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31. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft

Mit vereinten Kräften gegen die Adipositas-Epidemie

Mehr Typ-2-Diabetes-Erkrankte durch wachsende Verbreitung des Übergewichts

DAG-Tagungspräsidentin Prof. Dr. Annette Schürmann Vom 15. bis 17. Oktober 2015 treffen sich über 500 Experten auf der 31. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V. (DAG) in der Urania Berlin, um Informationen auszutauschen sowie die neuesten Ergebnisse ihrer Adipositasforschung vorzustellen und zu diskutieren. Diesjährige Tagungspräsidentin ist Prof. Dr. Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Die Tagung ist thematisch breit aufgestellt. Die vorwiegend deutschsprachigen Vorträge beschäftigen sich mit Themen aus der Grundlagen- und klinischen Forschung sowie aus den Bereichen Epidemiologie und Psychologie. Darüber hinaus diskutieren die Teilnehmer auch gesundheitspolitische Fragen.

Nach aktueller Datenlage sind über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig (BMI > 25 kg/m²). Von diesen ist jeder Vierte bis Fünfte adipös (BMI > 30 kg/m²) - Tendenz steigend. Auch bei Kindern und Jugendlichen lässt sich dieser Trend beobachten. Laut der letztverfügbaren Daten des Robert Koch-Instituts in Berlin waren 2007 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig. Etwa sechs Prozent leiden unter Adipositas, wobei sich deren Anteil in der Gruppe der 14- bis 17-Jährigen sogar auf über acht Prozent erhöht.

Mit zunehmender Verbreitung der Adipositas steigt auch die Zahl der Menschen, die an schwerwiegenden Folgekrankheiten leiden. Zu diesen gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsarten wie Leber- und Darmkrebs sowie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) vom Typ 2. Mehr als sechs Millionen Menschen sind in Deutschland an einem Diabetes erkrankt.

Adipositas hat eine genetische Grundlage, wird aber wesentlich durch den in unserer heutigen Gesellschaft weit verbreiteten, ungesunden Lebensstil begünstigt. Dieser ist durch mangelnde Bewegung sowie eine hochkalorische, aber wenig sättigende Ernährung charakterisiert.

Um ein reduziertes Körpergewicht dauerhaft halten zu können, müssen betroffene Personen lebenslang auf einen gesunden Lebensstil achten. "Kurzfristige Reduktionsdiäten verringern nur für eine kurze Zeit das Körpergewicht und schaden langfristig mehr, als sie nützen. Gewichthalten nach erfolgreicher Gewichtsabnahme ist meist nur mit Unterstützung des sozialen Umfelds und einer langfristigen, verhaltenstherapeutischen Betreuung möglich oder mit Hilfe der metabolischen Chirurgie. Diese kommt für Kinder allerdings nicht in Frage", sagt Prof. Dr. med. Martin Wabitsch, Präsident der DAG sowie ärztlicher Leiter des Hormonzentrums und des endokrinologischen Forschungslabors an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm. "Wissenschaftler und Therapeuten sind daher mehr denn je gefordert, interdisziplinär zusammenzuarbeiten, um verbesserte Präventionsmaßnahmen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln, die diesem wachsenden Problem entgegenwirken", so Wabitsch weiter. Immer deutlicher werde auch die Notwendigkeit, die Politik von der Umsetzung verhältnispräventiver Maßnahmen zu überzeugen, wie sie bereits in zahlreichen Ländern mit zunehmendem Erfolg angewendet werden. "Wir werden die Adipositasepidemie nur mit Hilfe der Politik eindämmen können, denn wir haben es mit einem komplexen, gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu tun", ist Wabitsch überzeugt.

"Hierfür ist es unter anderem auch wichtig, mehr über die molekularen und biochemischen Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Adipositas und deren Folgeerkrankungen zu erfahren", sagt Schürmann, die sowohl Projektleiterin im Kompetenznetz Adipositas als auch Sprecherin des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) ist. Auf diese Weise sei es möglich, neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Wenn man zum Beispiel die Frage beantworten könne, warum nicht jeder adipöse Mensch automatisch auch an einer Stoffwechselstörung leide, ließen sich Personen leichter identifizieren, die zum Beispiel besonders gefährdet sind, an einem Diabetes zu erkranken. Präventionsmaßnahmen seien so gezielter umzusetzen, erklärt die Wissenschaftlerin.

Wie eine kürzlich von Schürmann veröffentlichte Studie annehmen lässt, beeinflussen bei adipösen Mäusen vier Gene die Teilungsfähigkeit der insulinproduzierenden Zellen in Abhängigkeit von der Kohlenhydratzufuhr. Je nachdem über welche Genvarianten die Tiere verfügen, entwickeln sie einen Diabetes oder auch nicht. Das nächste Ziel der Wissenschaftler ist nun, die Funktionen der identifizierten Gene aufzuklären, um einen tieferen Einblick in die biochemischen Mechanismen der adipositas- und ernährungsabhängigen Diabetesentstehung zu erhalten. Wie eigene und andere Humanstudien zeigen, sind drei der entsprechenden menschlichen Gene ebenfalls mit Übergewicht und Insulinresistenz, der Vorstufe zum Diabetes, assoziiert.

Hintergrundinformationen

Die Wissenschaftler um Annette Schürmann veröffentlichten kürzlich ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift PLOS Genetics (Kluth, O. et al. 2015). Siehe auch Pressemitteilung vom 14.9.2015.

Hinweise zur Pressekonferenz am 15. Oktober 2015, von 10:00 - 11:00 Uhr am Veranstaltungsort der Jahrestagung in der Urania Berlin, Loft B, finden Sie hier zum Download.

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft e.V. (DAG) versteht sich als Fachgesellschaft von Wissenschaftlern und therapeutisch tätigen Experten, die sich dem Krankheitsbild Adipositas (starkes Übergewicht) widmen. Der gemeinnützige Verein hat sich vorrangig zum Ziel gesetzt, Forschung, wissenschaftliche Diskussion, Weiterbildung und wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Adipositas zu fördern sowie Konzepte und Leitlinien zu Prävention, Diagnose und Therapie der Adipositas zu entwickeln. Neben der Veranstaltung von Fachtagungen engagiert sich die DAG berufspolitisch, forschungspolitisch und gesundheitspolitisch. Fachorgane der DAG sind die Zeitschriften "Adipositas" (Schattauer Verlag) und "Obesity Facts" (Karger Verlag). Ein aktueller Tätigkeitsschwerpunkt der DAG ist es, Politik und Öffentlichkeit auf die "Public Health"-Aspekte der Adipositas hinzuweisen.

Eine Tochterorganisation der DAG ist die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA).

Die DAG ist die deutsche Mitgliedsorganisation der World Obesity Federation, der European Association for the Study of Obesity sowie Mitgliedsgesellschaft der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Plattform Ernährung und Bewegung e.V. und der Deutschen Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten  (DANK).

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz- Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten.

Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Kompetenznetz Adipositas.

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 18.100 Menschen - darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler - bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,64 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft.

Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien. Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositas-Forschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen. Die Rubrik "Forschung kompakt" macht Wissenschaft für alle verständlich.

Quellen

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V. (DAG), des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und des Kompetenznetzes Adipositas

Bildunterschrift: DAG-Tagungspräsidentin Prof. Dr. Annette Schürmann
Bildquelle: privat

zuletzt bearbeitet: 12.10.2015 nach oben

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