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Neuropathie beim Diabetiker = Diabetische Neuropathie?

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Karlheinz Reiners im Rahmen einer Pressekonferenz von WÖRWAG Pharma anlässlich des Diabetes Kongresses 2014, 49. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), am 28. Mai 2014 in Berlin.

Nervenschädigungen bereits im prädiabetischen Stadium erkennbar

Professor Dr. med. Karlheinz Reiners Diabetes mellitus ist in den meisten Regionen der Welt zwar die häufigste, aber nicht die einzige bedeutsame Ursache für die Entwicklung einer Neuropathie (NP). Naturgemäß wird man jedoch, wenn sich bei Patienten mit bekanntem Diabetes eine NP entwickelt, in erster Linie an den Diabetes als Ursache denken. Obwohl erste Merkmale einer NP mit sensitiven Untersuchungsverfahren bereits im prädiabetischen Stadium der pathologischen Glukosetoleranz erkennbar sind, korrelieren in den meisten Fällen Zeitpunkt und Schwere einer diabetogenen NP (dNP) mit der Diabetesdauer und (mangelhaften) Stoffwechselführung. Folglich findet man klinisch relevante Ausprägungen einer dNP bevorzugt in der zweiten Lebenshälfte.

In dieser Altersgruppe sind jedoch auch NP anderer Genese mit differenzierter Therapie-Notwendigkeit gehäuft anzutreffen, so dass die dNP eine Ausschluss-Diagnose darstellt. Für das Krankheitsbild der häufigsten dNP-Form, der distal-symmetrischen sensiblen und motorischen NP, sind differenzialdiagnostisch vor allem die folgenden Ätiologien zu bedenken:

Anamnestische und klinische Warnzeichen ("red flags") sind hilfreich in der Entscheidung, ob bei einem/r Diabetiker/Diabetikerin eine nicht-diabetische Neuropathie-Ursache alternativ oder zusätzlich zum Diabetes bedacht und behandelt werden muss.

Wichtige "red flags", die gegen eine diabetische Ursache sprechen, sind beispielsweise:

In therapeutischer Hinsicht kann es dabei zu positiven Überlappungen kommen. So stellt ein Vitamin-B1-Mangel sowohl bei der dNP als auch bei der alkoholischen NP einen wichtigen pathogenetischen Faktor dar. Für die Behandlung der dNP verdeutlicht das "Drei-Säulen-Schema" die meist parallel anzuwendenden Behandlungsstrategien:

Obwohl die optimale Stoffwechselführung (erste Säule) den Angelpunkt für die Behandlung der diabetischen Grunderkrankung wie auch für die Prävention und Behandlung der Diabetes-Komplikationen bei allen Formen der Erkrankung darstellt, ist die interventionelle Verbesserung der Einstellung hauptsächlich für Patienten mit Typ-1-Diabetes hilfreich; bei Typ-2-Diabetikern sind die wissenschaftlichen Belege für z.B. die Rückführung von Komplikationen erheblich dürftiger.

Umso bedeutsamer ist die zweite Säule, deren Inhalt und Ziel die Ausschaltung pathogener Stoffwechselwege ist. Verschiedene Wege können hier zu einer Verminderung des Risikos der Entwicklung und Verschlechterung von Diabeteskomplikationen, wie z. B. der dNP, beitragen. In den letzten Jahren wurde vor allem der Beitrag des Vitamin B1 weiter erforscht, durch dessen Zufuhr (z. B. in Form von Benfotiamin) ein "Bypass" des überforderten Glukoseabbaus über den Pentosephosphat-Shunt mit der Vitamin-B1-abhängigen Transketolase als Schlüsselenzym erleichtert wird.

Die Therapiemaßnahmen der dritten Säule sind rein symptomatischer Natur. Sie beinhalten die meist schwierige, medikamentöse Behandlung der autonomen dNP-Manifestationen (v. a. kardiovaskuläre, gastrointestinale und urogenitale Dysfunktionen) und noch häufiger die medikamentöse Behandlung der neuropathischen Schmerzen im Rahmen der dNP, durch welche die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessert werden kann.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Karlheinz Reiners Stv. Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg.
Bildquelle: WÖRWAG Pharma GmbH & Co.KG

zuletzt bearbeitet: 22.08.2014 nach oben

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