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Nachricht aus der Diabetesforschung

Chancen und Risiken einer Magenverkleinerung bei Jugendlichen mit starkem Übergewicht

Magenbypass
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Ein Magenbypass hilft, das Körpergewicht stark übergewichtiger Jugendlicher langfristig zu senken und den Stoffwechsel zu normalisieren. Komplikationen und Nährstoff-Mangel können den Erfolg jedoch beeinträchtigen. Das Fachblatt 'The Lancet Diabetes & Endocrinology' vergleicht die Langzeitergebnisse einer US-amerikanischen und einer schwedischen Studie.

Die klassische Therapieempfehlung "iss weniger und bewege dich mehr" ist bei Jugendlichen mit krankhaftem Übergewicht und einemBody Mass Index (BMI) von 40 kg/m² und mehr häufig erfolglos. Auch Medikamente wie Lipase-Hemmer, die die Aufnahme von Nahrungsfetten reduzieren, zeigen meist nur kurzfristige Wirkung. Chirurgische Maßnahmen wie Magenverkleinerungen werden derzeit jedoch noch zurückhaltend eingesetzt, obwohl sie eine deutliche Gewichtsreduktion bewirken können. Über die langfristigen Effekte ist noch relativ wenig bekannt.

Bei der Anlage eines sogenannten Roux-en-Y-Magen-Bypasses, also einer Magenumgehung, wird der Magen-Darm-Trakt chirurgisch so umgebaut, dass die Nahrung aus einem extrem verkleinerten Magen direkt in untere Darmregionen gelangt. Der größte Teil des Magens sowie der Dünndarm werden ausgelassen. Der Körper nimmt auf diese Weise nur wesentlich weniger Kalorien aus der Nahrung auf. Allerdings ist auch die Resorption von Vitaminen und Mineralstoffen reduziert.

58 Patientinnen und Patienten, welche im jugendlichen Alter zwischen 13 und 21 Jahren einen Magenbypass erhielten, wurden am US-amerikanischen Cincinnati Children's Hospital Medical Center im Mittel acht Jahre nach der Operation nachuntersucht. Der BMI war im ersten Jahr nach der Operation am stärksten gefallen, von durchschnittlich 58,5 auf 36,3 kg/m². In der Zwischenzeit war der Wert wieder etwas angestiegen auf 41,5 kg/m². Die Studienteilnehmer waren acht Jahre nach der Operation per Definition zwar immer noch fettleibig, obwohl ihr mittleres Körpergewicht nun circa 50 kg unter dem Ausgangsgewicht lag (120,9 kg statt 170,8 kg). Ihre Stoffwechselwerte hatten sich jedoch deutlich verbessert: die Körperzellen wurden wieder empfänglicher für die Wirkung von Insulin, die Blutzuckerwerte normalisierten sich bei sieben der acht Patienten, die bereits einen Typ-2-Diabetes entwickelt hatten. Auch Blutdruckwerte und Fettstoffwechselstörungen konnten sich verbessern.

Ähnlich waren die Beobachtungen schwedischer Wissenschaftler an der Universität Göteborg. Hier hatten 81 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren einen Roux-en-Y-Magenbypass erhalten und wurden nach fünf Jahren nachbeobachtet. In beiden Studien zeigten sich neben der Erfolgen in der Gewichtskontrolle jedoch auch die Komplikationen, die mit einer Magenoperation einhergehen.

Bei den 81 Patienten der schwedischen Studie mussten insgesamt 21 zusätzliche Operationen durchgeführt werden, die US-Studie weist ähnliche Zahlen auf. Gründe dafür waren die endoskopische Abklärung der Magenumgehung, Perforationen oder andere Störungen im neu konstruierten Magen-Darm-Trakt.

Auch die Mineralstoff- und Vitaminversorgung der jugendlichen Patienten darf nicht außer Acht gelassen werden. Eisenmangelanämie (bei 32 bzw. 83 Prozent der Patienten), Vitamin-D- (bei 63 bzw. 78 Prozent der Patienten) oder B12-Mangel (bei 16 bzw. 22 Prozent der Patienten) auf. Eine dauerhafte medizinische Betreuung gerade der jugendlichen Patienten sei daher dringend notwendig, so die Autoren.

Quellen

Inge, T.H. et al.: Long-term outcomes of bariatric surgery in adolescents with severe obesity (FABS-5+): a prospective follow-up analysis. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2017

Olbers, T. et al.: Laparoscopic Roux-en-Y gastric bypass in adolescents with severe obesity (AMOS): a prospective, 5-year, Swedish nationwide study. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2017

Aerzteblatt.de: Adipositas-Chirurgie: Magen-Bypass hat bei Jugendlichen langfristige Vorteile und Komplikationen. Artikel vom 06.01.2017 (letzter Abruf: 09. Januar 2017)

Bildunterschrift: Magenbypass
Bildquelle: Diabetesinformationsdienst am Helmoltz Zentrum München

zuletzt bearbeitet: 11.01.2017 nach oben

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