsulinen nicht erkennbar. Der G-BA hat daher entschieden, dass diese Analoga nur noch in wenigen begr\u00fcndeten und nachgewiesenen Ausnahmef\u00e4llen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden d\u00fcrfen. Bleibt die Frage, wie das IQWiG zu seiner Stellungnahme und der G-BA zu seiner Entscheidung gekommen sind, wenn die Basis&nbsp;&#8211; qualitativ hochwertige Studien&nbsp;\u2013 daf\u00fcr fehlt? Und warum gibt es Ausnahmeregelungen, wenn ein Zusatznutzen nicht gefunden wurde?<\/p>\n<p>Trotz heftiger Kritik vom Deutschen Diabetiker Bund haben auch die Patientenvertreter im G-BA, wie ihr Sprecher, Stefan Etgeton vom Bundesverband der Verbraucherzentrale, mitteilte, dem Beschluss zugestimmt. K\u00f6nnen sie die Interessen der Diabetiker auf Bundesebene glaubhaft vertreten, wenn sie nicht einmal wissen, wie sich eine heftige Unterzuckerung anf\u00fchlt? Diabetiker und \u00c4rzte betonen, dass schwere Hypoglyk\u00e4mien bei einer Therapie mit Insulinanaloga seltener auftreten als unter Humaninsulin. Zwar sieht Etgeton im Gegensatz zum Kassenvertreter Wolfgang Kaesbach, der eine rigorose Umsetzung des Beschlusses fordert, die Gr\u00fcnde f\u00fcr Ausnahmeregelungen nur als Beispiele und r\u00e4umt ein, dass viele Diabetes-Patienten ihm von positiven Erfahrungen mit modernen Insulinen berichtet h\u00e4tten. Aber dennoch, und obwohl eine gro\u00dfe Umfrage im Diabetes-Journal ergeben hat, dass Diabetiker bei einer Therapie mit Analoga statt sechs nur noch eine heftige Unterzuckerung pro Jahr hatten, fordert er weitere wissenschaftliche Studien. Wei\u00df die Patientenvertretung wirklich, was ihre Zustimmung zum Beschluss f\u00fcr rund 200.000 insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker in Deutschland bedeutet? <\/p>\n<p>Selbst Diabetes-Patienten, die bereits ein Insulinanalogon spritzen, m\u00fcssen schon bald wieder auf Humaninsulin umgestellt werden. Und das selbst dann, wenn sie das Analogon wegen einer drohenden oder beginnenden Sp\u00e4tkomplikation vom Arzt begr\u00fcndet bekommen haben. Wer \u00fcbernimmt die Haftung, wenn ein Diabetes-Patient durch den sechsmonatigen Test mit einem preiswerteren Humaninsulin erblindet? Auf diese Frage antwortet der G-BA-Vorsitzende Dr.&nbsp;Rainer Hess ausweichend: &#8222;Wir haben eine politische und vor allem wirtschaftliche Entscheidung gef\u00e4llt.&#8220; Sollte die Industrie den Preis f\u00fcr Analoginsuline auf das Niveau von Humaninsulinen senken, k\u00f6nnten auch Analoga wieder zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Will der G-BA&nbsp;&#8211; unbeeindruckt von mehr als 180.000&nbsp;Patientenprotesten&nbsp;&#8211; nur ein politisches Signal setzen und die pharmazeutische Industrie in die Knie zwingen?<\/p>\n<p>Auf so manche Frage der zahlreich anwesenden Journalisten gab es eine Antwort, die ihrerseits weitere Fragen aufwirft. Am Ende der Pressekonferenz des G-BA stand ich etwas ratlos vor der T\u00fcr und kann mich bei Ihnen, liebe Leser, nur frei nach Brecht mit den Worten entschuldigen: <\/p>\n<p>Ich stehe selbst betr\u00fcbt und seh betroffen<br \/> <br \/>\nDen Vorhang zu und alle Fragen offen.<\/p>\n<p>Noch in diesem Jahr will der Gemeinsame Bundesausschuss \u00fcber die Verordnungsf\u00e4higkeit von kurzwirksamen Insulinanaloga auch f\u00fcr Typ-1-Diabetiker entscheiden. Die langwirksamen Analoga werden folgen. Wird es gelingen, die Politik zur Vernunft zu bringen, den Patienten wieder in den Mittelpunkt zu stellen, Kosten f\u00fcr Krankenhausaufenthalte durch schwere Unterzuckerungen und Sp\u00e4tkomplikationen zu vermeiden&nbsp;&#8211; mit einem Wort den Vorhang wieder aufzuziehen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Pressekonferenzen werden Journalisten Sachverhalte erkl\u00e4rt, damit sie Leser, H\u00f6rer oder Zuschauer informieren k\u00f6nnen. 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