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Gefährliche Gefäßerweiterung

Männer ab 60, Diabetiker und Patienten mit andern Risikofaktoren profitieren von Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen

2011 starben in Deutschland 3.666 Menschen infolge eines Bauchaortenaneurysmas. Bei dieser Gefäßerkrankung, die häufig zunächst ohne Symptome verläuft, erweitert sich die Hauptschlagader im Bauch und entwickelt sich im Lauf der Zeit zu einer immer dünnwandigeren Aussackung. Bleibt ein solches Aneurysma unerkannt, droht die Aussackung zu reißen und die Betroffenen innerlich zu verbluten. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) sprechen sich nun für eine Screening-Untersuchung ab dem 60. Lebensjahr aus: Durch eine Ultraschalluntersuchung könnten viele Fälle frühzeitig erkannt und die Patienten einer oftmals lebensrettenden Behandlung zugeführt werden.

Derzeit prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (GB-A) die Möglichkeit, in Deutschland ein Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen als Kassenleistung einzuführen. Aufgabe des Ausschusses ist es zunächst, herauszufinden, ob der "diagnostische und therapeutische Nutzen" sowie die "medizinische Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit" als erfüllt angesehen werden können.

Die DEGUM - als medizinische Fachgesellschaft zur Abgabe einer Einschätzung aufgerufen - hat sich nun gegenüber dem G-BA klar für ein Screening ausgesprochen: "Mithilfe eines Ultraschallscreenings könnten wir die therapiebedürftigen Patienten sicher herausfiltern", sagt Dr. med. Clemens Fahrig, Sprecher des DEGUM Arbeitskreises "Vaskulärer Ultraschall", Chefarzt Innere Medizin und Leiter des Gefäßzentrums am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. Vorteil der Früherkennung: Eine rechtzeitig eingeleitete Therapie, etwa die Behandlung eines Bluthochdrucks, kann das Fortschreiten der Krankheit verhindern.

Zu einer Operation oder der Implantation einer Gefäßprothese raten die Experten, wenn das Aneurysma einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern beim Mann und mehr als vier Zentimetern bei der Frau aufweist. Bei der klassischen Operation über einen Schnitt in der Bauchdecke überbrückt der Gefäßchirurg die Schwachstelle in der Schlagader, indem er eine Kunststoffprothese einnäht. "Für viele, insbesondere ältere Patienten, die häufig an weiteren Begleiterkrankungen leiden, ist hingegen ein minimal-invasiver Eingriff oft besser geeignet, da er das Risiko für Leib und Leben praktisch halbiert", erklärt DEGUM Präsident Dr. med. Stefan Nöldeke, Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie im Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

Bei diesem Verfahren führt der Chirurg über kleine Zugänge in beiden Leisten einen Stent-Hauptkörper über die eine Leiste und den Nebenkörper über die Gegenseite in die arterielle Blutbahn ein. Letztlich entscheidet die Konfiguration des Aneurysmas, die schon im Ultraschall meist geklärt werden kann, ob eine Stent-Implantation möglich ist oder nicht. "Unabhängig von der gewählten Methode wird es aber durch die Früherkennung und damit durch die rechtzeitige Behandlung möglich, lebensbedrohliche Komplikationen wie einen Gefäßriss der Hauptschlagader im Bauch, der auch unter einer raschen Behandlung mit einer sehr hohen Sterblichkeit einhergeht, zu verhindern", erklärt Nöldeke. Die rechtzeitige Erkennung würde den Betroffenen damit kostbare Lebensjahre bringen und die Lebensqualität erhalten. Somit würden letztlich für die Gesellschaft auch Kosten eingespart.

"Eine bevölkerungsbasierte Studie aus England zeigt, dass insbesondere Männer ab dem 60. Lebensjahr von einem Screening profitieren", erklärt Fahrig. Risikopatienten, wie Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder starke Raucher, sollten nach Auffassung der DEGUM schon ab dem 55. Lebensjahr zum Screening eingeladen werden. Gleichzeitig belastet der Ultraschallcheck die Kassen vergleichsweise wenig: Gerade einmal 15,74 Euro kostet die Untersuchung.

Die DEGUM empfiehlt, das Screening durch gut ausgebildete Angiologen, Gefäßchirurgen, Internisten, Chirurgen sowie Radiologen und Allgemeinmediziner durchzuführen, die mindestens eine Qualifikation der DEGUM Stufe I aufweisen. "Findet der Erstuntersucher Hinweise auf ein Aneurysma, sollte die weitere Behandlung in einem zertifizierten Gefäßzentrum durchgeführt werden", fordert Fahrig.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9.000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 20.12.2013 nach oben

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