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Lebensstilprävention bei Typ-2-Diabetes mellitus

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der DDG, Leiter der Abteilung "Prävention und Therapie des Typ-2-Diabetes" am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen, im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich der 49. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), am 29. Mai 2014 in Berlin.

Bei Weltgesundheitsorganisation und Vereinten Nationen ist Prävention ein Brennpunktthema

Professor Dr. med. Andreas Fritsche Wenn man von Diabetesprävention spricht, kann man auch gleichzeitig von der Prävention der non-communicable diseases, der nicht ansteckenden Krankheiten, sprechen. Deren Prävention steht oben auf der Agenda der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Vereinten Nationen. Zu diesen nicht ansteckenden Krankheiten, die jährlich weltweit für 36 Millionen Todesfälle verantwortlich sind, zählen neben Diabetes auch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Krebserkrankungen. Alle diese Erkrankungen haben gemeinsame Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Fehlernährung und Überernährung.

Durch Verhältnisprävention des Diabetes kann somit nicht nur dem Diabetes, sondern den assoziierten Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorgebeugt werden. Mit ihrer großen Präventionserfahrung kann die Diabetologie auch für die Prävention der anderen Erkrankungen eine führende Rolle spielen. In der Primärprävention spielen vor allem auch Gesundheitsförderungsmaßnahmen der öffentlichen Gesundheitspolitik eine führende Rolle. Hier geht es beispielsweise um Maßnahmen wie Einschränkung von übergroßen "all you can eat"-Portionen, Reduktion von irreführender Nahrungsmittelwerbung und Nahrungskennzeichnung (Stichwort: Ampel) sowie Steigerung der Alltagsbewegung.

Neben der Verhältnisprävention, die sich an die gesamte Bevölkerung richtet und bei der die Politik gefordert ist, sind die ärztlichen Maßnahmen auf das besondere Problem der Diabetesprävention bei Hochrisikopersonen für Diabetes (= Prädiabetikern) gerichtet. Amerikanische, finnische und deutsche Studien haben zwar gezeigt, dass sich die Diabetesmanifestation durch Lebensstilprävention bei solchen Prädiabetikern verzögern lässt, allerdings muss man sieben Menschen über mehrere Jahre präventiv behandeln, um bei einem den Diabetes zu verhindern. Prävention muss also besser und effektiver werden. Es müssen die unterschiedlichen Krankheitsmechanismen, die zum Diabetes führen, wie Insulinresistenz, Leberverfettung oder unterschiedliche Formen der Insulinsekretionsstörung verstanden und behandelt werden, um Antworten für bessere Prävention und Therapie zu finden.

Eine individualisierte Prävention und Therapie ist wünschenswert, die sich an der Pathogenese orientiert. Die Erforschung einer solchen Prävention geschieht derzeit beispielsweise bei 1.000 Teilnehmern der bundesweiten Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie (PLIS), die vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung durchgeführt wird.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Andreas Fritsche
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 06.06.2014 nach oben

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