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Übergewicht und Diabetes relativieren Erfolge in der Herztherapie

Ungesunder Lebensstil unterläuft bessere Behandlungsmöglichkeiten von Herzkrankheiten

Der Trend zu einem ungesünderen Lebensstil konterkariert die Fortschritte in der Behandlung von Herzpatienten. Das zeigen Auswertungen der EUROASPIRE-Erhebung aus den Jahren 1990 bis 2013. Präsentiert wurde die Trendanalyse heute auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam. Die von der ESC initiierten EUROASPIRE-Umfragen untersuchen Langzeittrends bezüglich Lebensstil, Risikofaktoren-Management und medikamentöser Therapie von Koronarpatienten in Europa.

"Die Lebensstil-Trends bei Herzpatienten gehen in die falsche Richtung", kommentiert der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin) die Analyse. "Übergewicht und Diabetes nehmen zu, das relativiert die Erfolge, die andererseits zum Beispiel bei der Blutdrucksenkung oder den Blutfettwerten medikamentös erreicht werden können. Die Daten machen deutlich, dass die Verbesserung von Therapiemöglichkeiten allein nicht ausreicht. Wir brauchen auch mehr präventive Programme, die einen gesunden Lebensstil fördern."

Die Analyse enthält Daten von Patienten mit koronarer Herzerkrankung unter 70 Jahren aus neun europäischen Ländern (Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Niederlande, Polen, Slowenien und Tschechische Republik) und vergleicht die Ergebnisse der Jahre 1999/2000, 2006/2007 und 2012/2013.

Der Anteil von Rauchern unter den Herzpatienten ist im Beobachtungszeitraum kaum zurückgegangen (1999/2000: 21 Prozent; 2006/2007: 18,2 Prozent; 2012/2013: 18,2 Prozent), wobei sich konstant der höchste Raucheranteil bei Personen unter 50 Jahren fand. "Die jüngsten Patienten, die am meisten vom Aufhören profitieren würden, rauchen immer noch am meisten. Medikamentöse Therapien, die den Nikotinausstieg unterstützen, wurden im gesamten Beobachtungszeitraum aber nur in geringem Maß eingesetzt, hier brauchen wir Verbesserungen", erklärte Prof. David A. Wood (Imperial College London) beim Kongress in Amsterdam.

Der Anteil übergewichtiger Patienten ist im Untersuchungszeitraum laufend gestiegen (1999/2000: 31,9 Prozent; 2006/2007: 33,3 Prozent; 2012/2013: 38,5 Prozent), der Anteil der Patienten, die körperlich aktiv sind, blieb konstant.

Auch die Diabetes-Häufigkeit nahm deutlich zu (1999/2000: 18,5 Prozent; 2006/2007: 23,8 Prozent; 2012/2013: 27,2 Prozent). Das Management der Zuckerwerte blieb etwa gleich, zu allen drei Untersuchungszeitpunkten erreichten nur 30 Prozent der Patienten beim Nüchtern-Blutzucker den Zielwert von weniger als 7 mmol/L (Anmerkung der Redaktion 126 mg/dl).

Der Einsatz kardioprotektiver Medikamente war vom Untersuchungszeitraum 1999/2000 bis 2006/2007 angestiegen, nicht mehr aber im Zeitraum bis 2012/2013. Prof. Wood: "Es scheint, dass wir bei der medikamentösen Therapie den Plafonds erreicht haben. Die meisten Patienten bekommen eine sehr gute Therapie, aber sie profitieren wegen ungesunder Lebensstilfaktoren davon nicht in vollem Ausmaß."

Positive Trends beobachteten die Forscher beim Anteil von Patienten mit zu hohem Blutdruck (1999/2000: 21,9 Prozent; 2006/2007: 16,8 Prozent; 2012/2013: 12,8 Prozent), in besonderem Ausmaß sank der Anteil von Personen mit überhöhten Gesamtcholesterinwerten (1999/2000: 77 Prozent; 2006/2007: 40,6 Prozent; 2012/2013: 32,8 Prozent) und zu hohen LDL-Werten (1999/2000: 78 Prozent; 2006/2007: 42,9 Prozent; 2012/2013: 33,5  Prozent).

Quelle: EUROASPIRE Surveys esc 2013 Session "Registry Hot Line", 3.9.2013.

zuletzt bearbeitet: 03.09.2013 nach oben

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