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Blutzucker-Bingo und "Deutschland misst!"

Abstract zum Vortrag von Bastian Hauck, Berlin, im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zur 9. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 28. Oktober 2015 in Berlin.

Die Awareness-Kampagne der #dedoc°-Community zum Weltdiabetestag

Am 14. November ist wieder Weltdiabetestag. Sie wissen das natürlich - sonst wären Sie nicht auf dieser Pressekonferenz. Sie kennen den Blue Circle, den Unterschied zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes und die Symptome meiner Krankheit. Aber 2.000.000 Menschen in Deutschland haben Diabetes, ohne es zu wissen!

Diabetes ist eine Volkskrankheit: Mehr als sieben Prozent der Bevölkerung haben Diabetes, darunter sind rund sechs Millionen Typ-2-Diabetiker und 300.000 Typ-1-Diabetiker - viele von ihnen Kinder. Wie kann es da sein, dass bis zu 2.000.000 Menschen nicht von ihrer Erkrankung wissen und jeden Tag Hunderte Menschen neu an Diabetes erkranken, dies meist aber erst diagnostiziert wird, wenn bereits irreversible Folgeschäden aufgetreten sind?

Die Gründe sind vielfältig: Diabetes tut nicht weh, ist unsichtbar und nicht gerade sexy - wir alle kämpfen beinahe täglich mit der Stigmatisierung unserer Krankheit. So wird Diabetes oft mit dem umgangssprachlichen Begriff "Alterszucker" gleichgesetzt, obwohl zunehmend auch jüngere Menschen an Diabetes Typ 2 erkranken. Dass Übergewicht und mangelnde Bewegung die Hauptursachen für Diabetes sind, ist zwar grundsätzlich richtig, es bedarf aber auch einer genetischen Veranlagung - Schuldgefühle sind also fehl am Platz. Und dass sich auch heute noch viele insulinpflichtige Diabetiker aus Angst vor beruflichen, sozialen oder anderen Nachteilen und Vorurteilen zum Blutzuckermessen und Insulinspritzen auf der Toilette verstecken, sollte uns zu denken geben.

Gute Aufklärung hat etwas mit guter Kampagnenarbeit zu tun

So kennen 90 Prozent aller Bundesbürger die Kampagne "Gib AIDS keine Chance" mit ihren Postern und Slogans wie "Ich will's zärtlich" - doch kaum jemand außerhalb der Diabetes-Szene kann etwas mit dem Blue Circle, dem internationalen Symbol für Diabetes, und dem Weltdiabetestag anfangen. Das internationale Symbol für Solidarität mit HIV-Positiven, das Red Ribbon, trat seinen Siegeszug am Ostermontag 1992 an, als beim Freddie Mercury AIDS Awareness Tribute Konzert im Londoner Wembley-Stadion über 100.000 rote Schleifen verteilt wurden. Der Sänger der Kultband Queen hatte seine Erkrankung bis einen Tag vor seinem Tod im November 1991 geheim gehalten.

Brauchen wir erst einen toten Diabetes-Superstar, um die Menschen wachzurütteln und mit dem Blue Circle ein Zeichen für Prävention, Aufklärung und Solidarität zu setzen? Meiner Meinung nach sollten wir die Menschen mit Diabetes, den Weltdiabetestag laut und selbstbewusst als Plattform begreifen, um anderen unsere Geschichte zu erzählen, sie über Symptome und Risiken wie Übergewicht, einseitige Ernährung und Bewegungsmangel aufzuklären und ihnen dabei zu helfen, ihr persönliches Diabetes-Risiko besser einschätzen und minimieren zu können. Mit unserer Kampagne möchten wir hierfür die Rahmenbedingungen schaffen.

"Deutschland misst!" möchte auf die hohe Dunkelziffer aufmerksam machen und echte Aufklärungs- und Präventionsarbeit leisten. Sie richtet sich primär an Nicht-Diabetiker und solche, die betroffen sind, ohne es zu wissen; Menschen mit Diabetes werden dabei als ideale Multiplikatoren direkt in die Kampagnenarbeit integriert.

Am Weltdiabetestag rufen wir Deutschland zum kollektiven Blutzuckermessen auf und spielen Blutzucker-Bingo

Am 14.11. um 14:11 Uhr steigt dazu hier in Berlin der große #bzbingo°-Mess-Mob, direkt am Brandenburger Tor: Dort messen alle gemeinsam - Typ-1er, Typ-2er und Nicht-Diabetiker. Zusätzlich veranstalten Arztpraxen, Apotheken und Firmen eigene Mess-Mobs, Menschen mit und ohne Diabetes können sich über unsere Webseite kostenlos Flyer und Poster bestellen und diese in der Schule, am Arbeitsplatz oder beim Lieblingsbäcker auslegen, und wer mag, stellt sich am Weltdiabetestag mitten auf den Marktplatz und bringt den #bzbingo°-Mess-Mob in seine Stadt.

So funktioniert Blutzucker-Bingo: Teilnehmer messen zunächst ihren Blutzucker; wer kein eigenes Messgerät hat, kann seinen Wert in jeder teilnehmenden Apotheke bestimmen lassen. Dann laden sie ihren Blutzuckerwert anonym auf www.blutzuckerbingo.de hoch, machen ein #bzbingo°-Selfie und nominieren ihre Facebook-Freunde und Twitter-Follower, sich ihnen anzuschließen. Dazu erhält jeder Teilnehmer einen persönlichen #bzbingo°-Schein (oder Dia-Dollar) mit individueller fortlaufender Seriennummer und seinem eigenen Porträt. Wer kein Internet hat, kann seinen Blutzuckerwert übrigens auch ganz einfach kostenfrei unter 0800-2924646 (die Nummer entspricht den Buchstaben BZBINGO auf der Telefontastatur) eingeben.

Unsere Partner spenden für jeden Teilnehmer 1,- Euro für Kinderfreizeiten der Deutschen Diabetes-Hilfe, aus den erhobenen Werten wird zudem der Durchschnitts-Blutzuckerwert Deutschlands am Weltdiabetestag ermittelt.

Blutzucker-Bingo macht Spaß, ist einfach, viral und stark bildlastig und schafft einen augenzwinkernden Zugang zum Thema Diabetes. Es vereint Elemente aus Quantified Self, ALS Ice Bucket Challenge und Selfie-Trend und hat das Potenzial, sich dauerhaft auch international als fester Bestandteil des Weltdiabetestages zu etablieren. Getreu dem Motto "Tu Gutes und rede darüber!" erwarten wir zum Weltdiabetestag 2015 eine erste virale Bilderflut. Und damit diese nicht nur im Netz aufläuft, brauchen wir Ihre Hilfe: Berichten Sie über die Kampagne, motivieren Sie Ihre Leser mitzumachen und freuen Sie sich schon jetzt auf die Ergebnisse, die wir Ihnen direkt nach dem Weltdiabetestag zur Verfügung stellen werden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

zuletzt bearbeitet: 07.11.2015 nach oben

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