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Neue Qualität im Diabetes-Selbstmanagement

Pressemitteilung: Abbott Diabetes Care

Mit Flash Glucose Monitoring

Dr. med. Thorsten Siegmund demonstriert das Setzen eienes Sensors Acht Monate nach der Einführung des Flash Glukose Messsystems "FreeStyle Libre" ziehen Experten eine positive Bilanz. Nach dem Motto "scannen statt routinehaftes Fingerstechen" misst das System mittels eines Sensors kontinuierlich den interstitiellen Glukosewert. Das Messsystem FreeStyle Libre ist vom Patienten besonders einfach sowie intuitiv anzuwenden und kann beim Diabetes-Selbstmanagement die routinehafte Blutzuckermessung ersetzen. Damit kann sich nicht nur das Diabetesmanagement verbessern, sondern auch die Lebensqualität steigen, wie auf einem Symposium von Abbott auf der diesjährigen Jahrestagung der DDG von renommierten Diabetologen zu hören war. Die Kopplung an das Analysetool "Ambulantes Glukose Profil" (AGP) führt zu einfach interpretierbaren Darstellungen von Glukoseverläufen, die eine schnelle Erkennung von Mustern möglich machen. Einzelne gesetzliche Krankenkassen haben bereits das Potential von FreeStyle Libre mit Blick auf den Patientennutzen erkannt und mit der Erstattung für ihre Mitglieder begonnen.

"Jeder, der in der Diabetologie arbeitet, hat sich eine Glukosebestimmung ohne Blut gewünscht. Mit dem Flash Glucose Monitoring ist das möglich geworden. Das ist ein Meilenstein in der Diabetologie", bewertet Dr. Jens Kröger, Hamburg, das Messsystem FreeStyle Libre. Das Flash Glucose Monitoring macht die Blutzuckerselbstmessung, die bei Patienten mit intensivierter Insulintherapie mindestens viermal täglich erforderlich ist, weitestgehend überflüssig. Das Prinzip: Ein Sensor an der Rückseite des Oberarms, kaum größer als ein 2-Euro-Stück, misst kontinuierlich den interstitiellen Glukosewert. Mit einem schmerzlosen 1-Sekunden-Scan werden der aktuelle Glukosewert, die gespeicherten Werte der letzten 8 Stunden sowie ein aktueller Trendpfeil auf ein Lesegerät übertragen und dort gespeichert. Die Applikation des Sensors ist für den Patienten in der Regel alle 14 Tage problemlos selbst durchzuführen. Auch die Handhabung des Lesegeräts ist sehr einfach und gelingt in der Regel intuitiv. Selbst für die Kalibrierung des Geräts ist kein "Fingerstechen" mehr notwendig. Eine diskrete Messung des Glukosespiegels ist damit möglich, so Kröger.

Hohe Systemgenauigkeit über 14 Tage

Der Diabetologe Professor Dr. Thomas Haak, Bad Mergentheim, betonte die hohe Systemgenauigkeit von FreeStyle Libre. Er verwies dabei auf die ACCURACY-Studie zur Evaluierung der Systemgenauigkeit und Zuverlässigkeit des Flash Glucose Messsystems im Vergleich zur Blutzuckerselbstmessung. Primärer Endpunkt war die Abweichung der Messwerte, ermittelt anhand der Error-Grid-Analyse. 99,7 % der gemessenen Werte fielen in Zone A oder B, 86,7 % in Zone A. Die mittlere relative Abweichung von den mittels Blutzuckerselbstmessung ermittelten Werten betrug 11,4 % über die gesamte Sensorlaufzeit von 14 Tagen - ohne Kalibrierung mittels "Fingerstich".In zwei prospektiven, randomisierten und kontrollierten Outcome-Studien mit Menschen mit Typ-1-Diabetes (IMPACT) und Typ-2-Diabetes (REPLACE) wird FreeStyle Libre derzeit untersucht. Der primäre Endpunkt der IMPACT-Studie ist die Veränderung der mittleren Verweildauer der Patienten pro Tag im hypoglykämischen Konzentrationsbereich, wohingegen die REPLACE-Studie die "Verbesserung der glykämischen Kontrolle (HbA1c)“ im Vergleich zur Blutzuckerselbstmessung untersucht.

Einfache Darstellungen der Glukoseverläufe erleichtern den Patientendialog

Besonders aufschlussreich für den Patienten und den behandelnden Arzt ist die Auswertung der Daten über das "Ambulante Glukose Profil" (AGP). Dabei handelt es sich um eine Darstellungsform, die Glukose-Messwerte über 14 Tage grafisch aufarbeitet und in Form eines typischen Standardtages zeigt. Dies kann Menschen mit Diabetes helfen, ein besseres Verständnis für ihre Erkrankung und die täglichen Glukoseschwankungen zu entwickeln. "Auf diese Weise ist auch für den Patienten greifbar, wo das Problem zu finden ist", so die Einschätzung von Dr. Thorsten Siegmund, München. Für den Arzt bieten die Grafiken eine ideale Grundlage, um die Problemfelder mit dem Patienten herauszuarbeiten und das weitere Prozedere zu besprechen. "An der Grafik lässt sich direkt erkennen, wie sich das Bewegungs- und Essensverhalten auf die Stoffwechselsituation auswirkt und wie es sich sinnvoll verändern lässt. Das ist eine Bereicherung, auf die wir lange gewartet haben", so Kröger.

Befragung zeigt:

Mehr Werte, kaum stechen, bessere Lebensqualität

Wie hoch die Zufriedenheit von Menschen mit Diabetes mit FreeStyle Libre ist, zeigte eine vom Zentrum für Diabetologie Hamburg Bergedorf durchgeführte Befragung von 42 Patienten mit intensivierter Insulintherapie (ICT), die FreeStyle Libre seit mindestens drei Monaten nutzten. Die Ergebnisse: Zusätzliche Blutzuckerselbstmessungen sind sehr selten. 90,5 % (n=38) der Patienten gaben an, in den letzten Wochen ihren Blutzucker weniger als 10-mal zusätzlich gemessen zu haben. Die überwiegende Mehrzahl, nämlich 88 % (n=37), bescheinigten der Methode einen starken positiven Einfluss auf die Lebensqualität. Auf die Frage: „Kann man mit dem Flash Glukose Messsystem die Diabeteserkrankung sicher ohne zusätzliche Blutzuckermessungen steuern, antworteten 86 % (n=36) mit "ja".

Erste Erstattungsverträge mit Krankenkassen

Noch wird FreeStyle Libre nicht flächendeckend erstattet. Die ersten gesetzlichen Krankenkassen haben jedoch erkannt, welches Potential dieses Verfahren bieten kann. Mit der DAK-Gesundheit hat Abbott bereits einen Vertrag geschlossen. So werden beginnend ab Juni 2015 bis Ende des Jahres jeweils mindestens 1.000 Mitglieder zusätzlich pro Monat mit dem System ausgestattet werden. Die Techniker Krankenkasse hingegen erstattet die Kosten in Höhe des durchschnittlichen Betrages der alternativ zu bezahlenden Blutzuckerteststreifen. "Natürlich sind wir weiter im Gespräch mit vielen anderen Krankenkassen", berichtet Dr. Ansgar Resch von Abbott im Rahmen des Pressecafés. "Langfristig", so Kröger, "wird sich diese Entwicklung ohnehin nicht aufhalten lassen."

Quellen

Symposium und Pressecafé "Innovatives Diabetesmanagement für Patienten und Therapeuten mit Flash Glucose Monitoring & Ambulantem Glukose Profil", veranstaltet von Abbott anlässlich des DDG am 14. Mai 2015 in Berlin.

  • Zone A beinhaltet alle Werte, die eine maximale Abweichung von 20% vom Referenzwert aufweisen. Zone B beinhaltet alle Werte, die zwar mehr als 20 % vom Referenzwert abweichen, aber nicht zu einer Entscheidung führen, die eine fehlerhafte Auswirkung auf die Therapie des Patienten haben.

  • Das Setzen eines Sensors erfordert ein Einführen des Sensorfilaments unter die Haut.

  • Eine zusätzliche Prüfung der Glukosewerte mittels eines Blutzucker-Messgeräts ist erforderlich bei sich schnell ändernden Glukosespiegeln, weil die Glukosewerte in der Gewebeflüssigkeit die Blutzuckerwerte eventuell nicht genau widerspiegeln, oder wenn das System eine Hypoglykämie oder eine anstehende Hypoglykämie anzeigt, oder wenn die Symptome nicht mit den Messwerten des Systems übereinstimmen.
  • Parkes J, Slatin S, Pardo S, et al. A new consensus error grid to evaluate the clinical significance of inaccuracies in the measurement of blood glucose. Diabetes Care. 2000;23(8):1143-1148
  • Clinical Report: Evaluation of the Accuracy of the Abbott Sensor-Based Interstitial Glucose Monitoring System 2014. Daten liegen Abbott vor.
  • Vortrag von Timothy Bailey auf ATTD-Kongress 2015.
  • Daten liegen Abbott vor.

Bildunterschrift: Dr. med. Thorsten Siegmund demonstriert das Setzen eines Sensors
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 23.07.2015 nach oben

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