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Neue Ansätze zur Heilung von Diabetes mellitus

Dresdner Mediziner implantieren Unfallopfer eigene Inselzellen in die Leber

Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein Diabetes Typ 1 ist in den meisten Fällen eine Autoimmunerkrankung und tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf. Aber auch Verletzungen der Bauchspeicheldrüse können zu Diabetes führen. In 2013 gelang es Dresdener Medizinern erstmals, einem Unfallopfer die insulinproduzierenden Zellen aus dessen stark geschädigter Bauchspeicheldrüse zu retten und ihm in die Leber einzupflanzen. Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein aus Dresden erläutert die Therapie auf der Kongress-Pressekonferenz am Donnerstag, den 29. Mai 2014, in Berlin. Vor Ort ist auch der betroffene Patient: Er erzählt von seiner Behandlung und seinem Leben nach der schweren Erkrankung. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erforschen derzeit weitere Ansätze zur Behandlung und Heilung des Diabetes.

Bei Diabetes Typ 1 greift in der Regel das eigene Immunsystem die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört die insulinproduzierenden Beta-Zellen. Ebenso kann eine schwere Verletzung den Organausfall verursachen: "Ein Arbeitsunfall hatte die Bauchspeicheldrüse eines 43-jährigen Mannes so schwer verwundet, dass wir sie entfernen mussten", berichtet Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.

Durch eine erfolgreiche autologe Transplantation arbeiten die insulinproduzierenden Zellen des Betroffenen in seiner Leber weiter. Professor Bornstein erklärt: "Für diese Eigenspende entnahmen wir die Zellen aus dem verletzten Pankreas, bereiteten sie auf und spritzten sie dem Patienten in die Leber." Der große Vorteil der Eigenspende: Die eingepflanzten Zellen werden nicht vom Immunsystem angegriffen.

Bei bestimmten Menschen mit Diabetes Typ 1 kommt in Dresden eine allogene Transplantation von insulinproduzierenden Zellen zum Einsatz. Dabei sind Spender und Empfänger verschiedene Personen: "Diese Transplantation kann bei Menschen mit Diabetes Typ 1, die trotz medikamentöser Behandlung unter starken Blutzuckerschwankungen leiden, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bewirken", sagt Professor Bornstein. Die Empfänger müssen jedoch Medikamente einnehmen, die eine Abstoßung der fremden Spenderzellen durch das eigene Immunsystem verhindern. Solche Immunsuppressiva machen allerdings anfällig für Infektionen oder andere mögliche Nebenwirkungen. Somit bleibt diese Therapie auf wenige Patienten beschränkt, die spezielle medizinische Kriterien erfüllen.

Derzeit wird in Dresden auch ein neu entwickeltes künstliches Pankreassystem erforscht: "Dieser sogenannte 'Bio-Reaktor' hat die Form einer kleinen Dose, die mit insulinproduzierenden Zellen befüllt ist und zukünftig im Körper von Typ-1-Diabetikern die Insulinproduktion übernehmen soll", erläutert Professor Bornstein. 2013 wurde der Bio-Reaktor weltweit zum ersten Mal einem Menschen mit Diabetes Typ 1 eingesetzt. Er produzierte in dessen Körper rund ein Jahr lang zuverlässig Insulin. Professor Bornstein betont: "Allerdings bedarf es weiterer Studien, bevor das System bei einer größeren Zahl an Patienten eingesetzt werden kann."

Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden informiert über den aktuellen Stand verschiedener Forschungs- und Behandlungsansätze auf der Kongress-Pressekonferenz am 29. Mai 2014 in Berlin.

Alle Informationen zum Diabetes Kongress 2014 sind im Internet unter www.diabeteskongress.de zu finden. Kurzfilme mit Interviews und Beiträgen zum Diabetes Kongress 2014 finden Interessierte dort in der Mediathek.

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein
Bildquelle: Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" (DHD)

zuletzt bearbeitet: 29.05.2014 nach oben

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