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Besondere Anforderungen an die Pumpentherapie bei Kindern

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Thomas Danne, Diabetes-Zentrum, Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT, Hannover, im Rahmen einer Pressekonferenz von Roche Diagnostics Deutschland GmbH anlässlich des Diabetes Kongresses 2014, 49. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), am 27. Mai 2014 in Berlin.

Kleine Schritte, große Wirkung bei jungen Typ-1-Diabetikern

Professor Dr. med. Thomas Danne Rund 25.000 Kinder bis 19 Jahren sind hierzulande vom Typ-1-Diabetes betroffen. Dabei wird aus kinderdiabetologischer Sicht die Herausforderung an unsere Gesellschaft in der Zukunft noch viel größer werden. Neuen epidemiologischen Daten zufolge wird eine Verdopplung der Erkrankungsfälle bei Kindern unter 5 Jahren bis 2020 erwartet. Schon heute ist 1 Kind von 600 an Typ-1-Diabetes erkrankt, also jede größere Schule muss sich mit dem Erkrankungsbild auseinandersetzen.

Die Besonderheiten des Kindes- und Jugendalters machen eine individualisierte Behandlung erforderlich. So variiert die Insulinempfindlichkeit ständig durch Einflüsse des Wachstums und der hormonellen Veränderungen. Daher ist die intensivierte Insulintherapie mit Injektionen und zunehmend der Insulinpumpe (CSII) der therapeutische Goldstandard. Die Trennung des basalen nahrungsunabhängigen Insulinbedarfs zur Regulation der Glukoseproduktion in der Leber vom nahrungsabhängigen "prandialen" Insulinbedarf zur Regulation des Blutglukoseanstiegs nach dem Essen bietet die Grundlage für die differenzierte Basal- und Prandialinsulinsubstitution.

Anfang der 1990er Jahre wurde die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen mit einfacheren Behandlungsschemata (zwei Injektionen Mischinsulin) behandelt. Rasch setzte sich aber die intensivierte Therapie mit 4, 5 oder 6 Injektionen auch in der Pädiatrie durch. Wie Prof. Holl und Mitarbeiter vom dpv-Register in Ulm im jährlich von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe herausgegebenen "Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes" berichten, werden heute immer mehr Kinder und Jugendliche mit einer Insulinpumpe behandelt, im Jahr 2012 waren es insgesamt 45 %.

Während zunächst vor allem Jugendliche eine Insulinpumpe einsetzten, hat sich die Pumpe in den letzten drei Jahren ganz vorrangig bei der Behandlung von Vorschulkindern durchgesetzt: 77 % aller Diabetespatienten, die jünger als 5 Jahre waren, verwendeten bereits 2012 eine Insulinpumpe. Bei den älteren Jugendlichen nach der Pubertät waren es dagegen 36 %. Dabei bestehen besondere Herausforderungen bei der Insulinpumpentherapie von Kindern. Zum einen besteht besonders bei Säuglingen und Kleinkindern häufig ein sehr geringer Insulinbedarf, der eine individualisierte Basalratenprogrammierung in kleinen einzustellenden Schritten nötig macht.

Angesichts der unter Umständen wechselnden Betreuungssituation (Kindergarten, Schule, Großeltern, Sportverein etc.) und der altertypischer Schwierigkeiten eine komplexe Therapie im Alltag durchzuführen, sind bei der Auswahl einer geeigneten Insulinpumpe in der Pädiatrie notwendige Alarmfunktionen (z. B. Okklusionsalarm), ein gut ablesbares Display, eine einfache, intuitive Bedienung in wenigen Schritten, ein einfacher Wechsel der (vorgefüllten) Ampulle und eine Boluserinnerung für Kinder und alle Beteiligten hilfreich. In Fall-Kontroll-Studien und Fallserien zeigten sich Vorteile der CSII gegenüber der intensivierten Therapie mit Injektionen in Bezug auf den HbA1c-Wert.

Die bislang umfangreichste Langzeitstudie zur Versorgung von Kindern mit Typ-1-Diabetes mit einer Insulinpumpe gegenüber der intensivierten Insulintherapie mit Pen oder Spritze kommt aus Australien. Demnach ist die pädiatrische CSII-Therapie nicht nur mit einem geringeren Risiko für Hypoglykämien verbunden, sondern auch mit einer langfristig günstigeren Blutzuckereinstellung und weniger Krankenhausaufenthalten wegen einer Ketoazidose. Es gibt somit heute keine spezifische Altersgruppe, bei der Gründe für oder gegen die CSII sprechen. Die CSII kann prinzipiell in jeder Altersgruppe zur Anwendung kommen, d. h. sowohl bei Jugendlichen, älteren und jüngeren Schulkindern als auch bei Kindern im Vorschulalter und bei Säuglingen.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Thomas Danne.
Bildquelle: Roche Diagnostics Deutschland GmbH

zuletzt bearbeitet: 08.07.2014 nach oben

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