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Berlin-Marathon mit Diabetes?

Kein Problem bei optimaler Betreuung

Foto von Matthias Über 40 Marathon-Läufer mit Diabetes kommen beim 31. real,-Berlin-Marathon 2004 wohlbehalten ins Ziel. Matthias, der schnellste von ihnen, benötigt für die 42,195 Kilometer sogar nur 2 Stunden 53 Minuten und 6 Sekunden. Neben dem intensiven Training und der, wie die Läufer sagen, besonders schnellen Strecke in Berlin, ist eine spezielle Diabetikerversorgung entscheidend für diese hervorragende Leistung. "Du fühlst dich einfach sicher, kannst locker laufen und etwas mehr riskieren. Diese spezielle Betreuung beim Berlin-Marathon hat einen positiven Einfluss auf die Psyche", so Arno, der als zweiter Diabetiker ins Ziel kommt.

Bild von einer Blutzuckermessung Was bedeutet die Diabetikerversorgung beim Marathon in Berlin? An Start und Ziel, sowie an Kilometer 10, 20 und 30 stehen Diabetesexperten mit Blutzuckermessgeräten, Kohlenhydraten und Insulin bereit. Sie bestimmen in Windeseile den aktuellen Blutzuckerspiegel und wissen genau was bei einem zu niedrigen oder zu hohen Wert zu tun ist.

Ulrike Thurm Organisiert wird diese Betreuung diabetischer Marathonis, wie die Teilnehmer liebevoll genannt werden, durch Ulrike Thurm. Die Diabetikerin und Diabetesberaterin ist Vorsitzende der deutschen Sektion der IDAA (International Diabetic Athletes Association), einer Vereinigung diabetischer Sportler, und Mitautorin der "Diabetes- und Sportfibel".

Läuferinnen und Läufer mit Diabetes können sich schon lange vor dem Start in Berlin bei der IDAA melden. Ulrike Thurm steht dann für Fragen zur Therapieanpassung bereits während des Trainings zur Verfügung. Eine so intensive Betreuung teilnehmender Diabetiker, wie sie der Berlin-Marathon in diesem Jahr zum dritten Mal bietet, ist wohl einzigartig auf der Welt.

DiabSite hat die Spezialversorgung von A-Z erlebt und hofft, dass diese Besonderheit des Berlin-Marathons durch den folgenden Beitrag weltweit bekannter wird.

Die Vorbereitungen laufen an

Bereits im Januar 2004 nimmt Ulrike Thurm Kontakt mit den Veranstaltern des 31. real,-Berlin-Marathons auf. Für sie beginnt nun ein wahrhafter Organisations-Marathon. Am Anfang werden grundsätzliche Fragen geklärt: Wo dürfen die Helfer einen Stand aufstellen? Wann kann das erforderliche Material zu den Versorgungspunkten gebracht werden? Gibt es im sicherheits-sensiblen Start- und Zielbereich einen Platz für die Betreuung diabetischer Läuferinnen und Läufer?

Die Vorbereitungen laufen ruhig an. Denn ihre Erfahrungen mit dem Management der Diabetikerversorgung zum real,-Berlin-Marathon 2002 und 2003 (DiabSite berichtete) kommen Ulrike Thurm zugute. In den folgenden Monaten werden Materiallisten erstellt, Helferinnen und Helfer angeschrieben, Sponsoren gesucht und Informationsblätter geschrieben.

Foto: Läuferinnen und Läufer beim 31. real,-Berlin-Marathon Die Detailorganisation erfordert eine umfangreiche Logistik. Wie bleiben Testgeräte, Kohlenhydrate und Spritzen auch bei Regen trocken? Wer transportiert das Material an die Versorgungspunkte? Welche Helfer stehen an welchem Stand? Auf einige Antworten muss die Organisatorin lange warten, denn von Juni bis August sind zahlreiche Ansprechpartner im Urlaub. So muss Vieles in den letzen Wochen vor dem großen Ereignis, dem 31. real,-Berlin-Marathon, besprochen werden.

Auf Hochtouren

Immer mehr Läuferinnen und Läufer mit Diabetes melden sich bei der IDAA. E-Mails werden ausgetauscht und Telefonate geführt. Einige Teilnehmer benötigen spezielles Versorgungsmaterial an den Versorgungspunkten, andere wollen wissen, ob es im Rahmen der Marathonmesse wieder eine Vorbesprechung für Diabetiker gibt.

Richtig, der IDAA-Messstand muss vorbereitet werden: Ein Informationsblatt auf Deutsch und Englisch für diabetische Marathonis aus aller Welt wird gedruckt, ein Platz für die Vorbesprechung noch gesucht, der Standdienst geplant. An den Messetagen werden sich weitere Läuferinnen und Läufer melden, um von der Spezialversorgung zu profitieren.

Bild vom Diabetes-Schild an Versogungspunkt 30 Der Start des 31. real,-Berlin-Marathons mit über 35.000 Teilnehmern rückt näher. Schilder für die speziellen Versorgungsstationen werden gemalt, Informationen für die Helferteams gedruckt und regensicher gemacht. Die Organisatorin der Spezialversorgung muss jetzt ihre Kräfte gut einteilen, damit ihr am Ende nicht die Puste ausgeht.

Foto: Material auf dem Tisch am Versorgungspunkt Mit der eingetroffenen finanziellen Unterstützung der Sponsoren können endlich die erforderlichen Einkäufe für die vier Versorgungsstationen getätigt werden. Bald sind geeignete Werkzeugkoffer gefunden, die mit schnell und langsam wirkenden Kohlenhydraten wie Traubenzucker, Glukose-Gel, Cola und Bananen für unterzuckerte Teilnehmer gefüllt werden. Jeder Stand wird mit Blutzuckermessgeräten, Einmalhandschuhen, Feuchttüchern und Stechhilfen ausgestattet. Die Versorgungsstationen - bestehend aus ein paar Stühlen und Tischen, auf denen das Material ausgebreitet wird - sind komplett.

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Endspurt des Organisations-Marathons

Wenige Tage vor dem Start beginnt die heiße Phase des Organisations-Marathons. Die angemeldeten Läuferinnen und Läufer, aber auch die Helferteams, haben viele Fragen. Das Telefon der IDAA steht kaum noch still.

Zwei Tage vor dem Marathon öffnet das ICC (International Congress Center) in Berlin seine Pforten für die Marathonmesse. Viele Besucherinnen und Besucher kommen zum IDAA-Stand. Einige Neugierige wollen wissen, warum Diabetiker beim Marathon eine spezielle Versorgung benötigen. Die Läuferinnen und Läufer mit Diabetes mellitus lassen sich registrieren. Für die rund 20 angemeldeten Marathonis findet am zweiten Messetag eine Vorbesprechung statt. DiabSite mischt sich unter die Sportlerinnen und Sportler.

Bild von den Teilnehmern während der Vorbesprechung Ulrike Thurm erklärt den organisatorischen Ablauf, Helferteams und Marathon-Teilnehmer lernen sich kennen. Die jeweiligen Standdienste notieren von jedem Teilnehmer die geschätzten Zeiten für die Ankunft an ihrem Versorgungspunkt. Es entsteht schnell ein herzliches Verhältnis. Läuferinnen und Läufer bekunden ihre Dankbarkeit für die Spezialbetreuung mit Worten und einem riesigen Applaus für die Menschen, die diese Versorgung ermöglichen.

Unterschiedliche Therapieformen und die jeweils erforderlichen Therapieanpassungen werden besprochen, Helferinnen und Helfer nehmen Sonderwünsche entgegen. So möchten einige Diabetiker das kohlensäurehaltige Getränk zum Auffüllen der Kohlenhydrate gerne geschüttelt haben. Zuviel Kohlensäure im Bauch ist beim Laufen offensichtlich hinderlich.

Wer als Diabetiker einen Marathon laufen will, muss über seinen Diabetes wirklich gut Bescheid wissen. Die Verbrennung von Kohlenhydraten und die Reaktion des Körpers auf eventuell erforderliche Insulingaben sind beim Ausdauersport vollkommen anders als im Alltag mit Diabetes.

In diesem Jahr sind viele junge, gut trainierte Läuferinnen und Läufer mit Typ 1 Diabetes zur Spezialbetreuung angemeldet. Auch marathonerfahrene Typ-2-Diabetiker sind mit von der Partie. Die weniger versierten Teilnehmer lernen von den Erfahrenen. Alle Anwesenden freuen sich über die spezielle Diabetikerversorgung der IDAA und wissen die wertvollen Hinweise zu schätzen.

Auf der Strecke und an der Strecke

Das Trio der diabetischen Läufer am Versorgungspunkt Sonntag, der Marathon beginnt. Drei Läufer mit Diabetes haben am Vortag bekundet, dass sie etwa zur gleichen Zeit am Ziel sein wollen. Sie legen ein gutes Stück der Strecke gemeinsam zurück. Dieses diabetische Trio fängt Susan Grzybek, die für das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite an Kilometer 30 steht, mit der Kamera ein.

Bild eines portugisischen Läufers mit Diabetes Auch nicht registrierte Läuferinnen und Läufer mit Diabetes, oftmals aus anderen Ländern, stoppen an den Versorgungspunkten und lassen ihren Blutzucker messen. Den Helferteams macht ihr Einsatz trotz Nieselregens und Kälte sichtlich Spaß. Die lautstarke Unterstützung durch das Publikum und die besondere Atmosphäre dieses sportlichen Großereignisses tun ihr Übriges.

Foto: Helferinnen mit der DiabSite-Fotografin Von Kilometer Null bis zum Ziel bei Kilometer 42,195 läuft die Spezialversorgung wie am Schnürchen. Und immer wieder beteuern die Teilnehmer mit Diabetes, dass sie eine derart intensive Betreuung noch bei keinem anderen Marathon der Welt erfahren haben. Sie versichern, wie wichtig es ihnen ist, dass an der Strecke Menschen stehen, die sich mit dem Diabetes mellitus gut auskennen.

Foto: Ulrike Thurm schaut sich am Stand die Blutzuckerwerte an Und was macht die Initiatorin der Aktion, Ulrike Thurm, wenn zum Finale ihres Organisations-Marathons alle diabetischen Teilnehmer auf der Strecke sind? Legt sie gemütlich die Füße hoch und schaut sich den Berlin-Marathon im Fernsehen an? Nein, sie läuft am Sonntag die Marathonstrecke in voller Länge selbst mit.

Aber für Ulrike Thurm geht es nicht um einen der ersten Plätze oder um das Erreichen einer neuen persönlichen Bestzeit. Für sie zählt allein die optimale Betreuung der teilnehmenden Diabetiker. Sie bringt die Läuferinnen und Läufer auf die Strecke, startet als Letzte und schaut sich an den Versorgungspunkten die Blutzuckerwerte an. Sie dankt den Helferteams, stimmt nötigenfalls Aktionen mit dem nächsten Versorgungsstand ab und ist auch während des Laufs jederzeit telefonisch erreichbar.

Schon am Nachmittag, die Beine schmerzen noch, wird mit den Helferteams Bilanz gezogen. Beim Berlin-Marathon 2004 profitieren über 40 Marathonis mit Diabetes von der IDAA-Betreuung. Alle Läuferinnen und Läufer sind gesund im Ziel. Erschöpft, aber glücklich. Glücklich, weil sie sich und anderen bewiesen haben: Berlin-Marathon mit Diabetes? Ja klar, das geht!

Und schon jetzt laufen die Vorbereitungen für den 32. real,-Berlin-Marathon im nächsten Jahr an. Die spezielle Diabetikerversorgung wird es 2005 wieder geben. Denn "nach dem Marathon ist vor dem Marathon", versichert Ulrike Thurm lächelnd.

Kleiner Wermutstropfen

Schade nur, dass der Marathon-Veranstalter, die SCC-RUNNING Events GmbH, diese einzigartige Betreuung noch nicht auf seinen Internetseiten und den Fragebögen für die Anmeldung erwähnen. Die IDAA, Ulrike Thurm und ihre Teams, könnten so noch viel mehr Läuferinnen und Läufern mit Diabetes einen entspannten Marathon ermöglichen.

Autor: hu; zuletzt bearbeitet: 14.10.2004 nach oben

Bildquellen: Sandra Ritschel (E-Mail), Manfred Gummi, Susan Grzybek und das Diabetes-Portal DiabSite.

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