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Gute Remissionsphase - aber die Angst vor Unterzuckerungen

Im Oktober 2000 wurde bei mir Diabetes festgestellt. Nach anfänglich hohen Werten, habe ich nun eine, wie alle sagen "gute Remissionsphase".
 
Allerdings verbreitet es bei mir reichlich Unsicherheit, weil ich ständig Insulin reduziere und sich das Gefühl "ich bin geheilt" breit macht. Aber es ist auch ein ständiges auf der Hut sein, wegen eventuellen Unterzuckerungen. Können Sie mir weiterhelfen?

hs

Antwort

Den meisten Menschen, die Diabetes bekommen, versetzt diese Nachricht erst einmal einen Schock. Mit den ersten eigenen Erfahrungen und dem Austausch mit anderen Betroffenen merkt man schließlich, dass das Leben weiter geht und man sich als gesund mit einer Einschränkung - dem Diabetes - betrachten kann.
 
Nach einigen Wochen guter Insulinbehandlung kommt es bei den meisten neu entdeckten Typ-1-Diabetikern dann zur sogenannten Remissionsphase. Die eigenen Inselzellen, von denen noch 10-20 Prozent der ursprünglichen Zahl übrig geblieben sind, beginnen wieder eigenes Insulin herzustellen. Sie als Betroffener merken das daran, dass Ihr Insulinbedarf innerhalb weniger Wochen rasant absinkt.
 
Im Klartext: Sie müssen Ihr Insulin reduzieren, weil Sie sonst ständig unterzuckern. Diese Umstellung mit ständig geringer werdendem Insulinbedarf ist jedoch nach zwei oder drei Wochen vorbei, und Sie werden wieder eine stabile Insulinmenge benötigen. Allerdings vielleicht nur noch 20 Einheiten pro Tag, obwohl Sie am Anfang 50 Einheiten pro Tag brauchten.
 
Wenn Sie also erst einmal wissen, wieviel Insulin Sie in der Remissionsphase brauchen, werden Sie feststellen, wie angenehm diese im Englischen Honeymoon (Flitterwochen) genannte Zeit ist. Für die Zeit des Honeymoons werden Sie selten einmal Blutzuckerwerte über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) messen, die Unterzuckerungen werden deutlich seltener auftreten, insgesamt ist die Diabeteseinstellung sehr stabil und auch sehr gut. Diese Flitterwochen (bis -monate und sogar -jahre) geben dem einen Partner  (Ihnen als neu Erkranktem) Zeit und Gelegenheit mit dem anderen Partner fürs Leben (dem Diabetes) klarzukommen, sich zu arrangieren.
 
Das Gefühl, nun sei man ja eigentlich wieder gesund, ist allerdings trügerisch. Zwar ist es in der Remission ohne weiteres möglich, einmal das Insulinspritzen zu vergessen, ohne dass der Blutzucker stark ansteigt. Den Diabetes werden Sie deshalb aber noch lange nicht los. Im Gegenteil gibt es Hinweise dafür, dass es sinnvoll ist, durch regelmäßiges Spritzen von Insulin eine sehr gute Diabeteseinstellung anzustreben, da eine sogenannte "aggressive Insulintherapie" die Remissionsphase vermutlich deutlich verlängern kann.
 
Vereinfacht kann man sich das so vorstellen, dass durch ausreichend gespritztes Insulin Ihre eigenen, arg gebeutelten Inselzellen geschont werden können, so dass sie länger eigenes Insulin produzieren. Bleiben Sie also am Ball und kümmern Sie sich um den Diabetes!
 
Nach einiger Zeit - und da ist jeder Mensch verschieden - werden Sie merken, dass Sie Stück für Stück wieder mehr Insulin brauchen, um eine gute Einstellung zu erreichen, bis Sie schließlich wieder bei 40-60 Einheiten Insulin pro Tag landen. Bis dahin aber sind Sie dank der Remissionsphase bereits ein echter Diabetes-Profi und kommen auch ohne eigenes Insulin gut klar.

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fk (Diabetologe) 22.02.01
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