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Das "Chamäleon" diabetische Neuropathie

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Kristian Rett , Chefarzt, Abteilung Endokrinologie und Diabetologie, Krankenhaus Frankfurt-Sachsenhausen, im Rahmen einer Pressekonferenz von WÖRWAG Pharma anlässlich des Diabetes Kongresses 2015 der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 13. Mai 2015 in Berlin.

Vielfältige Symptome erschweren die Diagnose

Prof. Dr. med. Kristian Rett Unter Neuropathien verstehen wir fortschreitende Funktionsstörungen peripherer Nerven, die alle Fasertypen (motorisch, sensibel und vegetativ) betreffen. Die häufigste Form der diabetischen Nervenschädigung (>80 %) ist die distal-symmetrische sensomotorische Polyneuropathie. Die meisten Ärzte suchen - wenn überhaupt - nach der sensorischen Komponente, während die motorische in aller Regel unbeachtet bleibt.

So umfasst die klinische Screening-Diagnostik auf eine diabetische Polyneuropathie eine jährliche Fußuntersuchung. Bei jedem Patienten mit Diabetes sind die Füße zu inspizieren (Hautbeschaffenheit, Fußdeformitäten, Nagelbett), die Fußpulse zu palpieren und die Berührungs- und Vibrationsempfindung sowie die Kalt-Warm-Diskrimination mit einfachen Mitteln zu testen bzw. zu quantifizieren. Angesichts mehrheitlich unspezifischer Symptome (Ausfallsymptome bzw. Reizzeichen) ist hierfür die systematische Verwendung von Defizit-Scores und Symptom-Scores empfehlenswert.

Wenn eine diabetische Neuropathie allerdings einmal symptomatisch geworden ist, liegt häufig bereits ein fortgeschrittenes Erkrankungsstadium mit dann begrenzten therapeutischen Möglichkeiten vor. Daher ist eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung anzustreben. Das gilt in besonderem Maße für die motorische Schädigung, die in der Regel unbeachtet bleibt, die aber im Hinblick auf die Sturzneigung als sekundäre Komplikation und Folgeerscheinung einer Neuropathie eine sehr konkrete Gefahr darstellt.

Beispielhaft seien zwei häufig unerkannte diagnostische Fallstricke, die zudem auch noch gehäuft bei Patienten mit Diabetes und Prädiabetes auftreten: Überlastung bei Adipositas und Tarsaltunnelsyndrom. Bei ersterem kann mittels Pedographie ein pathologischer Abrollvorgang einen frühzeitigen diagnostischen Hinweis geben, bei letzterem gelingt der Nachweis einer isolierten Läsion des N. tibialis im Tarsaltunnel durch die Messung der sensiblen und motorischen Nervenleitgeschwindigkeit.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Kristian Rett
Bildquelle: WÖRWAG Pharma

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zuletzt bearbeitet: 11.07.2015 nach oben

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