Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 170214

Diabetes mellitus und Diäten mit niedrigem glykämischen Index

Quantität und Qualität der Kohlenhydrate entscheidend

Besonders bei Diabetes und Übergewicht ist nicht nur die Menge der zugeführten Kohlenhydrate von Bedeutung. Entscheidend für die Stoffwechsellage ist auch ihre Qualität. Gehen sie schnell ins Blut oder erhöhen sie den Blutzuckerspiegel nur langsam. Hintergründe beleuchtet eine interessante Studie.

Hintergrund: Für die Entwicklung neuer Therapien der immer noch stark zunehmenden Adipositas ist das Verständnis der zugrundeliegenden molekularen Mechanismen nötig. Insbesondere spezielle Moleküle und Signalwege, die bei der Umwandlung von weißen in die "begehrten" braunen Fettzellen eine Rolle spielen, stehen im Interesse der Forschung. Im Gegensatz zum weißen Fettgewebe (WAT, white adipose tissue) verbraucht braunes Fettgewebe (BAT, brown adipose tissue) Fettsäuren zur Wärmeproduktion, statt diese zu speichern. Das bei Adipositas vermehrt gebildete WAT setzt entzündungsfördernde Signalstoffe frei und verhindert darüber selbst seine Umwandlung in BAT. Vor einigen Jahren entdeckten Wissenschaftler zudem einen neuen Fettzelltyp, der morphologisch und funktionell zwischen weißen und braunen Adipozyten liegt: die sogenannten beigen Fettzellen. Ob sich diese aus weißen oder braunen Zellen bilden oder einen anderen Ursprung haben, ist bislang ungeklärt. Fest steht jedoch, dass durch chronische Kälteexposition, körperliches Training oder die Stimulation spezifischer Rezeptoren ein erkennbares "Bräunen" des weißen Fettgewebes eintritt.

Studientitel: Interplay between Obesity-Induced Inflammation and cGMP Signaling in White Adipose Tissue (Abstract).

Ziel/ Fragestellung: Der Botenstoff cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) spielt eine zentrale Rolle bei der Umwandlung von weißen in braune Fettzellen. Forscher aus Deutschland, Schweden und Singapur untersuchten nun den Einfluss von Fettzell-induzierten Entzündungsprozessen auf den Botenstoff cGMP im WAT.

Ergebnisse: Während bei Mäusen die durch cGMP ausgelöste Weiterleitung von Signalen im Unterhautfettgewebe noch intakt ist, ist diese im viszeralen Fettgewebe deutlich vermindert. Gleichzeitig weist das viszerale Fett ein höheres Entzündungspotenzial auf. Offenbar hemmt der entzündungsfördernde Botenstoff TNF-Alpha die cGMP-Signalweiterleitung sowie die Bildung diverser regulatorischer Moleküle. Die Adipositas-induzierten Entzündungsprozesse verhindern somit - je nach Intensität - die Umwandlung von weißen in braune Fettzellen. Die Ergebnisse bestätigten sich bereits in humanen Unterhaut- und Bauchfettproben.

Diskussion: Sicherlich ist es wünschenswert, das Verhältnis der Fettzellen zugunsten der braunen Adipozyten zu beeinflussen, um die Fettverbrennung zu steigern. Eine Lösung für die Adipositastherapie ist der pharmakologische Ansatz jedoch eher nicht. Hier ist die Gefahr zu groß, dass die Einnahme einer Pille die Botschaft vermittelt, ursächliche Lebensstilfaktoren beizubehalten. Die Behandlung von Übergewicht und Adipositas ist jedoch deutlich komplexer und erfordert neben der adäquaten Energiezufuhr und Nährstoffversorgung auch ein gesteigertes Bewegungsverhalten sowie die Berücksichtigung sozialer, psychischer und emotionaler Faktoren. Zudem ist der Eingriff in derart sensible Signalübertragungswege immer auch mit einem unvorhersehbaren Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen verbunden.

Fazit: Neben der tatsächlichen Kohlenhydratmenge übt bereits die Qualität der zugeführten Kohlenhydrate einen messbaren Einfluss auf verschiedene Stoffwechselparameter aus. Insbesondere im Rahmen einer Ernährungsumstellung kann die richtige Auswahl ein erster Ansatzpunkt sein.

zuletzt bearbeitet: 14.02.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Diabetes- und weitere Infos in Fremdsprachen

Angesichts der vielen Flüchtlinge zeigt DiabSite, wo es Diabetes- und weitere Gesundheitsinfos auf Arabisch, Persisch, Russisch etc. gibt.