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Diabetes-Organisationen appellieren an die Gesundheitsminister der Länder

Ihre Stimme für den Nationalen Diabetesplan!

Es könnte ein knappes Rennen werden um die Bundesratsinitiative für einen Nationalen Diabetesplan: Ländern mit konservativer Regierung scheint der Antrag der befürwortenden Bundesländer Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen zu sozialdemokratisch eingefärbt zu sein. Die deutsche Diabetologie appelliert deshalb an die Gesundheitsminister der Länder, die gestern und heute in Hamburg zur Gesundheitsministerkonferenz zusammengekommen sind, sich darauf zu verständigen, diese Initiative im Interesse der Betroffenen gemeinsam zu tragen.

"Ohne Zweifel stimmen wir den Kritikern der Bundesratsinitiative darin zu, dass das Problem des weiter ungebremst zunehmenden Diabetes in Deutschland prioritär im neuen Präventionsgesetz verankert werden muss", so Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. "Wir benötigen jedoch auch ein koordiniertes Vorgehen auf Bundesebene, um die Versorgung so zu optimieren, dass weniger Leid und Kosten durch vermeidbare Folgekrankheiten entstehen. Das kann ein neues Präventionsgesetz allein nicht leisten," betont der Kinderdiabetologe aus Hannover.

"Beim Nationalen Diabetesplan geht es nicht primär darum, mehr Geld im Gesundheitssystem für Diabetes bereitzustellen, sondern wir haben hier die historische Chance, endlich strukturell und nachhaltig Verbesserungen umzusetzen. Diese können dann endlich zu patientenorientierteren, kosteneffektiveren, regional und qualitativ einheitlichen sowie zu zukunftsrobusten Versorgungsstrukturen über die Sektoren hinweg führen. Es geht vor allem um eine effektivere und sinnvollere Mittelverwendung", erklärt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

"Diabetes als klassisches Beispiel einer chronischen Volkskrankheit begleitet Betroffene und Angehörige ein Leben lang. Es gilt aufzuklären, bedarfsgerecht strukturiert zu schulen und empathisch zu begleiten mit dem Ziel, eine bestmögliche Lebensqualität zu erreichen. Als qualifizierte Diabetesberater und -assistenten könnten wir hierzu deutlich mehr beitragen, wenn die Weichen entsprechend gestellt würden - dafür brauchen wir den politischen Willen für einen Nationalen Diabetesplan", so Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD).

"Wir Patienten sind daran interessiert, dass die Versorgung des Diabetes in allen Regionen Deutschlands gleich gut ist. Das ist derzeit nicht der Fall. Deshalb ist uns zum Beispiel die Versorgungsforschung so wichtig, die nicht Bestandteil eines Präventionsgesetzes sein kann," so Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der bundesweiten Patientenorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M). "Es ist uns außerdem wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Typ-1-Diabetes, für den es derzeit keine Präventionsmöglichkeit gibt, nicht in ein Präventionsgesetz gehört. Deshalb sind wir ganz klar Fürsprecher für den Nationalen Diabetesplan in Deutschland", bekräftigt Twachtmann.

Hintergrund

Auf Initiative des Landes Schleswig-Holstein befasste sich der Bundesrat am 13. Juni 2014 erstmals mit einem Nationalen Diabetesplan für Deutschland. Eine Abstimmung erfolgte noch nicht, stattdessen wurde der Antrag zur weiteren Beratung an den Gesundheitsausschuss des Bundesrates verwiesen. Dieser tagte zuletzt in nichtöffentlicher Sitzung am 25. Juni 2014.

Bislang ist noch nicht von allen Bundesländern bekannt, wie sie sich zum Antrag im Bundesrat positionieren wollen. Gegner der Initiative, so Gesundheitsministerin Kristin Alheit in ihrer Rede im Bundesrat, seien der Meinung es sei "schon genügend Geld im Gesundheitssystem vorhanden" und/oder das Diabetesproblem solle im Rahmen des geplanten Präventionsgesetzes behandelt werden.

Seit Jahren steigt die Zahl der Menschen mit Diabetes, vor allem mit Diabetes Typ 2, aber auch mit Diabetes Typ 1 weiter an. Das Robert Koch-Institut beziffert den Zuwachs seit Ende der 90er Jahre auf 38 Prozent, aktuell sind mehr als sechs Millionen Deutsche erkrankt.

Die direkten Krankheitskosten des Diabetes belaufen sich auf 48 Milliarden Euro pro Jahr. Herzinfarkt, Niereninsuffizienz, Erblindung, Beinamputation - das ist das bedrohliche Szenario diabetischer Folgekomplikationen.

Ärzte, Diabetesberater und Patientenvertreter, vereint in der Dachorganisation diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, fordern seit langem einen Nationalen Diabetesplan für Deutschland und riefen dazu 2013 die Kampagne "Diabetes STOPPEN - jetzt!" ins Leben. Regionale Teams aus Patienten, Diabetesberatern und Ärzten setzen sich in jedem Bundesland für ein positives Votum im Bundesrat ein.

Gemäß den Vorstellungen der Diabetesorganisationen in Deutschland sollte ein Nationaler Diabetesplan folgende Handlungsfelder umfassen:

  1. Primärprävention

  2. Früherkennung des Typ-2-Diabetes

  3. Epidemiologie, Aufbau eines epidemiologisch-klinischen Diabetesregisters

  4. Versorgungsforschung, Versorgungsstrukturen, Qualitätssicherung

  5. Patienteninformation, Schulung und Empowerment

Weitere Informationen: Forderungen der Kampagne "Diabetes STOPPEN - jetzt!"

zuletzt bearbeitet: 27.06.2014 nach oben

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