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Diabetes: Bleibt der Patient auf der Strecke?

Abstract zum Vortrag Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) , im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 14. Juli 2016 in Berlin.

Wenn Fachärzte und geeignete Medikamente dem Rotstift zum Opfer fallen

Chronische Erkrankungen erfordern individualisierte Therapie

Professor Dr. med. Baptist Gallwitz Chronische Erkrankungen sind nicht heilbar und erfordern eine oft lebenslange Therapie, die der Schwere und Ausprägung der Krankheit, dem Lebensalter des Patienten, den Lebensumständen, anderen Begleiterkrankungen und Komplikationen der chronischen Erkrankung Rechnung tragen müssen. Darüber hinaus gilt es, akute und chronische Therapiekomplikationen zu vermeiden. Aus diesen Gründen ist - im Gegensatz zur oft standardisierten Behandlung in akuten Notfallsituationen - eine individualisierte Therapie notwendig. Die Behandlungsleitlinien für z. B. Diabetes mellitus, aber auch für chronisch obstruktive Lungenerkrankung, Hypertonie und andere chronische Erkrankungen berücksichtigen den Ansatz der "individualisierten Therapie" bezüglich Therapiezielen und -strategien im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.

Eine Stärkung der Inneren Medizin und ihrer Querschnittsfächer wie Diabetologie ist notwendig, um die Versorgung zu sichern

Vor dem Hintergrund der deutlichen Zunahme chronischer Erkrankungen und einer Bevölkerungsstruktur mit stark wachsendem Anteil an alten Menschen mit komplexkranken und betreuungsintensiven Patienten ergibt sich ein weitaus größerer Bedarf an gut und breit ausgebildeten Fachärzten und medizinischem Personal in Innerer Medizin und den entsprechenden Querschnittsfächern für chronische Erkrankungen, wie z. B. Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie und Pulmologie, als bislang geschätzt. Dies auch aufgrund der Altersstruktur vor allem der niedergelassenen Ärzte. Facharztweiterbildungsplätze müssen jedoch gerade in den Krankenhäusern erhalten bleiben und sogar ausgebaut werden, da nur unter diesen Bedingungen eine vollumfassende Facharztweiterbildung möglich ist und nur hier die interdisziplinäre und interprofessionelle Weiterbildungsstruktur komplett vorgehalten werden kann.

Nicht jedes Medikament ist für jeden Patienten geeignet - ein Plädoyer für maßgeschneiderte medikamentöse Behandlung

Nicht nur im Rahmen der im ersten Absatz geschilderten Voraussetzungen ist eine individualisierte Therapie bei chronischen Erkrankungen geboten. Gerade bei älteren und multimorbiden Patienten sind Medikamenteninteraktionen, Einnahmesicherheit und -verlässlichkeit wichtige Gesichtspunkte bei der Therapiewahl. Im Diabetesbereich haben neue Klassen von Medikamenten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes (die DP-4-Hemmer, die GLP-1-Rezeptoragonisten und die SGLT-2-Inhibitoren) den wesentlichen Vorteil, dass sie ein sehr geringes Hypoglykämierisiko aufweisen und kardiovaskuläre Sicherheit in großen Studien gezeigt haben. Zwei der neuen Medikamente haben sogar Vorteile bei Patienten mit kardiovaskulärer Vorerkrankung oder diesbezüglich hohem Risiko gegenüber herkömmlicher Standardtherapie.

Wie kann verhindert werden, dass chronisch kranke Menschen "auf der Strecke bleiben"?

Zwei wesentliche Voraussetzungen müssen daher erfüllt sein, dass die Versorgung chronisch Kranker auch in Zukunft gesichert ist:

  1. Die Qualität der Versorgung im Sinne der Patienten, auch mit Blick auf Wirtschaftlichkeit, lässt sich nur durch eine sektorenübergreifende und flächendeckende Versorgungslandschaft (vom Hausarzt über den niedergelassenen Spezialisten bis zum Krankenhaus) für chronische Erkrankungen wie z. B. den Diabetes erreichen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat dafür mit ihren Angeboten für die Qualifikation von Ärzten und medizinischem Fachpersonal sowie den Zertifizierungen von Einrichtungen wichtige Weichen gestellt und trägt so zur Verbesserung der Struktur-, Ergebnis- und Prozessqualität bei.

  2. Eine ausreichende Therapiewahl, die individuell und evidenzbasiert auf den Patienten und seine Lebenssituation erfolgt und oben genannte Voraussetzungen erfüllt, muss weiterhin gegeben sein.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Baptist Gallwitz
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 15.08.2016 nach oben

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