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Weltschulmilchtag am 30. September 2015

Keine Milchprodukte für Kitas und Schulen!

Seit über 30 Jahren besteht das europäische Schulmilchprogramm, das den Absatz von Milch und Milchprodukten durch staatliche Beihilfen in Schulen fördert. Ziel des Programms ist es, Übergewicht und Mangelernährung zu verringern und die Essgewohnheiten der Kinder nachhaltig zu verbessern. Nach Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft profitieren heute rund 3 Mio. Kinder von einer 10-prozentigen Bezuschussung für eine tägliche Portion Milch bzw. Milchprodukt. Häufig handelt sich bei den meist subventionierten Produkten jedoch um gesüßte Milchgetränke, wie Schoko- und Erdbeermilch, außerdem werden gesüßte Joghurts abgegeben. diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) befürworten das Programm grundsätzlich, fordern aber anlässlich des Weltschulmilchtages nur ungezuckerte Milchprodukte an Kindergärten und Schulen abzugeben.

"Milch ist ein gesundes Nahrungsmittel für Kinder, insbesondere wegen ihrer Gehalte an Calcium, Protein und Jod. Daher befürworten wir grundsätzlich ein Schulmilchprogramm. Gesüßte Milchprodukte haben aber in Kita und Schule nichts zu suchen", sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Pädiater und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe.

diabetesDE, DDG und DAG sehen es kritisch, dass die Milcherzeuger im Rahmen des Programms nur die positiven ernährungsphysiologischen Wert der Milch herausstellen und es den Kindern überlassen bleibt, in welcher Form sie die "Schulmilch" zu sich nehmen wollen, denn weder Zucker- noch Fettgehalte der ausgegebenen Milchprodukte werden kontrolliert. Die EU-Bestimmungen erlauben den Herstellern, bis zu 7 Prozent Zucker zuzusetzen, so dass die meisten gezuckerten Milchgetränke zusammen mit dem natürlichen Milchzuckergehalt auf knapp 10 bis zu knapp 18 Prozent (gesüßte Joghurts) kommen. Insbesondere Kitas sind begeisterte Abnehmer von "Schulmilch", verlautet aus dem Bundesernährungsministerium.

"Die WHO Europa empfiehlt, gesüßte Milch überhaupt nicht an Kinder zu promoten. Es ist ein Skandal, wenn diese auch noch subventioniert zum Zweck der Absatzförderung großflächig in Kitas und Schulen verteilt werden. Wir müssen im Kindesalter noch viel stärker präventivmedizinisch denken. Viel wichtiger wäre es, dass Schulen heute mit Trinkwasserbrunnen ausgestattet werden", bekräftigt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG.

"Die Zielsetzungen 'Übergewicht vorbeugen' und 'Ernährungsverhalten nachhaltig verbessern' wird mit der Abgabe gesüßter Milchprodukte an Kitas und Schulen nicht erreicht", stellt Professor Dr. med. Martin Wabitsch, Präsident der DAG, klar. "Bereits beim Eintritt ins Schulalter haben rund 10 Prozent der Kinder Übergewicht und die Zahl verdreifacht sich noch bis ins Jugendlichenalter. Kitas und Schulen sollten den Süßgeschmack mit gesüßten Schulmilchprodukten deshalb nicht noch antrainieren. Das Konzept des Schulmilchprogramms bedarf dringend einer Modernisierung", empfiehlt der Ulmer Kinder- und Jugendarzt.

diabetesDE, DDG und DAG fordern

Hintergrundinformation

Der Weltschulmilchtag wurde von der Welt-Ernährungs-Organisation der Vereinten Nationen (FAO) erstmals im Jahr 2000 ausgerufen und findet jedes Jahr am letzten Mittwoch im September statt. In vielen Ländern, so auch in der Europäischen Union und hierzulande, werden im Rahmen eines Schulmilchprogramms Milcherzeugnisse in Schulen durch eine staatliche Beihilfe vergünstigt abgegeben. Das europäische Schulmilchprogramm soll bei Kindern und Jugendlichen die ausgewogene Ernährung fördern, ihr Wissen über Ernährung vertiefen und damit Übergewicht vorbeugen. Wie das EU-Schulmilchprogramm umgesetzt und welche Produkte bezuschusst werden, ist den Mitgliedsstaaten freigestellt. Diese sind somit berechtigt, das Schulmilchprogramm auf Landesebene anzupassen. In Deutschland ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dafür zuständig.

Nach Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft profitieren derzeit rund 3 Mio. Kinder in Deutschland vom Schulmilchprogramm. Pro Kind und Tag wird eine Portion Milch oder Milchprodukt (je nach Alter der Kinder 0,25 oder 0,2 l/ Tag) mit 4,5 bzw. 3,7 Cent bezuschusst, in der Summe stehen derzeit rund 5 Mio. € zur Verfügung. Der größte Lieferant, nach Auskunft des Bundesernährungsministeriums die Fa. Friesland Campina ("Landliebe") erhält pro Jahr knapp 2 Mio. Euro Fördergelder aus dem Schulmilchprogramm. Kleinere Hersteller verzichten oft auf eine Antragstellung. Wie aus dem Bundesernährungsministerium verlautet, wird "Schulmilch" heute etwa zur Hälfte als Frischmilch und zur Hälfte als zuckergesüßte Milchmischgetränke, Trinkjoghurt, Joghurt oder sogar Käse abgegeben. Der Fettgehalt der Produkte ist nicht geregelt, laut EU-Schulmilchverordnung dürfen maximal 7 Prozent Zucker zugesetzt sein, die Fa. Friesland Campina bietet aber auch gesüßte Joghurtvarianten mit bis zu 17,5 Prozent Zuckergehalt an, das entspricht bei einer empfohlenen Portionsgröße von 250 ml pro Tag bereits einer Aufnahme von mehr als 40 g Zucker pro Tag. Laut Schulmilchverordnung ist eine Abgabe "an Schüler in Schulen" vorgesehen, in Deutschland wird "Schulmilch" aber auch an Kitas abgegeben.

zuletzt bearbeitet: 28.09.2015 nach oben

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