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Diabetes 2030

Pressemitteilung: Novo Nordisk Pharma GmbH

Partner im Gesundheitswesen diskutieren neue Ansätze für Verbesserung der Versorgung

Die Diskutanten von 'Diabetes 2030'
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Wie können wir die Versorgung von Menschen mit Diabetes in Deutschland gemeinsam verbessern und welche Rolle spielen dabei Innovationen? Über diese Frage diskutierten am 18. Februar erstmals hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Praxis, Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung im Rahmen der neuen Veranstaltungsplattform "Diabetes 2030" in der dänischen Botschaft in Berlin. Die Tagungspräsidenten Professor Dr. Diethelm Tschöpe und Professor Dr. Thomas Danne sowie Novo Nordisk hatten zu dem offenen Austausch eingeladen, der neben bekannten Differenzen auch Ansatzpunkte für neue Lösungen im Sinne der Betroffenen offenbarte.

"Es scheint mitunter, als haben wir den pluralen Diskurs verlernt", stellte Professor Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Klinikdirektor im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, und Vorsitzender der Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" eingangs fest. "Stattdessen treten zunehmend bilaterale Verhandlungsszenarien in den Vordergrund, die die Vision einer ganzheitlichen und ergebnisorientierten Diabetesversorgung zugunsten von Patient und Gesellschaft belasten." Nötig sei "ein Diskurs am runden Tisch, mit offenem Visier und auf Konsens ausgerichtet", so Professor Dr. Thomas Danne, Leiter der Kinderendokrinologie und -diabetologie am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover. Dafür eine Plattform zu bieten, sei das erklärte Ziel von Novo Nordisk, wie die deutsche Geschäftsführerin Tina Abild Olesen betonte.

Dr. Matthias Kaltheuner (Diabetologe): Wir brauchen neue Alternativen

Einig waren sich alle Beteiligten, dass Menschen mit Diabetes im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen sollten und es weiter einen Bedarf an verbesserten Therapieoptionen gibt. Zwar habe sich die Prognose von Menschen mit Diabetes über die letzten Jahrzehnte in Deutschland deutlich verbessert, berichtete der niedergelassene Diabetologe Dr. Matthias Kaltheuner, Leverkusen. "Was uns im therapeutischen Alltag jedoch noch immer große Probleme bereitet, sind die großen Unterschiede zwischen einzelnen Patienten hinsichtlich ihres Ansprechens auf die oralen Antidiabetika und selbst die Insulintherapie." Nicht jeder Betroffene könne mit den vorhandenen Methoden erfolgreich behandelt werden. "Der Wert von Innovationen besteht für mich deshalb darin, dass sie unsere Möglichkeiten erweitern, eine echte, patientenindividuelle Therapie durchzuführen", so Kaltheuner weiter.

Professor Thomas Danne (diabetesDE): Gesellschaft muss umdenken

Das Eintreten für die Belange von Menschen mit Diabetes sei in Deutschland jedoch schwierig, stellte Professor Dr. Thomas Danne fest, der sich als Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe seit Jahren in diesem Bereich engagiert: "Die Diskussion über Innovationen in der Diabetestherapie wird häufig auf den Aspekt der Kosten reduziert." Wichtig wäre hingegen eine relative Diskussion über die echten Kostentreiber - namentlich die in der Öffentlichkeit noch immer wenig diskutierten Folgekomplikationen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Amputationen oder Erblindungen. "Dieses kognitive Loch müssen wir schließen." Dafür wäre seiner Meinung nach auch in Deutschland endlich eine Nationale Diabetesstrategie erforderlich, die „die Eigeninteressen aller Beteiligten bündelt und auf konkrete Handlungsfelder fokussiert".

Dietrich Monstadt (MdB): Nationale Diabetesstrategie muss Ziel bleiben

Unterstützt wurde er in dieser Einschätzung von Dietrich Monstadt, Mitglied des Bundestags und Berichterstatter der AG Gesundheit der CDU/CSU-Fraktion für Medizinprodukte, Diabetes und Adipositas: "Ich verspüre derzeit eine zunehmende Geschlossenheit in der Diabetes-Szene und kann Ihnen nur raten, das beizubehalten." Die Politik habe sich des Themas angenommen und Fortschritte erzielt, z. B. durch das jüngst verabschiedete Präventionsgesetz, in dem Diabetes als eines von vier Gesundheitszielen verankert ist, oder die Finanzierung zusätzlicher Versorgungsforschung durch das Robert-Koch-Institut. Der Entwurf einer Nationalen Diabetesstrategie liege zwar vor, ließe sich aber in der aktuellen politischen Konstellation nicht umsetzen. "Wir sollten alle unsere Kraft darauf richten, diese Forderung nicht aufzugeben", appellierte Monstadt an die Anwesenden: "Bleiben Sie auf Kurs!"

Vorsichtig optimistisch gab sich Monstadt hinsichtlich der anstehenden AMG-Novelle: "Hier können wir nach Abschluss des Pharmadialogs vielleicht schon im Sommer mit einer Umsetzung rechnen." Wichtig für den Bereich Diabetes erschienen ihm insbesondere eine Nachsteuerung hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte und der Vergleichstherapien in der frühen Nutzenbewertung. Auch Professor Danne hält differenzierte Bewertungskriterien für erforderlich: "Wir befürworten die Grundidee des AMNOG, den zusätzlichen Nutzen einer Innovation zu bewerten. Doch es ist entscheidend, dass dabei der Mensch mit Diabetes im Mittelpunkt steht und nicht eine allgemeine Kostendämpfung zu Lasten einer individuell optimierten Therapiestrategie."

Dr. Wiebke Löbker (G-BA): Vorteil für Patienten entscheidend

Aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses müsse eine Innovation eine "spürbare Verbesserung des Status Quo für den Patienten" bewirken, erläuterte Dr. Wiebke Löbker, Referentin in der Abteilung Arzneimittel des G-BA. Dass bei Diabetes weniger als ein Drittel aller bewerteten Wirkstoffe einen Zusatznutzen zugesprochen bekam, führt sie nicht auf die chronische Natur der Erkrankung zurück. Auch die Kosten spielten bei der Bewertung durch den G-BA keine Rolle. Das Problem sei vielmehr die von den Herstellern vorgelegte Evidenz.

Dr. Thomas Kaiser (IQWiG): Dialog über relevantere Studiendesigns

Diese Einschätzung teilte Dr. Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): "Die Studien sind zwar ausreichend für eine Zulassung des Arzneimittels, können aber regelhaft wichtige Fragen im Rahmen einer Nutzenbewertung nicht beantworten." Er plädierte dafür, die Untersuchungsdesigns stärker an der Behandlungsrealität zu orientieren: "Man kann auch individuelle Therapieziele in einer randomisierten klinischen Studie abbilden." Ziel müsse es sein, "möglichst früh möglichst viel Wissen zur optimalen Therapie der Patienten" zu generieren. Dafür sei es beispielsweise auch möglich, langfristige Endpunktstudien bereits in der Phase III der klinischen Entwicklung zu starten, damit die Ergebnisse zur Markteinführung schon vorlägen. Unerlässlich sei zudem die Transparenz aller verfügbaren Daten. Explizit lud Kaiser Vertreter der Fachgesellschaften zu einem Dialog mit dem IQWiG ein, um zu diskutieren, wie Studien in Zukunft besser auf relevante Fragestellungen ausgerichtet werden könnten.

Dr. Katharina Thiele (Novo Nordisk): Engagement für deutsche Patienten

"Wir müssen und wir wollen unsere Studiendesigns anpassen", stellte Dr. Katharina Thiele, Direktorin für den Bereich Market Access & Public Affairs bei Novo Nordisk Deutschland, in Aussicht. Dafür sei es auch notwendig, die Anforderungen von Zulassung und Nutzenbewertung zu harmonisieren: "Ich begrüße es sehr, dass G-BA und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Zukunft gemeinsame Beratungsgespräche für pharmazeutische Unternehmen anbieten wollen." Und selbst wenn in einer frühen Nutzenbewertung kein Zusatznutzen festgelegt wurde, sieht sie noch Chancen: "Wir sollten in diesen Fällen gemeinsam nach Übergangslösungen suchen, die es ermöglichen, den Nutzen der neuen Option im klinischen Alltag nachzuweisen - z. B. über Registerstudien, auf deren Design man sich mit den verschiedenen Beteiligten im System vorab einigt." Novo Nordisk sei offen für neue Ansätze, auch wenn die Umsetzung in einem internationalen Unternehmen Zeit und Überzeugungsarbeit erfordert: "Deutschland bleibt für uns ein wichtiger Markt und wir möchten unsere Innovationen den Patienten auch hier weiter zur Verfügung stellen."

Thomas Bodmer (DAK-Gesundheit): Investitionen in bessere Versorgung

Die Sicht der gesetzlichen Krankenkassen vertrat Thomas Bodmer, Mitglied des Vorstands der DAK-Gesundheit: "Es ist richtig und wichtig, Innovationen in Behandlung und Versorgung ohne Wenn und Aber voranzutreiben", betonte er. Für die Kassen sei dies aber eine große Herausforderung. "Wir haben kein Wagniskapital und können nur Innovationen in unseren Leistungskatalog aufnehmen, die bereits als solche anerkannt sind." Entscheidend sei die Verbesserung der Versorgungsqualität. "Was wir nicht wollen, ist gleiche Leistung für mehr Geld."

Die erste Veranstaltung "Diabetes 2030" war geprägt von einer offenen und konstruktiven Atmosphäre. Sie wurde von vielen Teilnehmern als großer Schritt hin zu einer neuen Form der Kommunikation über das Thema Diabetes bewertet - sowie als willkommene Plattform für die Suche nach Schnittstellen und neuen Ansätzen, um die Versorgung von Menschen mit Diabetes langfristig zu verbessern. Novo Nordisk hat bereits angekündigt, das Format zu einer Veranstaltungsreihe auszubauen.

Über Novo Nordisk

Novo Nordisk ist ein globales Unternehmen der Gesundheitsbranche und durch seine Innovationen seit über 90 Jahren führend in der Diabetesversorgung. Diese langjährige Erfahrung und Kompetenz nutzen wir auch, um Betroffene bei der Bewältigung weiterer chronischer Erkrankungen zu unterstützen: bei Hämophilie, Wachstumsstörungen und Adipositas. Novo Nordisk beschäftigt derzeit rund 41.000 Menschen in 75 Ländern. Die Produkte des Unternehmens mit Hauptsitz in Dänemark werden in über 180 Ländern vertrieben. Weitere Informationen unter www.novonordisk.de. (Stand: Februar 2016)

Bildunterschrift: Die Diskutanten von "Diabetes 2030" (v.l.n.r.): Dr. Wiebke Löbker (G-BA), Dr. Katharina Thiele (Novo Nordisk), Dr. Thomas Kaiser (IQWiG), Thomas Bodmer (DAK-Gesundheit), Prof. Diethelm Tschöpe (Bad Oeynhausen), Prof. Thomas Danne (diabetesDE), Moderator Wolfgang van den Bergh (Ärzte Zeitung).
Bildquelle: Novo Nordisk Pharma GmbH

zuletzt bearbeitet: 23.02.2016 nach oben

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