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Neueste Forschungsergebnisse und praxisrelevante Informationen

21. Jahrestagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie & Diabetologie in Essen

Am 29. und 30. Januar 2016 fand in Essen die 21. Jahrestagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie statt. Die Tagungspräsidentin, Frau Prof. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen, begrüßte die etwa 200 Teilnehmer/innen aus ganz NRW und versprach ein hochrangiges wissenschaftlich als auch klinisch-praktisch orientiertes Tagungsprogramm.

Am Anfang stand ein Vortrag über Highlights der Endokrinologie aus 2015, die Prof. Helmut Schatz in gewohnt unterhaltsamer Weise zusammenfasste. Er verwies auf den mittlerweile im vierten Jahr erscheinenden Band mit den gesammelten Internet-Blogs, den „Endokrinologischen Kurznachrichten“ der DGE (blog.endokrinologie.net): Viele der von Schatz zitierten Studien wurden in diesem Blog bereits prägnant dargestellt und kommentiert. So auch gerade erst publizierten Studiendaten, die erneut zeigen, dass hohe Dosen Vitamin D als monatliche Einmalgabe keine positiven Effekte auf das neuromuskuläre System haben und das Sturzrisiko sogar erhöhen.

Einen besonderen Platz im Programm nahmen die jungen Endokrinologen und Diabetologen aus NRW ein, mit Kurzvorträgen zu ihren aktuellen Forschungsergebnissen. Darunter beispielsweise die Entwicklung von Mausmodellen zur Erforschung der endokrinen Orbitopathie und der nicht-genomischen Schilddrüsenhormonwirkung, der Charakterisierung einer neuen RET-Protoonkogenmutation als Ursache der MEN-2A-Erkrankung und zur Bedeutung von Oxytocin als neuem Biomarker. Des weiteren wurden auch klinische Projekte zum Conn-Syndrom oder dem Einsatz von Formuladiäten bei Insulinresistenz vorgestellt.

Nachfolgend lag der Schwerpunkt auf der Versorgung von Patienten mit endokrinen Tumoren im Bereich der Hypophyse, Schilddrüse und des Gastrointestinaltrakts . Einen Überblick über die aktuellen Therapieoptionen mit Multikinasehemmern bei radiojodrefraktären differenzierten, sowie den medullären Schilddrüsenkarzinomen zeigte Dr. Vera Tiedje auf. Im Anschluss wurde die weitere differentialdiagnostische Abklärung erhöhter basaler Calcitonin-Spiegel bei Patienten mit Schilddrüsenknoten lebhaft diskutiert. Erhöhte Calcitonin-Werte führen nach Wegfall des Pentagastrin-Tests vermutlich zu deutlich unterschiedlichen Vorgehensweisen, so dass man die Erfassung multizentrischer Daten in Nordrhein-Westfalen als nächsten Schritt plant. In dem ENDOKRINOLOGISCHEN DISKUSSIONSFORUM im DGE-Blog "Struma nodosa und Calcitonin-Screening" sollen die unterschiedlichen Vorgehensweisen zunächst weiter diskutiert werden[*].

Im Abendsymposium präsentierte Prof. Eberhard Nieschlag, Münster die 2015 veröffentlichte Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Versorgung von Menschen mit DSD (Disorders of Sex Development). Er veranschaulichte eindrücklich den Wandel in der Diagnostik und Therapie der letzten 50 Jahre und verdeutlichte die Notwendigkeit, dass künftig die Versorgung von Menschen mit DSD vornehmlich in Kompetenzzentren erfolgen sollte. Daran schlossen sich weitere Vorträge zu Besonderheiten in der Versorgung von Kindern mit Endokrinopathien wie Typ-1-Diabetes, oder Knochenerkrankungen und das Thema Transition am Beispiel des Essener Endokrinologie-Transfer-Programms an.

Am Samstagmorgen wurde der "Karl-Oberdisse Preis" der Gesellschaft feierlich verliehen. "Auch in diesem Jahr wurden wieder hervorragende wissenschaftliche Arbeiten für den mit 5.000 € dotierten Karl Oberdisse-Preis eingereicht", lobte der Vorsitzende der Gesellschaft Prof. Horst Harald Klein, Bochum. "Die Wahl zur besten Arbeit fiel daher nicht leicht." Letztendlich stimmte die Jury dafür, zwei Wissenschaftlerinnen auszuzeichnen: Dr. med. Sofiya Gancheva, Düsseldorf über "Genvarianten im Leberstoffwechsel bei Typ-1-Diabetes" und Dr. rer. nat. Denise Zwanziger, Essen über "Untersuchungen am Schilddrüsenhormonrezeptor MTC8"

Der weitere Samstagvormittag war dann endokrinologischen und diabetologischen "Alltagsproblemen" gewidmet, wie beispielsweise der Umgang mit TSH-Referenzbereichen, sowie der Diagnostik und Therapie diabetischer und endokriner Organkomplikationen (diabetische Retinopathie, Steatosis hepatis und PCOS). Besonders das Thema der Therapie des Hypogonadismus beim älteren Mann wurde auch in der anschließenden Pause von vielen Niedergelassenen lebhaft diskutiert. Anlass war der Vortrag von Prof. Nieschlag mit Hinweis auf einen altersunabhängigen Referenzbereich des freien Testosteros.

In gemeinsamen Symposien wurden Neuerungen aus Diabetologie und Lipidologie intensiv diskutiert. Eingeleitet wurde dies durch einen Vortrag zu "Highlights aus der Diabetologie 2015" von Prof. Stefan Martin, Düsseldorf. Besondere Beachtung fanden dabei die Ergebnisse EMPA-REG-OUTCOME-Studie, die für den SGLT-2-Inhibitor Empaglifozin gegenüber Placebo eine um 32 % verringerte Gesamtmortalität attestierte. Auch die kardiovaskulären Todesfälle (minus 38 %) und die Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz (minus 35 %) waren in der Verum-Gruppe signifikant reduziert. Martin äußerte die Hoffnung, dass es sich hierbei vermutlich um einen Klasseneffekt der SGLT-2-Hemmer handelt. Weitere Ergebnisse für die anderen "Gliflozine" werden in den nächsten zwei Jahren erwartet.

In Bezug auf künftige Therapieoptionen in der Diabetologie berichtete Prof. Horst Harald Klein, Bochum nachfolgend ebenfalls über die SGLT-2-Inhibitoren. "Der rasche Effekt in puncto Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse dürfte nicht nur die Blutzucker-senkende Wirkung gewesen sein", schlussfolgerte Klein. Möglicherweise ist hierfür die diuretische Wirkung der Substanzen teilursächlich. Prof. Pfohl, Duisburg besprach in seinem Vortrag Perspektiven und Limitationen des Einsatzes von Insulinanaloga in der Versorgung von Diabetespatienten, anschließend stellte Prof. Wilhelm Krone, Köln aktuelle Daten zum Einsatz von PCSK9-Inhibitoren (Proprotein-Convertase-Subtilisin-Kexin-9) zur Behandlung der Dyslipiämie vor. Bei Patienten, die bereits mit einem Statin vorbehandelt waren konnte der Einsatz eines das LDL-Cholesterin noch einmal erheblich reduzieren. Da bislang die Daten zu klinischen Endpunkten fehlen, wurde vor allem vor dem Hintergrund der hohen Therapiekosten zum gezielten Einsatz geraten, beispielsweise bei Patienten unter Lipidapherese-Therapie oder Statin-Unverträglichkeit.

Während der Jahrestagung fand auch die zertifizierte Fortbildungsveranstaltung für Diabetesberater/innen statt, an der viele Diabetesberater/innen aus ganz NRW teilnahmen.

Zum Abschluss dankte die Tagungspräsidentin Führer allen Referenten für die interessanten Rück- und Ausblicke auf die vielen Facetten der Endokrinologie und Diabetologie. "Die lebhafte Diskussionen zeigten sehr gut, wie aktiv Endokrinologen und Diabetologen an den verschiedenen Standorten in NRW sind. "Dies müssen wir unbedingt fortsetzen und weiter ausbauen". Die nächste NRW Jahrestagung wird 2017 in Bochum stattfinden (Tagungspräsident: Prof. H. H. Klein).

Die heute mit über 400 aktiven Mitgliedern sehr starke Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie e. V. wurde 1995 in Bochum mit dem Ziel gegründet, die Weiterbildung, wissenschaftliche und praktisch-klinische Forschung auf dem Gebiet von Endokrinologie & Diabetologie in NRW zu fördern. Neben dem jährlichen Jahrestreffen wird dieses Ziel insbesondere durch die Vergabe von Reisekostenzuschüssen zu endokrinologischen Kongressen, sowie der Verleihung des Oberdisse-Preises verfolgt.

Dr. med. Andreas Voigt, Wuppertal. Pressesprecher der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie & Diabetologie

Literatur

zuletzt bearbeitet: 24.02.2016 nach oben

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