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Sehbehinderte und blinde Diabetiker benötigen barrierefreie Hilfsmittel für die Selbsttherapie

diabetesDE zum Welttag des Sehens und Tag des weißen Stocks

In Ländern mit guter diabetologischer Versorgung wie Deutschland scheinen die Erblindungsraten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes abzunehmen. Aufgrund der zunehmenden Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes ist trotzdem mit einem Anstieg von Betroffenen mit der Folgeerkrankung Retinopathie zu rechnen. In Deutschland leidet Schätzungen zufolge jeder dritte bis vierte Mensch mit Diabetes an einer solchen Netzhauterkrankung. Etwa 2.000 Menschen erblinden jährlich daran. Sehbehinderte und blinde Diabetiker stehen beim täglichen Blutzuckermessen und der Insulintherapie vor der Herausforderung, dass viele der dafür notwendigen Hilfsmittel und Technologien nicht barrierefrei konzipiert sind. Darauf weist diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich der "Woche des Sehens" mit den Aktionstagen "Welttag des Sehens" am 8. Oktober 2015 und dem "Tag des weißen Stocks" am 15. Oktober 2015 hin.

Die diabetische Retinopathie ist bundesweit die Hauptursache für Erblindungen bei Erwachsenen. Für sehbehinderte und blinde Diabetiker sind die Insulintherapie und das Blutzuckermessen oft mit Hürden verbunden: Denn bislang gibt es kaum für sie geeignete Insulinpens, -pumpen, Blutglukosemesssysteme oder solche zum kontinuierlichen Glukosemonitoring sowie diabetesbezogene Apps.

"Momentan gibt es zum Beispiel nur eine recht eingeschränkte Auswahl an Blutzuckermessgeräten für betroffene Menschen mit Diabetes", sagt Diana Droßel, Vorstandsmitglied von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, Diabetesberaterin und selbst erblindete Patientin mit Typ-1-Diabetes. Zwei Messsysteme wurden in den letzten Jahren vom Markt genommen, kein einziges geeignetes System kam neu hinzu. Und die derzeit handelsüblichen Insulinpens haben keine spezielle Akustikversion, die den Nutzer an den Zeitpunkt und die Menge des zuletzt abgegebenen Insulins erinnern.

Die Entwicklung und Zulassung barrierefreier Systeme bedeutet für die Hersteller zusätzliche Kosten sowie Risiken der Produkthaftung. "Regelmäßiges Blutzuckermessen und Insulinspritzen ist aber für die Teilnahme am alltäglichen Leben unabdingbar, deshalb sollten zukünftig alle Systeme für Sehbehinderte und Blinde barrierefrei konzipiert sein", fordert Diana Droßel. Allerdings bestehe dazu nach wie vor keine gesetzliche Vorgabe, auch wenn sich die Bundesregierung dazu verpflichtet habe, Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. "Patienten, die ihre Diabetestherapie nicht mehr eigenständig durchführen können, benötigen wesentlich mehr externe Hilfe und Betreuung, was für das Gesundheitssystem mit deutlich höheren Kosten verbunden ist", gibt Diana Droßel zu bedenken. "Dabei wollen und könnten auch sehbehinderte und blinde Menschen mit Diabetes ein selbstbestimmtes Leben führen - würde die Diabetestechnologie sie dabei ausreichend unterstützen!" Somit sei die Politik gefordert, für eine künftige Umsetzung der Behindertenrechtskonvention zu sorgen.

Im Rahmen der Woche des Sehens macht der von der WHO initiierte "Welttag des Sehens" am 8. Oktober 2015 auf das weltweite Aktionsprogramm "VISION 2020 - das Recht auf Augenlicht" aufmerksam. Ziel dieser Kampagne ist es, die heilbare und vermeidbare Blindheit zu überwinden. Am 15. Oktober findet der internationale "Tag des weißen Stocks" statt. Der Aktionstag stellt in Deutschland die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen in den Mittelpunkt.

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zuletzt bearbeitet: 07.10.2015 nach oben

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