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Berufspilotenlizenz für Diabetespatienten mit Insulintherapie

Britische Daten ergeben keine Sicherheitsbedenken

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Auf dem Kongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) in München vom 12.-16. September 2016 wurden die Daten der 26 insulinbehandelten Berufspiloten präsentiert, die seit 2012 das britische "Ärztliche Zertifikat der Klasse 1" erworben hatten. Dieses ermächtigt sie unter bestimmten Blutzucker-Kontrollbedingungen zum Einsatz bei gewerblichen Flügen. Während 4.900 Flugstunden lagen die Glukosewerte zu 96 % im "grünen" Bereich von 5-15 mmol/l, in 4 % außerhalb in "gelb" (von 4-5 bis 15-20) oder "rot"  (<4 oder >20 mol/l). Im roten Bereich waren es nur 19 (=0.2 %) von den knapp 9.000 Blutglukosemessungen.

Die Daten wurden für einen Zeitraum von 19.5 Monaten nach Erwerb der Lizenz ausgewertet. Alle Piloten waren männlich, Durchschnittsalter 41 Jahre. 85 % hatten einen Typ-1-Diabetes, mittlere Dauer 8 Jahre. HbA1c vorher und nachher: 7.0 % bzw. 7.2 %  (n. s.). Es wurde kein Fall von aufgetretener Fluguntauglichkeit eines Piloten wegen zu niedriger oder zu hoher Blutzuckerwerte registriert. Sollte eine der vorgeschriebenen Glukosekontrollen während des Fluges nicht möglich sein, hat der Pilot 15 Gramm Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und nach 30 min. den Blutzucker zu messen.

Kommentar

Nach Kanada als erstem Land führte Großbritannien 2012 die Möglichkeit des Erwerbs einer Lizenz für gewerbliche Flüge unter bestimmten Kontrollbedingungen ein. Irland folgte 2015. Einige andere europäische Staaten zeigen Interesse an diesem Programm. In den USA ist es weiterhin nicht möglich, als Diabetespatient einen Pilotenschein für gewerbliche Flüge zu erhalten, Bei Privatpiloten-Lizenzen sieht es generell anders aus, bei kommerziellen Berufspilotenscheinen besteht hingegen in den meisten Ländern noch ein Verbot. Weiterhin wird gewiss das strikte Verbot für Linienverkehrspiloten zur Personenbeförderung bei Diabetes bestehen bleiben.

Helmut Schatz

Literatur

zuletzt bearbeitet: 23.09.2016 nach oben

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