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Liegt hier ein metabolisches Syndrom vor

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
da wir demnächst eine künstliche Befruchtung durchführen wollen, hat mir mein Arzt aufgrund meines Übergewichtes (95 kg) geraten, das metabolische Syndrom auszuschließen. Ich muss dazu sagen, dass ich durch Ernährungsumstellung bereits 10 kg abgenommen habe.
 
Nun zu den Werten, die alle an der Vene abgenommen wurde:
HbA1c und C-Peptid liegen im Normbereich, Glucose nüchtern: 95 mg/dl (5,3 mmol/l), eine Stunde nach Belastung: 150 mg/dl ( 8,3 mmol/l) und zwei Stunden danach: 105 mg/dl (5,8 mmol/l), Cholesterin gesamt im Normbereich (gutes Cholesterin erniedrigt, schlechtes Cholesterin erhöht.
 
Nun meinte mein Arzt, dass aufgrund dieser Werte das metabolische Syndrom vorliegen würde. Der Laborarzt, mit dem ich telefonierte (weil mein Arzt im Urlaub war) meinte jedoch, dass einige Werte zwar erhöht sein, aber durch die Gewichtsreduktion wieder in den Normbereich kämen. Insbesondere wegen der Zuckerwerte bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Aber genau diese gefallen meinem Arzt überhaupt nicht.
 
Ich bin jetzt irgendwie total beunruhigt, zumal ich überhaupt nicht mehr weiß, was ich mit meiner künstlichen Befruchtung tun soll, bzw. was das Ganze für Konsequenzen in der Schwangerschaft hätte (schwangerschaftsbedingter Diabetes bzw. LexikonEPH-Gestose).
 
Im Voraus schon recht herzlichen Dank.

hs

Antwort

"Metabolisches Syndrom" sind erst einmal nur zwei Worte. Das Wort "Syndrom" benutzen Ärzte gern, wenn sie den Eindruck haben, irgend etwas sei nicht normal, ohne dass sie eine genaue Vorstellung davon haben, was los ist.
 
Es bedeutet nicht mehr, als dass mehrere Abweichungen vom Normalen häufig gemeinsam vorkommen, ohne dass genau bekannt ist, wie dieses gemeinsame Auftreten zu erklären ist. Daraus folgt, dass die Grenze zwischen "Gesund" und "Metabolisches Syndrom" nicht genau definiert ist. Zu den Abweichungen gehören beim Metabolischen Syndrom Übergewicht, Diabetes mellitus, Hypertonie (Bluthochdruck), Fettstoffwechselstörungen und Gicht.
 
Es lässt sich nun wunderbar darüber streiten, ob bei einem Betroffenen so ein Syndrom vorliegt, oder nicht, interessant ist jedoch die Bedeutung dieser Abweichungen für den Betroffenen. Ein metabolisches Syndrom tut nicht weh. Damit lautet die eigentliche Frage, bedeutet es etwas für die Zukunft?
 
In Ihrem Fall scheint Ihnen natürlich der Ausgang der geplanten Schwangerschaft ganz besonders wichtig zu sein. Aus den Untersuchungsergebnissen, die Sie mitgeteilt haben, zeigt sich recht klar, dass Sie keinen Diabetes haben. Auch die Blutzuckerwerte nach der Glukosebelastung sind normal. Die nicht ganz optimalen Blutfette und ihr Übergewicht lassen mich Ihren Hausarzt verstehen, aber eine hundertprozentige Diagnose scheint es mir nun doch nicht zu sein. Sie haben nichts über Bluthochdruck geschrieben, ich hoffe für Sie, dass bei Ihnen normale Werte gemessen wurden.
 
Was kann man tun?
Sie arbeiten ja schon recht erfolgreich an dem Gewicht. Die Pfunde schwinden natürlich nur durch Einsparen von (Fett-)Kalorien. Sie sollten aber bedenken, dass der gesundheitliche Nutzen des Abnehmens gering ist, wenn man nicht gleichzeitig auf regelmäßige körperliche Bewegung achtet. Dabei sollten Sie versuchen, täglich mindestens 3 km spazierenzugehen, oder vergleichbare Aktivitäten. Eine medikamentöse Behandlung ist meines Erachtens nicht nötig, wenn der Blutdruck normal ist.
 
Sie fragten nach dem Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes. Ich kann natürlich nicht völlig ausschließen, dass sich dieser in der Schwangerschaft etwa entwickelt. Aber bedenken Sie, dass in der überwiegenden Zahl der Patientinnen mit Schwangerschaftsdiabetes genau die Behandlung erfolgreich durchgeführt wird, die Sie jetzt schon begonnen haben - nämlich eine Ernährungsumstellung und vermehrt körperliche Aktivität.

Bei einer sorgfältigen Überwachung der Schwangerschaft lässt sich ein Schwangerschaftsdiabetes immer frühzeitig genug entdecken. Das Risiko der EPH-Gestose hängt meines Wissens mehr mit dem Bluthochdruck und nicht so sehr mit dem Übergewicht allein zusammen. Ihre nicht ganz optimalen Blutfettwerte bedeuten speziell für die Schwangerschaft sicher keinen Grund zur Sorge.

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jr (Diabetologe DDG)
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