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Viele Menschen mit Diabetes leiden unter Nervenschäden

Häufige Symptome sind Schmerzen und Kribbeln in Armen, Beinen, Händen oder Füßen

Die "diabetische Neuropathie" ist neben Veränderungen an den Blutgefäßen, der Netzhaut des Auges und der Nieren eine häufig auftretende schwere Folgeerkrankung bei Diabetes mellitus. Von den derzeit etwa sechs Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland leidet mehr als jeder Dritte auch an einer Nervenerkrankung. Sie kann alle Organsysteme des Körpers betreffen und verschiedenste Beschwerden bereiten: Schmerzen, Missempfindungen wie "Kribbeln" auf der Haut, Wadenkrämpfe, Muskelschwäche oder Gangunsicherheit sind nur einige Beispiele. Sie können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Eine gute Blutzuckereinstellung, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, Abbau von Übergewicht und jährliche Kontrolluntersuchungen sind die beste Vorsorge, so diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe.

Diabetesbedingte Nervenschäden entwickeln sich meist lange unbemerkt. Rund ein Drittel aller Menschen mit Diabetes haben Schäden an den Nerven. "Ursache ist ein über Jahre schlecht eingestellter Diabetes mit zu hohen Blutzuckerwerten, sagt Professor Dr. med. Dan Ziegler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Nervensystem der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). "Wenn die ersten Beschwerden spürbar werden, können bereits schwerere Nervenschäden vorliegen." Bei der "peripheren Neuropathie" sind meistens die Nerven der Füße und Beine, manchmal jedoch auch die Nerven in Händen und Armen betroffen. Symptome können Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen wie Zehen, Füßen oder Fingern sein. Manche Betroffene verspüren ein Brennen, Reißen oder Stechen, andere hingegen bohrende und dumpfe Schmerzen.

Im Gegensatz zu Durchblutungsstörungen sind Symptome einer Neuropathie nachts stärker und bessern sich durch Bewegung. Missempfindungen, Kribbeln wie "Ameisenlaufen", Wadenkrämpfe und manchmal Muskelschwäche und Gangunsicherheit kommen ebenfalls vor. Dazu können Begleitsymptome wie Schlafstörungen oder Depressionen auftreten. Das Tückische: Manchmal verläuft die Neuropathie jedoch auch schmerzfrei oder sogar ohne jegliche Beschwerden. Dies kann besonders an den Füßen schwerwiegende Folgen haben: Denn abgeschwächte oder fehlende Empfindlichkeit der betroffenen Gliedmaßen verursacht Druckstellen, Geschwüre, starke Hornhautbildung, Verletzungen oder Verbrennungen.

Die "autonome Neuropathie" kann nahezu jedes Organsystem betreffen. Ausgeprägte Beschwerden sind allerdings relativ selten und in der Regel erst nach langer Zeit zu beobachten. Die Veränderungen entwickeln sich langsam und schleichend. Sie rufen Symptome hervor, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können und die der Arzt ausschließen muss. Sind etwa Speiseröhre und Magen betroffen, zählen Schluckstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl und Unterzuckerung nach Mahlzeiten zum Beschwerdebild.

Um der diabetischen Neuropathie vorzubeugen, sollten Menschen mit Diabetes auf gute Blutzuckerwerte achten, nicht übermäßig Alkohol trinken, Übergewicht abbauen, nicht rauchen und mindestens einmal jährlich zur Kontrolluntersuchung gehen. Wichtig für Patienten mit einer bereits bestehenden Nervenerkrankung ist eine gute Fußpflege. Bei dauerhaften Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen ist häufig eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Laut Ergebnissen der modernen Schmerzforschung sollten Schmerzen rasch und wirkungsvoll behandelt werden, damit sich die Erfahrung nicht zu lange im "Schmerzgedächtnis" festsetzt.

"Allerdings gibt es leider nicht DIE Schmerzbehandlung, die bei allen Menschen mit Diabetes gleichermaßen wirkt", so Professor Ziegler. "Die Wirksamkeit und Nebenwirkungen sind also individuell sehr unterschiedlich und schwer vorauszusagen." Darüber hinaus gibt es eine Reihe nichtmedikamentöser Therapieverfahren, hierzu zählen die psychologische Schmerzbehandlung oder physiotherapeutische Anwendungen.

zuletzt bearbeitet: 29.01.2014 nach oben

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