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Trotz Screening könnte Schwangerschaftsdiabetes übersehen werden

diabetesDE warnt: Schwangerschaftsvorsorge wichtig, aber unzureichend

Schwangerschaftsdiabetes ist eine der häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Mehr als vier Prozent der werdenden Mütter sind betroffenen. Da der sogenannte Gestationsdiabetes (GDM) keine fühlbaren Beschwerden mit sich bringt, bleibt die Erkrankung ohne Test unentdeckt. Deshalb wird seit 2012 allen Schwangeren im Rahmen der Vorsorge ein kostenfreies Screening angeboten.

Dennoch ist es möglich, dass durch die in den Mutterschaftsrichtlinien festgelegte Vorgehensweise des Screenings ein Teil der GDM-Fälle übersehen werden könnte, kritisieren Experten von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. Fragen zum Thema "Diabetes und Schwangerschaft" beantwortet Professor Dr. med. Ute Schäfer-Graf vom Berliner Diabeteszentrum für Schwangere im nächsten Experten-Chat von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe am 3. April 2014.

Beim Gestationsdiabetes (GDM) steigen die Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft an. Bei Müttern mit unbehandeltem GDM kommt es fünfmal häufiger zu Geburtsproblemen als bei gesunden Müttern: Die Kinder sind häufiger übergewichtig und kommen deshalb per Kaiserschnitt zur Welt, bei den Müttern tritt zudem häufiger Bluthochdruck auf. In den ersten zehn Jahren nach der Entbindung entwickelt sich bei rund 50 Prozent der Frauen ein Diabetes Typ 2, bei sechs Prozent bereits in den ersten drei Monaten.

Auch Kinder von Müttern, deren GDM nicht optimal behandelt wurde, tragen ein erhöhtes Diabetesrisiko. Sie neigen schon in jungen Jahren zu Übergewicht, ein typischer Risikofaktor eines Diabetes Typ 2. Übergewichtige, über 45-Jährige sowie Frauen mit Diabeteserkrankungen in der Familie sind besonders gefährdet, einen GDM zu entwickeln. Grundsätzlich könne es jede Schwangere treffen, so Chat-Expertin Schäfer-Graf, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft "Diabetes und Schwangerschaft" der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Deshalb wurde 2012 das Screening auf GDM in die Mutterschaftsrichtlinie aufgenommen: Jede Frau kann sich heute kostenlos testen lassen. Dadurch haben sich die Chancen einer effektiven Vorsorge deutlich verbessert. "Dennoch könnte es sein, dass einige Fälle von Gestationsdiabetes übersehen werden", so Schäfer-Graf. Denn zunächst wird eine orientierende Glukosebelastung im Nicht-Nüchtern-Zustand durchgeführt, deren Validität nicht eindeutig belegt ist und Frauen mit isoliert erhöhtem Nüchtern-Blutzucker nicht erfasst.

Risikoschwangere und Frauen mit Gestationsdiabetes sollten sich in Diabeteszentren betreuen lassen. Dort ist gewährleistet, dass Therapiemöglichkeiten optimal ausgeschöpft werden. Oft gelinge es allein schon mit bewusster Ernährung und moderater Bewegung, den Blutzucker zu normalisieren, weiß Schäfer-Graf. "Durch einen gesunden Lebensstil können Betroffene vermeiden, dass ihre Gesundheit und die ihres Kindes gefährdet werden," erklärt die diabetesDE-Expertin.

In ihrem kürzlich neu erschienenen Ratgeber "Schwangerschaftsdiabetes im Griff" (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2014) gibt sie praktische Tipps für betroffene Frauen. Die Ökotrophologin und Co-Autorin Bettina Snowdon hat dazu viele leckere Rezepte für eine gesunde Ernährung während der Schwangerschaft zusammengestellt. Drei Exemplare des Ratgebers werden unter den Chat-Teilnehmerinnen verlost. Unter diabetesde.org können zudem drei ausgewählte Rezepttipps aus dem Ratgeber für Schwangere mit Diabetes getestet werden.

zuletzt bearbeitet: 01.04.2014 nach oben

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