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diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe fordert barrierefreie Apps

Das Smartphone blind bedienen

Schnell im Internet gucken, wann die nächste Bahn fährt, eine Mail beantworten oder eine Wegbeschreibung abfragen. Auch blinde und sehbehinderte Menschen möchten diese praktischen Funktionen eines Smartphones nutzen. Dank der VoiceOver-Funktion ist dies rein technisch gesehen möglich. Laut einer Umfrage zum Apple-Betriebssystem nutzen 5 bis 10 Prozent der User diese Vorlesefunktion. Dennoch gibt es zu wenige Anwendungen, die sehbehinderte Menschen verwenden können. Viele der Betroffenen haben zudem Diabetes. Apps unterstützen sehende Diabetiker bei ihrer täglichen Therapie, etwa um Blutzuckerwerte zu managen oder Kohlenhydratmengen in bestimmten Produkt zu berechnen. Darum fordert diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe zum Sehbehindertentag am 6. Juni 2014 mehr barrierefreie Apps.

"15 bis 20 Jahre nach Beginn der Erkrankung weisen 80 Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes Schäden an der Netzhaut auf", so Professor Dr. med. Hans-Peter Hammes, Mitglied der AG 'Diabetes und Auge' der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) von der Universitätsklinik Mannheim. Denn dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen winzige Blutgefäße der Netzhaut. "Zu Beginn bleibt das Sehvermögen unbeeinträchtigt. Die Schäden schreiten unbemerkt fort und führen jährlich bei 2.000 Menschen zur Erblindung," warnt der Diabetologe. Deswegen sollten Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 mindestens einmal im Jahr eine Spiegelung des Augenhintergrunds durchführen lassen.

Erblindete und sehbehinderte Menschen mit Diabetes wollen vor allem eines nicht: ihre Selbstständigkeit verlieren. Ein Smartphone könnte sie dabei unterstützen. Die technische Grundlage dafür ist gegeben. Nach Apple, hat nun auch Android die Bildschirmvorlese-Funktion übernommen. "Doch bei den Anwendungen hapert es noch an vielen Stellen", sagt Diana Droßel, aktives Mitglied der Deutschen Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M). Vor 32 Jahren ist die Typ-1-Diabetikerin erblindet und trotz dessen begeisterte Smartphone-Nutzerin - jedoch mit Einschränkung. Denn viele Apps seien für sie nicht nutzbar. "Sie unterstützen die Bildschirmvorlesefunktion nicht oder das Interface ist zu unübersichtlich." Dabei bräuchten sich die Programmierer nur an Standards zu halten und die Apps wären zu 95 Prozent barrierefrei.

Dazu kommt, dass der Gedanke an einen Touchscreen bei vielen Betroffenen Angst auslöst. "Gerade in der älteren Generation trauen sich viele den Umgang mit so einem modernen Gerät nicht zu", erklärt Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der DDH-M. Deswegen organisiert die DDH-M in einer Kooperation mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) für den 6. Juni bundesweit Infoveranstaltungen, bei denen Betroffene sich mit dem Smartphone und grundlegenden Funktionen vertraut machen können. In einem Chat am 5. Juni beantwortet zudem Professor Hammes Fragen rund um die beste Vorsorge und Therapie bei Augenerkrankungen und Diabetes.

Damit auch die Regierung sich für eine bessere Versorgung bei Diabetes einsetzt, hat diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe 2013 "Diabetes STOPPEN - jetzt!" ins Leben gerufen. Wer die Kampagne unterstützen möchte, kann auf www.diabetes-stoppen.de eine E-Card an Bundesgesundheitsminister Gröhe schicken.

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zuletzt bearbeitet: 02.06.2014 nach oben

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