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Neue und bewährte Therapien bei Typ-2-Diabetes

Der diabetesDE-Expertenchat informiert

In Deutschland haben von den etwa sechs Millionen Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, 95 Prozent einen Typ-2-Diabetes. Während Diabetes Typ 1 immer mit Insulin behandelt werden muss, sind die Therapiemöglichkeiten beim Typ-2-Diabetes breiter gefächert und könnten sich durch neue Medikamente in den nächsten Jahren noch verändern.

Welche Medikamente bei Diabetes Typ 2 derzeit und eventuell künftig zum Einsatz kommen, erklärte der Diabetologe Dr. med. Gerhard Klausmann im Experten-Chat von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe am 5. November 2014. Die spannenden Antworten zu interessanten Fragen können Sie hier nachlesen.

Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse nach kurzer Zeit kein Insulin mehr, die Patienten müssen somit lebenslang Insulin spritzen. Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 produziert der Pankreas jedoch über viele Jahre der Erkrankung noch Insulin. Die Ausschüttung des Hormons wird im Laufe der Erkrankung aber immer geringer. Außerdem kommt es zu einer Insulinresistenz: Das Insulin kann nicht richtig an den Zellwänden wirken, wodurch der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht mehr in die Zellen gelangt.

"Wird Diabetes Typ 2 neu diagnostiziert, stehen für den Betroffenen zunächst eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung auf dem Programm", erklärt der diabetesDE-Chat-Experte Dr. med.bGerhard Klausmann aus Aschaffenburg. Sogenannte orale Antidiabetika- Medikamente in Tablettenform- erhalten zumindest zu Beginn der Erkrankung die noch vorhandene körpereigene Insulinproduktion. Im weiteren Verlauf kann wie bei Diabetes Typ 1 eine Insulintherapie notwendig werden. "Die oralen Antidiabetika umfassen verschiedene Wirkstoffgruppen", erläutert Dr. Klausmann. Das Medikament Metformin aus der Gruppe der Biguanide wird schon lange in der Therapie des Typ-2-Diabetes eingesetzt. Es gilt international als erstes Mittel der Wahl.

Erreichen Patienten mit Metformin die Therapieziele nicht oder vertragen es nicht, kommen neue Wirkstoffe zum Einsatz. Hier sollten Ärzte bevorzugt Medikamente verordnen, die die körpereigene Insulinproduktion stimulieren und die nicht zu einer Gewichtszunahme führen. Dazu zählen beispielsweise Inkretinmimetika und DPP4-Hemmer, die den Stoffwechsel von Inkretin beeinflussen. Dieses Hormon wird im Dünndarm gebildet und erhöht die Freisetzung von Insulin. "Neben einer moderaten Gewichtsabnahme beobachten wir teilweise auch eine geringe Senkung des Blutdrucks", so Klausmann. Zudem senken diese Medikamente oft das Risiko einer Unterzuckerung. "Denn ihre Wirkung tritt nur dann ein, wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist."

"Eine weitere Substanzgruppe, die sogenannten SGLT2-Hemmer, stehen uns erst seit kurzem zur Verfügung", erklärt Klausmann. Dabei wird der überschüssige Blutzucker über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden. Gleichzeitig nehmen die Patienten ab und der Blutdruck sinkt deutlich, sollte dieser zuvor erhöht gewesen sein. Voraussetzung für die Therapie mit SGLT2-Hemmern sei jedoch eine normale Nierenfunktion.

Von einer weiteren Substanzgruppe, die bei Diabetes Typ 2 eingesetzt wird, den Sulfonylharnstoffen, rät der diabetesDE-Experte Klausmann in den meisten Fällen ab: "Unabhängig vom Blutzuckerspiegel regen sie die Bauchspeicheldrüse permanent zu einer maximalen Insulinausschüttung an und steigern so das Risiko für eine Unterzuckerung deutlich", so Klausmann. Gleichzeitig führen diese Medikamente zu einer Gewichtszunahme. "Darüber hinaus stehen sie unter Verdacht mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden zu sein", warnt der Experte.

Derzeit wird erforscht, welche Möglichkeiten es gibt, in den Glucagonstoffwechsel - den Gegenspieler des Insulins - einzugreifen. "Weiterhin sind verschiedene neue Substanzen in der Erprobung, die die Insulinempfindlichkeit auf zellulärer Ebene steigern und die den 'Glukosemesseffekt' in der Bauchspeicheldrüse verbessern", so Klausmann. Informationen rund um neue Therapiemöglichkeiten bei Diabetes Typ 2 erhalten Interessierte im Protokoll zum diabetesDE-Experten-Chat, der am 5. November 2014 stattgefunden hat.

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zuletzt bearbeitet: 07.11.2014 nach oben

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