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Diabetes-Aufklärung einmal anders

Foto: Berlin - Oranienburger Straße bei Nacht.

Wir Typ-1-Diabetiker sehen uns häufig mit einem Halbwissen zum Diabetes mellitus konfrontiert. Das ist in der Gesellschaft leider weit verbreitet. Aber will man sich dieses Halbwissen dann mal zunutze machen, kann der Schuss auch ordentlich nach hinten losgehen. Wie es dazu kam, erfahren Sie in meiner kleinen Anekdote aus dem nächtlichen Berlin.

Ende Januar 2014 hielt ich mich anlässlich des T1Days in der Hauptstadt auf. Der Informationstag für Typ-1-Diabetiker sollte am Sonntagmorgen bereits früh starten. Wie viele andere Leute aus der Diabetes-Gemeinschaft fuhr ich deshalb schon am Samstag nach Berlin. Abends trafen wir uns in einem Hotel, in dem ein Großteil der Veranstaltungsteilnehmer untergebracht war, zu einer kleinen Vorfeier. Es liegt direkt neben dem Ramada Hotel am Alexanderplatz, in dem am Sonntag der erste T1Day stattfinden sollte. Ich hingegen hatte mir ein Hotelzimmer in der Oranienburger Straße gebucht. Wir hatten viel Spaß an dem Abend, der schließlich mit einigen alkoholischen Getränken in der Lobby des Hotels endete. Da es zu meiner Unterkunft nur knapp 10 Geh-Minuten waren, machte ich mich tief in der Nacht zu Fuß auf den Weg.

Wer Berlin kennt, weiß, dass die Oranienburger Straße nach Einbruch der Dunkelheit von den Damen des horizontalen Gewerbes in Beschlag genommen wird. Sie stürzen sich auf alles, was männlich ist, allein unterwegs ist und noch einigermaßen geradeaus laufen kann, um ihre Dienste anzubieten. So auch in meinem Fall. Ich hatte kaum die ersten 20 Meter der Straße hinter mir gelassen, da stellte sich mir die erste Lady in den Weg. "Möchtest Du ein wenig Spaß mit mir haben?" Ich lehnte dankend ab. Die Frage nach dem Warum war zu erwarten. Es folgte ein lustiger Austausch von Argumenten. Doch bei Minus 16 Grad erkannte die Dame bald, dass ich ein ziemlicher "Sturkopf" bin und ließ mich ziehen. Viel weiter kam ich jedoch nicht. Nach etwa 15 Metern wiederholte sich die Szene mit einer weiteren Dame. Zunächst machte ich mir einen Spaß daraus, auch sie auf Granit beißen zu lassen. Nach Dame Nummer 4 war der Spaß für mich allerdings vorbei. Ich wollte nur noch direkt ins Hotel.

Dame Nummer 5 erwies sich als besonders hartnäckig. Meine Argumente gegen ein Stelldichein prallten einfach an ihr ab. Aber sie ließ nicht locker. Also brauchte ich ein Killer-Argument und spielte den Diabetes-Trumpf aus. In der Hoffnung, auch sie würde zu den Unwissenden in Sachen Diabetes zählten, warf ich ihr folgendes an den Kopf: "Ich bin Diabetiker und habe mein Insulin nicht dabei. Stell Dir vor, ich bekomme dabei eine Unterzuckerung. Dann hast Du ein Problem." Sie antwortete lächelnd: "Da ist Insulin wohl fehl am Platz. Dann brauchst du eher Traubenzucker und den habe ich immer dabei." Mist! Da habe ich wohl ein Eigentor geschossen. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich glaube, ich habe in diesem Moment ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut.

Sie bereitete meiner Verwirrung schließlich ein Ende und erklärte, ihr Bruder sei ebenfalls Typ-1-Diabetiker. Deshalb kenne sie sich mit dem Thema Diabetes recht gut aus. Wir plauderten schon eine ganze Weile über Diabetiker, ihren Bruder und den T1Day, als sich eine Gruppe Engländer näherte und die Dame Kundschaft witterte. "Da hast du ja nochmal Glück gehabt", sagte sie grinsend und stolzierte auf ihren High Heels den Engländern entgegen.

Ja, vor Glück ist man nie sicher. Aber immer daran denken: Der Zufall wohnt oft da, wo man ihn nicht erwartet.

Sascha Stiefeling
Typ-1-Diabetiker
Weblog: sugartweaks

zuletzt bearbeitet: 20.02.2014 nach oben

Bildunterschrift: Oranienburger Straße bei Nacht
Bildquelle: Sascha Stiefeling

Herzlichen Dank für Ihre Diab-Story und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

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