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Diabetische Ketoazidose unter Gliflozinen (SGLT2-Hemmern)

Die lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung kann hier sogar schon bei Blutzuckerwerten unter 200 mg/dl/11,2 mmol/l auftreten

Aktuelle Studien vorgestellt und kommentiert von Prof. Helmut Schatz

Die Amerikanische Arzneibehörde FDA gab vor einigen Tagen ein Warnung heraus, dass unter den Hemmern des Natrium- (Sodium-) Glukose - Cotransporters 2 (SGLT2-Hemmern) Dapagliflozin (Forxiga®), Canagliflozin (Invokana®) und Empagliflozin (Jardiance®) sowie Kombinationstabletten mit diesen Gliflozinen ketoazidotische Komata auftreten können. Dies geschah im Mittel zwei Wochen nach Therapiebeginn (1-175 Tage). Von März 2013 bis Juni 2014 wurden der FDA 20 derartige Fälle gemeldet, anschließend erfolgten weitere Berichte. Auch der Europäischen Arzneibehörde EMA wurden insgesamt 84 Verdachtsfälle gemeldet: 48 unter Cana-, 32 unter Dapa- und 4 unter Empagliflozin.

Alle der FDA gemeldeten Fälle erforderten eine Krankenhausaufnahme auf die Intensivstation. Die klinischen Zeichen der Ketoazidose waren Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Bauchbeschwerden, Verwirrtheit, ungewöhnlicher Müdigkeit und Schläfrigkeit. Die Blutzuckerwerte wurden oft nicht stark erhöht gefunden, sie lagen manchmal sogar unter 200 mg/dl/11.2 mmol/l. Die Ketose im Blut oder Urin war meist mit einer metabolischen Azidose mit großer Anionen-Lücke verbunden. Als potenzielle Auslöser sah man akute Krankheitsbilder wie Infektionen des Harntraktes, Gastroenteritis, Influenza, Urosepsis, Traumen oder verminderte Aufnahme von Kalorien und/oder Flüssigkeit an. Auch eine Reduktion einer gegebenenfalls injizierten Insulindosis lag in einigen Fällen vor. Andere Faktoren als eine Hypoinsulinämie, die zur großen Anionen-Lücke beitragen können, wurden in einer Hypovolämie, eingeschränkter Nierenfunktion, verminderter Nahrungsaufnahme und Alkoholanamnese gesehen. In der Hälfte aller Fälle war keinerlei mögliche Ursache als Auslöser der Ketoazidose zu eruieren.

Kommentar

In den Produktinformationen der Hersteller findet sich kein Hinweis auf die Möglichkeit einer Ketoazidose unter SGLT2-Hemmern. Zur Zeit schreibt die FDA dies nicht vor, es könnte aber wohl bald erfolgen. Der Zeitpunkt des Auftretens von im Mittel 2 Wochen nach Therapiebeginn deckt sich gut mit der Beobachtung von vermehrten Hypovolämien und auch Schlaganfällen im 1. Monat nach Behandlungsbeginn. Darauf wurde vom Referenten am 23. April 2013 in einem Kommentar zu dem Blogbeitrag der DGE vom 30. März 2013 hingewiesen. In diesem Kommentar wird die Empfehlung zitiert, im 1. Monat einer Behandlung mit SGLT2-Hemmern mehr zu trinken. Es sollte etwa das Volumen von "1 Urinportion (~300 ml zusätzlich)" sein, bis sich ein neues Äquilibrium eingestellt hat. Dies rät der Kommentator auch allen seinen Patienten.

zuletzt bearbeitet: 31.05.2015 nach oben

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