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Im Krankenhaus oft schlecht versorgt

Abstract zum Vortrag von Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie, Diabetologie/Endokrinologie und Ernährungsmedizin, St. Josefskrankenhaus Heidelberg GmbH, im Rahmen der Pressekonferenz zur 51. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 05. Mai 2016 in Berlin.

Nebendiagnose Diabetes darf nicht zum Behandlungsrisiko werden

Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel Eines der wichtigen Ziele der DDG für die Zukunft ist es, die sektorenübergreifende Versorgung und eine flächendeckende Versorgungslandschaft für Menschen mit Diabetes zu gewährleisten. Mit ihren Aktivitäten in der Weiterbildung, bei den Zertifizierungen oder der Leitlinien-Entwicklung leistet die DDG dazu bereits einen wichtigen Beitrag. Doch noch immer haben wir Regionen, in denen Menschen mit Diabetes schlechter versorgt sind als in anderen, haben wir Schnittstellenprobleme am Übergang zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, am Übergang in die Reha oder in der Pflege. Daher muss die DDG weit über die Grenzen der Diabetologie hinaus aktiv sein - nur gemeinsam mit den Hausärzten, anderen Facharzt- und Berufsgruppen im Gesundheitswesen lässt sich eine solche Versorgungslandschaft Diabetes realisieren.

Die Diabetologie ist ein Fach das absolut interdisziplinär angelegt ist. Daher sollten wir dieses Potenzial im Gesundheitswesen nutzen und für eine verbesserte Versorgung einbringen. Denn jährlich werden weit mehr als zwei Millionen Diabetespatienten in einer Klinik behandelt. Neueste Ergebnisse einer prospektiven multizentrischen Studie (MEASURE 2016) zeigen eine Gesamtprävalenz von 40,5 % Diabetes mellitus der > 55-Jährigen in Deutschland. Die Prävalenz eines neu diagnostizierten Diabetes im Krankenhaus liegt bei 13,3 %. Bei 34,7 % lag der HbA1c bei Aufnahme > 8 %. Sie wollen sicher sein, dass ihre Grunderkrankung kompetent berücksichtigt wird, auch wenn sie sich etwa wegen eines Eingriffs an Hüfte oder Herz in eine Klinik begeben, die über keine diabetologische Fachabteilung verfügt. Sie möchten sich darauf verlassen können, dass ihr Blutzuckerspiegel bedarfsgerecht überwacht wird, die Narkose auf ihre Diabeteserkrankung abgestimmt ist oder Notfallequipment für den Fall einer Blutzucker-Entgleisung bereit steht.

Diesen Patienten bietet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit dem Zertifikat "Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)" eine nützliche Orientierung. Ziel ist es, die Qualität der Behandlung für Menschen mit der Nebendiagnose Diabetes zu verbessern und damit ein Defizit in der stationären Behandlung zu beheben. Drei der zu erfüllenden Kriterien sind besonders wichtig: Es muss ein diabetologisch versierter Arzt zur Verfügung stehen, Pflegekräfte müssen diabetologisch geschult sein und es muss gewährleistet sein, dass die Blutzuckerwerte bei jedem Patienten geprüft werden.

Seit 2013 gibt es jetzt das Zertifikat "Klinik für Diabetespatienten geeignet". In einer alternden Gesellschaft mit immer mehr Menschen, die an Diabetes leiden, wird seitens der DDG auch die Qualifizierung der Pflege wichtiger. Auch dazu gibt es erste Initiativen. Als die Deutsche Diabetes Gesellschaft vor 51 Jahren gegründet wurde, gab es etwa eine Million Menschen mit Diabetes, heute sind es über sechs Millionen. Allein das macht klar: Es besteht Handlungsbedarf, und zwar auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene. Die DDG wird hier weiterhin ihre Expertise einbringen, Impulse setzen, Position beziehen, anregen und manchmal auch anecken, fordern und fördern, aufklären und unterstützen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 27.05.2016 nach oben

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