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Wer ist schuld am Übergewicht?

Pressemitteilung: Universitätsklinikum Ulm

Europäischer Adipositastag am 17. Mai 2014 in Ulm

Vorträge, Selbsthilfe, Aktionsstände, Fragen ab 10 Uhr im Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, 89073 Ulm

Übergewicht ist ein gesellschaftliches Problem. Hans und Egon essen und bewegen sich genau gleich viel. Hans ist übergewichtig, Egon nicht. Warum? Ist Hans selbst schuld an seinem Übergewicht oder ist es seine "Biologie"? Wie kann Egon dazu beitragen, dass Hans nicht wegen seines Gewichts stigmatisiert und benachteiligt wird? Wo findet Hans Hilfe, wenn ihn sein Gewicht auch psychisch belastet? Muss Hans beim Sport unbedingt abnehmen? Zum Europäischen Adipositastag laden die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin und die ASUNU e.V. Adipositas Selbsthilfe Ulm/Neu-Ulm am 17. Mai 2014 zu Vorträgen, Diskussionen und Aktionen ins Ulmer Stadthaus. Betroffene, Angehörige, Freunde, Ärzte und alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Stigmatisierung von Menschen mit Übergewicht

Rund zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen in Deutschland sind übergewichtig, jeweils knapp ein Viertel der Männer und Frauen schwer übergewichtig, d. h. adipös. Dicke Menschen werden in unserer Gesellschaft häufig ausgegrenzt. "Sie haben es schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden, weil man sie für undiszipliniert und weniger leistungsfähig hält. Einige Ärzte schieben gesundheitliche Probleme ohne Anamnese sofort auf das Übergewicht.

Viele übergewichtige Menschen vermeiden den Aufenthalt in der Öffentlichkeit, um gaffenden Blicken und verletzenden Kommentaren aus dem Weg zu gehen", beschreibt Marion Benner, Vorsitzende von ASUNU e.V. Adipositas Selbsthilfe Ulm/Neu-Ulm e.V. die Situation. "Darüber wollen wir aufklären". Die Stigmatisierung ist auch Thema einer Podiumsdiskussion mit Betroffenen, Ärzten, Ernährungsberatern sowie Ekin Deligöz, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, und Martin Rivoir, SPD-Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag.

Schutz vor Dickmachern einfordern

Grundlage für die Ausgrenzung ist das tief sitzende Vorurteil, Übergewichtige seien einfach willensschwach. "Unser Körpergewicht wird durch eine Vielzahl von biologischen Faktoren reguliert, die der Einzelne nur bedingt beeinflussen kann", erklärt Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie an der Ulmer Kinderklinik und Vorsitzender der Deutschen Adipositasgesellschaft. So wird ein Hans dick, ein Egon nicht. "Statt dem Übergewichtigen Vorwürfe zu machen, müssen wir uns alle als übergewichtige Gesellschaft vor den Dickmachern in der Nahrung schützen und Raum für Bewegung einfordern", so Wabitsch. Welche Rolle ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse auf die Entstehung von Adipositas haben kann, fragt am Samstag im Stadthaus Dr. Gwendolin Etzrodt-Walter vom Ulmer Endokrinologiezentrum.

Abnehmen ist nicht alles

Dass Abnehmen für Übergewichtige nicht alles ist, will Dr. Paul Hartveg, Funktionsoberarzt der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin, Klinik für Innere Medizin II am Ulmer Universitätsklinikum, am Samstag näher erläutern: "Gute Bewegungsprogramme verbessern den allgemeinen Gesundheitszustand: Muskeln werden auf-, Fett wird abgebaut. Die Werte von Blutdruck, Cholesterin und Zucker normalisieren sich." Über den aktuellen Stand der Ernährungstherapie berichtet Dipl. Oecotrophologin Marion Krevel vom Netzwerk Ernährung.

Selbsthilfegruppen stellen sich vor

Bei der Stadthausveranstaltung informieren die ASUNU e.V. Adipositas Selbsthilfe Ulm/NeuUlm, die Diabetes Selbsthilfe Ulm und Langenau über Hilfsangebote und bieten die Ermittlung des Body-Mass-Index (BMI) sowie Blutdruck- und Blutzuckermessungen an.

Das Veranstaltungsprogramm finden Sie auf der Seite des Universitätsklinikums Ulm als PDF-Datei.

Weitere Informationen

Bildunterschrift: Übergewicht ist ein gesellschaftliches Problem.
Bildquelle: Universitätsklinikum Ulm

zuletzt bearbeitet: 13.05.2014 nach oben

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