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Senkung der kardiovaskulären Mortalität durch Empagliflozin in Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der DDG, Chefarzt der Abteilung Allgemeine Innere Medizin, Diabetes, Gastroenterologie, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zur 9. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 28. Oktober 2015 in Berlin.

Die EMPA-REG-OUTCOME-Studie

Stellungnahme des Pharmakotherapie-Ausschusses der Deutschen Diabetes Gesellschaft

Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland Die EMPA-REG-OUTCOME-Studie untersuchte den Effekt des SGLT2-Inhibitors Empagliflozin (10 oder 25 mg/Tag) im Vergleich mit einer Standardtherapie auf das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen und Mortalität. 7.020 Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risikoprofil und länger bestehendem Typ-2-Diabetes (über 5 Jahre in 82 Prozent der Patienten) wurden im Mittel 3,1 Jahre beobachtet. Einschlusskriterien waren aufgetretener Myokardinfarkt oder Schlaganfall, gesicherte CAD, instabile Angina pectoris oder gesicherte periphere arterielle Okklusion.

Empagliflozin senkte das Risiko für den primären Endpunkt (Kombination aus Tod aus kardiovaskulärer Ursache, nicht tödlichem Myokardinfarkt oder Schlaganfall) signifikant (absolutes Risiko 10,5 Prozent in der gepoolten Empagliflozin-Gruppe und 12,1 Prozent in den Kontrollen; relatives Risiko (HR) in der Empagliflozin-Gruppe 0,86; Konfidenzintervall 0,74–0,99; p<0,001 für Nicht-Unterlegenheit und p = 0,04 für Überlegenheit). Dieser Effekt wird vor allem durch eine Senkung der kardiovaskulären Mortalität (HR 0,62; p<0,001) getrieben; die gesamte Mortalität war ebenfalls signifikant gesenkt (HR 0,68; p<0,001). Die Subgruppenanalyse ergab eine konsistente Risikosenkung für kardiovaskulären Tod in allen Subgruppen. Aus den Daten errechnet sich, dass 39 Patienten über den Studienzeitraum behandelt werden mussten, um einen Todesfall zu verhindern.

In der Empagliflozin-Gruppe war das Risiko für Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz signifikant niedriger (2,7 Prozent versus 4,1 Prozent; HR 0,65; p<0,002); andere wichtige sekundäre Endpunkte wie Myokardinfarkt, Schlaganfall sowie Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris waren nicht signifikant verändert. Deshalb lässt sich vermuten, dass Empagliflozin insbesondere die fatalen Folgen von Herzinsuffizienz reduziert hat, nicht aber thromboembolische Komplikationen.

Die Studie war als kardiovaskuläre Sicherheitsstudie angelegt. Bei diesem Studiendesign wird per Protokoll eine vergleichbare Senkung des HbA1c zwischen Verum- und Plazeboarm angestrebt, um die kardiovaskuläre Sicherheit unabhängig von der Blutzuckersenkung bei neuen Diabetesmedikamenten zu testen. In EMPA-REG-OUTCOME wurde die bestehende blutzuckersenkende Therapie erst nach einer zwölfwöchigen Einleitungsphase modifiziert. Daher kam es unter Empagliflozin (25 mg/Tag) initial zu einer Senkung des HbA1c im Vergleich zur Plazebogruppe, ein Unterschied, der dann bestehen blieb. Das HbA1c war nach 94 Wochen um 0,42 Prozent, nach 206 Wochen noch um 0,24 Prozent niedriger als in der Plazebogruppe. Der Blutdruck wurde über die gesamte Studiendauer im Mittel um circa 4 mmHg gesenkt, Körpergewicht und Bauchumfang um circa zwei Kilogramm (Woche 108) beziehungsweise zwei Zentimeter. Empagliflozin erhöhte die Häufigkeit von Harnwegs- und Genitalinfekten; die Häufigkeit schwerer unerwünschter Wirkungen sowie von Hypoglykämien wurde nicht erhöht.

Zum Mechanismus des Effekts lassen sich zurzeit nur Vermutungen anstellen. Sehr unwahrscheinlich ist eine antiatherosklerotische Wirkung der verbesserten Blutzuckerkontrolle, da die Risikoreduktion bereits wenige Monate nach Beginn der Studie sichtbar war. Denkbar ist, dass die osmotisch-diuretische Wirkung des Empagliflozins mit erhöhter Natriumaussscheidung, Reduktion des Extrazellulärraum-Volumens, Reduktion des arteriellen Widerstands und Blutdrucksenkung für den Effekt verantwortlich ist.

Der Pharmakotherapie-Ausschuss der DDG hält die Daten der EMPA-REG-OUTCOME-Studie für überzeugend. Besonders hervorzuheben ist, dass die beobachtete Risikosenkung in einer Studienpopulation beobachtet wurde, die bereits optimal mit lipid- und blutdrucksenkenden Substanzen behandelt wurde. Die Studie begründet die Indikation zur Behandlung mit Empagliflozin bei Patienten mit bereits bestehender kardiovaskulärer Erkrankung und länger bestehendem Typ-2-Diabetes. Diese Indikation ist unabhängig von der bereits bestehenden Diabetestherapie und sollte gegebenenfalls auch bei der initialen Mono- und frühen Kombinationstherapie mit Metformin bei dieser Patientengruppe berücksichtigt werden. Ob auch andere Patienten, zum Beispiel mit kürzlich diagnostiziertem Diabetes und ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung, von der Therapie profitieren, muss bis zur Verfügbarkeit entsprechender Daten offen bleiben.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Quellen

  • Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. New Engl J Med 2015; Sept 17 [Epub ahead of print].

  • Chilton R, Tikkanen I, Cannon CP, Crowe S, Hach T, Woerle HJ, Broedl UC, Johansen OE: The sodium glucose cotransporter 2 inhibitor empagliflozin reduces blood pressure and markers of arterial stiffness and vascular resistance in type 2 diabetes. J Hypertens. 33 (Suppl 1):e53 (2015).

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 16.11.2015 nach oben

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