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Diabetes Kongress 2014: INIT-II-Studie zu Typ-1-Diabetes

Antigen-basierte Immuntherapie könnte Diabetes verzögern oder gar verhindern

Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler Typ-1-Diabetes hat sich in Deutschland zu einer der häufigsten chronischen Krankheitsbilder im Kindes- und Jugendalter entwickelt. Nach Schätzungen wird sich insbesondere bei Kleinkindern in Europa die Anzahl der Neuerkrankungen im Vergleich zum Jahr 2005 bis 2020 verdoppeln. Eines der Ziele aktueller Forschungen zum Typ-1-Diabetes ist, Typ-1-Diabetes durch Immuntherapien zu verhindern oder das Fortschreiten der Stoffwechselerkrankung bis zur Insulinpflichtigkeit zumindest zu verzögern. Die derzeit laufende INIT-II-Studie soll zeigen, ob eine antigenspezifische Immuntherapie Personen mit sehr hohem Risiko für Typ-1-Diabetes vor der Erkrankung schützen kann. Kongresspräsidentin Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler stellt die INIT-II-Studie mit einer teilnehmenden Probandenfamilie am 29. Mai 2014 im Rahmen der Kongress-Pressekonferenz in Berlin detailliert vor.

Der Typ-1-Diabetes zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Das bedeutet, dass autoreaktive, gegen körpereigene Eiweiße gerichtete, Immunzellen entstehen, die eine Zerstörung der Insulin produzierenden Betazellen der Langerhans'schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse bewirken. Beginn und Verlauf der Zerstörung können inzwischen über den Nachweis von Inselautoantikörpern mittels eines einfachen Bluttests diagnostiziert werden. Kongresspräsidentin Professor Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München und Lehrstuhl Diabetes, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München sowie Sprecherin Kompetenznetz Diabetes mellitus, erklärt: "Hier wurden in den letzten Jahren bedeutsame Fortschritte erzielt.

Bereits direkt nach der Geburt kann das Risiko für Typ-1-Diabetes durch ein genetisches Screening zwischen null und 30 Prozent stratifiziert werden, das heißt, es können Risikogruppen identifiziert werden, bei denen etwa jeder Dritte an Typ-1-Diabetes erkrankt." Neuere Langzeitdaten zeigten, dass unbehandelt nahezu 100 Prozent aller Kinder mit mehr als einem Inselzellautoantikörper an einem klinisch manifesten Typ-1-Diabetes erkrankten.

Ein vorbeugender Therapieansatz könnte künftig die antigen-basierte Immuntherapie sein, die derzeit in der INIT-II-Studie untersucht wird. Sie soll im Stadium des Prä-Typ-1-Diabetes das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und somit die Zeit bis zur Insulinpflichtigkeit verlängern beziehungsweise diese sogar verhindern. Voruntersuchungen in den USA belegen, dass in Kapselform eingenommenes Insulin die Entwicklung von Typ-1-Diabetes um mindestens zehn Jahre verzögern und möglicherweise sogar ganz verhindern kann. Oral verabreicht und über die Darmschleimhaut aufgenommen, beeinflusst das Insulin nicht den Blutzuckerspiegel. Stattdessen trainiert es das Immunsystem, zwischen selbst und fremd zu unterscheiden: Ähnlich wie bei einer Impfung wird eine "Immuntoleranz" durch Konfrontation mit dem Autoantigen aufgebaut.

"Im Rahmen unserer INIT-II-Studie werden derzeit über 100 Kinder und Erwachsene im Alter von drei bis 45 Jahren über ein Nasenspray mit Insulin oder Placebo behandelt", erläutert Professor Ziegler. Alle Teilnehmer haben oder hatten mindestens einen Verwandten mit Typ-1-Diabetes und mindestens zwei positive Inselautoantikörper. "Die Studie soll klären, ob die regulatorische Immunantwort, welche in der INIT-I-Studie beobachtet wurde, Personen mit sehr hohem Typ-1-Diabetes Risiko vor einer Erkrankung schützen kann", so Professor Ziegler. Die Ergebnisse werden in circa zwei Jahren erwartet.

Bildunterschrift: Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

zuletzt bearbeitet: 26.05.2014 nach oben

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