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Schützt Gluten vor Typ-2-Diabetes?

Wissenschaftler stellen glutenfreie Lebensweise bei Fehlen einer Unverträglichkeit in Frage

Der Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel könnte das Risiko für einen Typ-2-Diabetes steigern. Das berichteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard School of Public Health auf einem wissenschaftlichen Kongress.

Das Protein Gluten findet sich vor allem in Getreide und daraus hergestellten Lebensmitteln. Dem Brot verleiht es etwa seine Elastizität und sorgt für die Bindung des Teigs. Manche Menschen haben aber eine Unverträglichkeit gegen diesen molekularen Klebstoff und müssen ihn daher meiden (Zöliakie). Wieder andere versprechen sich aber auch ohne eine Unverträglichkeit von einem Verzicht positive Effekte auf die Gesundheit. Das stellen die Autoren der aktuellen Arbeit in Frage - zumindest in Bezug auf Diabetes.

Sie untersuchten über einen Zeitraum von rund dreißig Jahren (1984-1990 bis 2010-2013) die Daten von insgesamt 200.000 Frauen und Männern. Die Teilnehmer spiegelten über Fragebögen zwei- bis vierjährlich ihren Nahrungsmittelkonsum an das Studienteam. Über den gesamten Beobachtungszeitraum wurden knapp 16.000 Fälle von Typ-2-Diabetes dokumentiert.

Die Fragestellung der aktuellen Analyse war: hat der Konsum von Gluten bei Menschen ohne Unverträglichkeit einen Einfluss auf die Gesundheit? Dafür schätzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand der Angaben die aufgenommene Glutenmenge. Diese lag durchschnittlich zwischen sechs und sieben Gramm am Tag. Hauptquellen waren vor allem Nudeln, Pizzen und Backwaren.

Die Zusammenschau der Daten ergab: Die 20 Prozent der Teilnehmer mit dem höchsten Glutenkonsum hatten ein um 13 Prozent niedrigeres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken - verglichen mit jenen, die am wenigsten Gluten zu sich nahmen (etwa 4 Gramm am Tag).

Als mögliche Erklärung führen die Autoren an, dass eine von Gluten freie Lebensweise oft mit einer Faser- und Ballaststoffarmen Ernährung verbunden sei, etwa aus Bestandteilen der Körner. Diese seien jedoch protektiv gegen Typ-2-Diabetes.

Konkrete Handlungsempfehlungen geben die Forscher aber aktuell noch nicht: man könne noch nicht sicher sagen, ob der Effekt durch das Gluten selbst vermittelt wird oder durch damit einhergehende Nahrungsbestandteile. Zudem handele es sich um eine reine Beobachtungsstudie, die auf den Selbstauskünften der Teilnehmer basiert. Zur Bestätigung sei hier weitere Forschung nötig. Die Autoren betonen, dass Menschen, die aus medizinischen Gründen auf Gluten verzichten müssen, dies auch weiterhin tun sollten.

Quelle: American Heart Association: Low gluten diets may be associated with higher risk of type 2 diabetes. Beitrag auf der American Heart Association's Epidemiology and Prevention / Lifestyle and Cardiometabolic Health 2017 Scientific Sessions.

zuletzt bearbeitet: 24.03.2017 nach oben

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