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Kontrolle ist gut, Kontext ist besser!

aus: Current congress DDG Herbsttagung 2015: 30 - Die Ausgabe zur 9. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Elektronisches Diabetesselbstmanagement mit Blutzucker-Tagebuch-Apps

Bastian Hauck
Bastian Hauck

In der Diskussion um personalisiertes Diabetesmanagement rückt der ePatient immer mehr in den Vordergrund - und damit mobile Lösungen, wie Blutzucker-Tagebuch-Apps, die das tägliche Selbstmanagement, die Dokumentation des (Diabetes-)Alltags, den Datenaustausch zwischen Patient und Diabetesteam und die Datenanalyse erleichtern sollen, berichtet Bastian Hauck, Berlin.

Appprovider lassen sich grob in 3 Kategorien (und Geschäftsmodelle) unterteilen: Medizintechnikfirmen erhöhen durch meist proprietäre Apps die Bindung der Nutzer an ihre Produkte; Krankenkassen kombinieren diese mit Coaching- oder Präventionsangeboten für ihre Versicherten; Gesundheits-Start-ups verstehen ihre App als eigenständiges Produkt und vertreiben es direkt an ihre Kunden. Die Vielzahl vorhandener Apps und Anbieter führt oft zu Verunsicherung:

Nicht selten führt dies zu einer totalen Ablehnung von Tagebuchapps. Doch wer glaubt, diese seien lediglich eine digitalisierte Form des klassischen, handschriftlichen Blutzuckertagebuchs, hat deren Potenzial nicht verstanden und riskiert, auf der Strecke zu bleiben. Denn während handschriftlich geführte Tagebücher primär der retrospektiven Kontrolle von Therapieeinstellung und Compliance dienen, können Tagebuchapps und die mit ihnen verbundene Software zur Datenanalyse einen echten Mehrwert bieten: den Kontext.

Wenige Systeme werden Ansprüchen gerecht

Allerdings ist es nicht damit getan, gemessene Blutzuckerwerte und gespritzte Insulindosen zu protokollieren, Daten aus Messgeräten, CGMS und Insulinpumpen auszulesen oder "Foodies" (Mahlzeitenfotos), "Sporties" (Bewegungseinheiten) und andere Emoticons (krank, müde, Stress, Periode, …) aneinanderzureihen. Erst das Zusammenführen und Überlagern isolierter Daten und Datensätze ermöglicht es Arzt und Patient, komplexe Muster zu erkennen und ein tieferes Verständnis für sich gegenseitig beeinflussende Faktoren und deren Auswirkungen zu erlangen.

Leider sind bisher nur wenige Systeme in der Lage, den vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden. Aus Patientensicht lassen Medizintechnikgeräte, Auslesesoftware und Apps einiges an Usability, Komfort und Einfachheit in der Anwendung vermissen, sodass viele Daten nur lückenhaft, unvollständig oder gar nicht erfasst werden - oft aus dem einfachen Grund, dass viele Anwender schlicht überfordert sind. Den Diabetesteams macht die fehlende Interoperability zu schaffen: Standardisierte Datenformate und Schnittstellen, die einen Austausch zwischen Apps, Geräten und Software unterschiedlicher Hersteller und somit eine einheitliche, gemeinsame Darstellung aller gewonnenen Daten gewährleisten würden, sucht man bislang meist vergebens.

Praktische Erprobung von Blutzucker-Tagebuch-Apps

Dennoch: Apps und mit ihnen verbundene Geräte und Sensoren sowie zunehmend intelligente Analysesoftware und Big Data werden das Arzt-Patienten-Verhältnis auf vielen Ebenen demokratisieren und verändern. Auch wenn die Entwicklung intelligenter Blutzucker-Tagebuch-Apps noch in den Kinderschuhen zu stecken scheint - es ist ein guter Zeitpunkt, an Bord zu kommen. Kontrolle ist gut, Kontext ist besser.

Im DDG-Symposium "App-Talk - Nutzen, Chancen, Hintergründe und kritische Fragen zu Blutzucker-Tagebuch-Apps" wurden unterschiedliche Perspektiven von Nutzern und Providern von Blutzucker-Tagebuch-Apps vorgestellt und diskutiert. Im anschließenden Kleingruppenworkshop "Elektronisches Diabetesselbstmanagement" lag der Fokus auf der praktischen Anwendung: Drei verschiedene Blutzucker-Tagebuch-Apps konnten unter Anleitung installiert, eingerichtet und praktisch erprobt werden.

Bastian Hauck, Berlin
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Quellen

Textquelle: Current congress DDG Herbsttagung 2015: 30
Bildquelle: privat

Wir danken der Redaktion Current congress beim Georg Thieme Verlag und Bastian Hauck für die freundliche Publikationsgenehmigung!

zuletzt bearbeitet: 25.11.2015 nach oben

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