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Warum wird bei Typ 2 Diabetikern nicht die Ursache behandelt?

Ich bin seit ca. 1988 Diabetiker Typ IIb. Bis 1996 - wie üblich - mit Medikamenten, die die Bauchspeicheldrüse antreiben, obwohl meistens schon genügend körpereigenes Insulin produziert wird, behandelt. Seither Human-Insulin-Therapie und kein Ende!
 
Vor mehr als einem Jahr wurden die Ursachen des Diabetes in der Genforschung nachvollziehbar festgestellt und GLITAZONE-Medikamente, wie PIOGLITAZONE/THIOGLITAZONE entwickelt. Diese werden in den USA seit Monaten erfolgreich eingesetzt, in Europa (Zulassungsbehörde auch für die Bundesrepublik jetzt in London) sollen sie erst Mitte 2000 auf den Markt kommen.
 
Ich frage mich, warum wurde/wird bei Typ-IIern nicht die Ursache (LexikonInsulinresistenz) behandelt, sondern ersteinmal mit Medikamenten die Funktion der Bauchspeicheldrüse zerstört? Doch nicht etwa darum, um dann auf Dauer die/den Insulinabhängigen, mit allem Drum und Dran zu produzieren? Warum haben die Krankenkassen hier nicht schon viel früher die Genforschung unterstützt? Waren hier ggf., - ich darf nicht daran denken - commerzielle Interessen im "Spiel"? - Ist zu erwarten, daß die genannten Medikamente tatsächlich allen Diabetikern helfen werden? Warum zweierlei Medikamente? Wann ist in der Bundesrepublik mit einer Zulassung zu rechnen?
 
Bitte stellen Sie diese Fragen, mit der Bitte um fachlich fundierte Auskünften, den Experten. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung, auch zum Wohle aller Betroffenen!

rh

Antwort

Die Einteilung (Klassifikation) des Diabetes hat sich geändert. Heute spricht man vom Typ 1 (Insulinmangeldiabetes) und vom Typ 2 Diabetes (früher auch Alterszucker genannt). Beim Typ 2 Diabetes wird meist genügend körpereigenes Insulin produziert, das jedoch nicht in der Lage ist, die Stoffwechsellage zu normalisieren. Hierfür standen bisher mehrere orale Antidiabetika (Tabletten) zur Verfügung:
 
Acarbose (führt zur Verlangsamung der Kohlenhydrataufnahme im Darm), Sulfonylharnstoffe (führen zu erhöhter Insulinausschüttung) und Metformin (verbessert die Kohlenhydratverwertung, ohne die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse zu beeinflussen).
 
Bei der Suche nach Medikamenten zur Regulierung des Fettspiegel hat man bei Glitazonen festgestellt, daß diese den Kohlenhydratstoffwechsel günstig beeinflussen. Der Einsatz des ersten Glitazons (Troglitazone) führte leider vereinzelt zu schweren Leberschädigungen. Die Nachfolgepräparate (Rosiglitazone und Pioglitazone) haben diese Nebenwirkungen nicht mehr gezeigt.
 
Richtig ist, daß Glitazone in USA bereits zugelassen sind. Nach letzten Hersteller-Informationen ist in circa 2 Monaten auch mit der Zulassung in Deutschland zu rechnen.
Nach meiner Meinung und den mir vorliegenden Veröffentlichungen sowie eigenen Erfahrungen stellt die Einführung der Glitazone eine wesentliche Bereicherung der bereits zur Verfügung stehenden oralen Antidiabetica dar:
  • Die Insulinproduktion wird nicht beeinflußt.
  • Es ist mit einer Absenkung der Insulinspiegel bei besserer Ansprechbarkeit zu rechnen.
  • Es besteht keine Hypoglykämiegefahr (Unterzuckerung).
  • Die Fettspiegel sinken.
  • Bei Patienten mit ausgeprägter Insulinresistenz wird die Kombination von Glitazonen mit Metformin erforderlich sein. Auch in diesen Fällen ist mit einer wesentlichen Verbesserung der Stoffwechsellage - ohne Unterzuckerungsgefahr - zu rechnen.
  • Bisher sind keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt.
Von den Glitazonen werden in erster Linie übergewichtige Typ 2 Diabetiker mit ausreichender Insulineigenproduktion profitieren. Wahrscheinlich wird auch bei denjenigen mit geringer Eigeninsulinproduktion eine Verbesserung der Stoffwechsellage bei sinkendem Insulinbedarf zu erreichen sein.
 
Aufgrund des spezifischen Wirkmechanismus setzt die Wirkung der Glitazone langsam ein. Glitazone werden sicher teurer sein als bisher in Deutschland zugelassene orale Antidiabetika - aber in vielen Fällen wird der Insulinbedarf sinken und die Kosten der Folgeschäden würden sich reduzieren.
 
Commerzielle Interessen spielen eine große Rolle, denn die Entwicklung neuer Medikamente ist teuer; ein wichtiger Punkt ist auch die Arzneimittelsicherheit. Hier muß erst ganz genau untersucht werden, bevor ein Medikament für die breite Anwendung zugelassen wird.

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ms (Diabetologe)16.04.00
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