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50 Jahre Fortschritte in der Arzneimitteltherapie

Jubiläums-Symposium der Paul-Martini-Stiftung

Arzneimittelforschung einst und jetzt
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"Was heute für Ärzte und Patienten medizinische Routine ist, war irgendwann einmal Pionierarbeit. Und die künftigen Therapiestandards wird es nur geben, wenn heute weitere Pioniertaten unternommen werden. Das möchte die Paul-Martini-Stiftung in dem Jubiläums-Symposium verdeutlichen, das sie zu ihrem 50-jährigen Bestehen ausrichtet." So umriss Prof. Dr. Stefan Endres, klinischer Pharmakologe an der Universität München, das Ziel des von ihm geleiteten Symposiums "50 Jahre Fortschritte in der Arzneimitteltherapie - Rückblick und Ausblick". Die Stiftung veranstaltete es am 18. und 19. November 2016 in Verbindung mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

18 führende Ärzte und Wissenschaftler aus deutschen Kliniken und Forschungseinrichtungen zeichneten bei diesem Symposium die Entwicklung der Arzneimitteltherapie in ihrem jeweiligen Fachgebiet seit 1966 nach. Sie konnten enorme Fortschritte dokumentieren, denn vor 50 Jahren standen beispielsweise zur Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ 2 lediglich Insulin und Tolbutamid - der erste Sulfonylharnstoff - zur Verfügung; Metformin kam gerade in den Markt. Gegen Thrombosen gab es nur Vitamin-K-Antagonisten, Heparin und ASS, und gegen rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose nur die "Allzweckwaffe" Cortison. Bei bakteriellen Infektionen konnten Ärzte im Wesentlichen auf Penicilline, Cephalosporine, Sulfonamide und auf Streptomycin zurückgreifen. Maligne Tumore wurden mit Chlorambucil, Cyclophosphamid, Methotrexat und zytostatischen Antibiotika behandelt. "Dieses aus heutiger Sicht doch sehr begrenzte therapeutische Arsenal und die auch daraus resultierende Lebenserwartung von lediglich 70 Jahren - 11 Jahren weniger als heute - sind wahrlich kein Grund für Nostalgie", so Endres.

Die Referenten gaben zugleich einen Einblick in aussichtsreiche Ansätze für Therapien der Zukunft. Prof. Dr. Torsten Strohmeyer, Sprecher der Stiftung und deutscher Leiter Forschung & Medizin beim Unternehmen GlaxoSmithKline, kommentierte: "Auch wenn wir wissen, dass viele Ansätze letztlich nicht zum Erfolg führen, können wir auf Basis aktueller Forschungsergebnisse weitere Therapiefortschritte bei zahlreichen bisher unzureichend behandelbaren Krankheiten erwarten." Dazu zählte er virale Erkrankungen, bei denen es mit der zuverlässigen Heilung von Hepatitis C erst kürzlich einen Durchbruch gegeben hat. Bei vielen Krebserkrankungen bestehe die Hoffnung, sie durch eine auf den Einzelfall angepasste Kombination immunonkologischer und anderer Therapien zum Stillstand oder sogar zur Remission bringen zu können. Bei Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Adipositas seien neue Ansatzpunkte gefunden worden, an denen Wirkstoffe gleich mehrere Parameter positiv beeinflussen können. Im weiten Gebiet der seltenen Erbkrankheiten seien viele Ansätze in fortgeschrittener Entwicklung. Noch mehr Infektionskrankheiten als heute werde man künftig durch Impfungen vorbeugen können.

Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, der als Verband derzeit 44 forschende Pharma-Unternehmen vertritt.

In den ersten Jahren nach ihrer Gründung im Jahr 1966 konzentrierte sich die Stiftung vor allem auf die Fortbildung jüngerer Wissenschaftler auf dem Gebiet der klinischen Pharmakologie, das für die Arzneimittelentwicklung, aber auch für eine rationale Medikamentenanwendung wesentlich ist. Zahlreiche Ärzte konnten sich mit Stipendien der Stiftung im Ausland - vor allem in den USA - pharmakologisch fortbilden.

Mittlerweile ist die Stiftung vor allem für ihre Symposien und Workshops bekannt, die sich stets an Wissenschaftler und Ärzte in medizinischen Einrichtungen und Industrie, aber auch an Experten von Krankenkassen und anderen Institutionen des Gesundheitswesens richten.

Seit 1969 vergibt die Stiftung zudem jährlich den Paul-Martini-Preis für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung. Er ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Stiftung will mit diesem Preis dazu beitragen, dass die oft im Schatten der Laborforschung stehende klinische Forschung öffentliche Aufmerksamkeit erhält.

Benannt ist die Stiftung nach dem Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889 - 1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Methodik klinisch-therapeutischen Forschung. In seiner Methodenlehre hat er als erster randomisierte, kontrollierte klinische Studien für die Ermittlung der Wirksamkeit, der Sicherheit und der Risiken eines neuen Arzneimittels gefordert.

Bildunterschrift: Arzneimittelforschung einst und jetzt
Bildquelle: Paul-Martini-Stiftung (PMS)

zuletzt bearbeitet: 24.11.2016 nach oben

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