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Telefonaktion der Hochdruckliga

Pressemitteilung: Deutsche Hochdruckliga

Herzerkrankungen, Diabetes, Alkohol, Stress und erhöhte Blutfetten steigern Schlaganfall-Risiko

Niedriger Blutdruck beugt vielen Schlaganfällen vor

Die meisten Schlaganfälle sind vermeidbar, die wichtigste Schutzmaßnahme dafür ist ein normaler Blutdruck: Zu diesem Ergebnis kam jüngst eine weltweite Studie, die für die Deutsche Hochdruckliga (DHL®) Anlass für eine Telefonaktion ist. Am 5. Oktober erläutert ein Experte der Deutschen Hochdruckliga (DHL), warum zum Schlaganfall führt und wie das Risiko am besten vermieden werden kann. Er beantwortet zudem weitere Fragen der Anrufer zu dem Thema.

Ursache von Schlaganfällen ist entweder eine akute Durchblutungsstörung im Gehirn oder eine Hirnblutung: in etwa 85 Prozent verschließt ein Blutgerinnsel akut eine Hirnarterie, bei den anderen 15 Prozent verursacht das Platzen eines Blutgefäßes eine Hirnblutung. Es kommt dann "schlagartig" zu Funktionsausfällen des Gehirns mit Lähmungen oder Muskelschwächen auf einer Körperhälfte oder auch im Gesicht mit einem symptomatisch hängenden Mundwinkel, zu Sprach-, Sprech- oder Sehstörungen, Gangunsicherheit und Schwindel. Auch äußerst starke Kopfschmerzen können auftreten, später können Schluckstörungen hinzukommen. In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 260.000 Menschen einen Schlaganfall, davon sind etwa 196.000 Neuerkrankungen und 66.000 Reinfarkte. Etwa 63.000 sterben, bei sehr vielen bleiben oft lebenslange Behinderungen zurück, die häufig mit dem Verlust der Selbstständigkeit verbunden sind. Aufklärung zu leisten und Risikofaktoren für einen Schlaganfall zu minimieren, ist angesichts dieser Zahlen das erklärte Ziel der Deutschen Hochdruckliga und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

"Die meisten Menschen mit einem Schlaganfall hatten vorher über viele Jahre einen zu hohen Blutdruck", sagt Professor Peter Trenkwalder, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Klinikum Starnberg. Bluthochdruck, medizinisch als arterielle Hypertonie bezeichnet, ist laut dem Vorstandsmitglied der DHL seit langem als einer der wesentlichen Risikofaktoren für Schlaganfall bekannt. "Die INTERSTROKE-Studie hat erstmals gezeigt, dass Bluthochdruck mit Abstand der wichtigste Risikofaktor ist", sagt Professor Trenkwalder zur jüngsten Veröffentlichung der weltweiten Studie, die Daten zu 32 Ländern aus allen Kontinenten zusammengetragen hat. Dabei wurde das zuordenbare Risiko (population attributable risk, PAR) errechnet. Es gibt an, welcher Anteil aller Schlaganfälle durch die Vermeidung eines Risikofaktors verhindert werden kann. Für die arterielle Hypertonie ermittelten die Forscher ein PAR von 47,9 Prozent. Professor Trenkwalder erläutert: "Dies bedeutet, dass weltweit fast jeder zweite Schlaganfall vermieden würde, wenn der arteriellen Hypertonie vorgebeugt und erhöhter Blutdruckwert konsequent behandelt würde."

Die INTERSTROKE-Studie zeigt auch, wie ein hoher Blutdruck vermieden werden kann. "Für bekannte Risikofaktoren der arteriellen Hypertonie wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Rauchen ermittelte sie ebenfalls erhöhte PAR-Werte", erklärt der Experte. Zusammen mit Herzerkrankungen, Diabetes, Alkohol, Stress und erhöhten Blutfetten erklärten zehn Risikofaktoren 90 Prozent aller Schlaganfälle. "Der Schlaganfall ist damit für die meisten Menschen eine vermeidbare Erkrankung", sagt der Mediziner.

Dies zeigt auch der internationale Vergleich. In Südost-Asien ist die arterielle Hypertonie für 60 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. "Die Menschen dort bewegen sich zu wenig, der Anteil der Raucher ist relativ hoch und die Ernährung ungünstig", erläutert Professor Trenkwalder.

In den westlichen Ländern ist der Anteil der Schlaganfälle, die auf einen zu hohen Blutdruck zurückzuführen ist, auf unter 40 Prozent gefallen. "Viele Menschen haben begriffen, dass ein gesunder Lebensstil wichtig ist, und die Bereitschaft, den Blutdruck regelmäßig zu prüfen, ist gestiegen", sagt Professor Trenkwalder. Auch in Deutschland sei die Zahl der Todesfälle durch Schlaganfall in den letzten beiden Jahrzehnten gesunken. Es bleibe aber noch viel zu tun. Professor Trenkwalder betont: "Wenn 40 Prozent aller Schlaganfälle auf den Blutdruck zurückzuführen sind, könnten im Idealfall durch Vorbeugen und Behandlung jedes Jahr etwa 100.000 Schlaganfälle vermieden werden." Zu diesem Zweck veranstaltet die Deutsche Hochdruckliga am 5. Oktober eine Expertensprechstunde. Professor Trenkwalder steht dann am Telefon unter 06221-588 5 588 für die Fragen der Anrufenden zum Thema Bluthochdruck und Schlaganfall zur Verfügung. Die Leitungen sind von 18.30 bis 20.30 Uhr geschaltet. Weitere Informationen zur Expertensprechstunde.

Quellen

  • O'Donnell MJ et al. Global and regional effects of potentially modifiable risk factors associated with acute stroke in 32 countries (INTERSTROKE): a case-control study. Lancet 2016; 388 (10046):761-75

  • Heuschmann PU et al., Akt Neurol 2010; 37: 333-340

zuletzt bearbeitet: 01.10.2016 nach oben

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