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Zunahme von Übergewicht und Diabetes - Das Gehirn ist beteiligt

Pressemitteilung: Universität Ulm

Warum fällt der Verzicht auf eine übermäßige Kalorienzufuhr so schwer?

Dr. Belinda Lennerz findet eine Antwort

Dr. Belinda Lennerz Viele kennen es: Obwohl der Hosenbund immer mehr kneift, das Treppensteigen deutlich schwerer "als früher" fällt und Kreativität beim Schuhe zubinden gefragt ist, weil beim Bücken der Bauch im Weg ist, wird nicht aufgehört: Gerne gönnt sich "die Naschkatze" im Laufe des Tages die zweite Tafel Schokolade sowie das dritte Stück Kuchen und sondiert ab 22 Uhr mit dem Löffel ausgiebig das verführerische Glas Nuss-Nougat-Creme …

Warum ist das so? Warum fällt der Verzicht auf übermäßiges Essen so schwer, gelingt es vielen Menschen also nicht, die Kalorienaufnahme einzuschränken? Schließlich weiß der (stark) Übergewichtige bei rationaler Betrachtung ja, dass er sich gesundheitlich gesehen überhaupt keinen Gefallen tut. Diesen Fragen ist Dr. Belinda Lennerz aus der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin) nachgegangen. Das Ergebnis ihrer am Harvard Children's Hospital Boston (USA) durchgeführten Studie: Sogenannte raffinierte Kohlenhydrate aktivieren Suchtzentren im Gehirn. Vermeidet man diese Kohlenhydrate, kann das dazu beitragen, die suchtartigen Heißhungerattacken einzuschränken. Erkenntnisse, die nun auch in den Vereinigten Staaten publiziert wurden - ein Erfolg für die Ulmer Forscherin.

"Wir haben 12 gesunden, übergewichtigen Männern Milchshakes mit hohem glykämischem Index oder niedrigem glykämischem Index gegeben. Dieser Index ist ein Maß zur Bestimmung der Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel", erläutert Dr. Belinda Lennerz und ergänzt: "Weißmehl, Zucker und Süßgetränke führen beispielsweise zu einem hohen Blutzuckeranstieg und haben somit einen hohen glykämischen Index. Allerdings fällt der Blutzucker im Anschluss auch rasch wieder ab, was zu verstärktem Hunger führt. Nach dem Verzehr von Gemüse und Hülsenfrüchten steigt der Blutzucker hingegen kaum, diese Lebensmittel haben einen niedrigen glykämischen Index."

Vier Stunden nach Aufnahme der jeweiligen Milchshakes wurden die Gehirnaktivität und der Blutzuckerspiegel der Probanden gemessen. "Wie erwartet zeigte sich, dass Männer, die den Milchshake mit hohem glykämischem Index zu sich genommen hatten, einen raschen Blutzuckeranstieg und -abfall bis in die Unterzuckerung aufwiesen. Außerdem stellten wir fest, dass im Vergleich zu den Shakes mit einem niedrigen glykämischen Index eine starke Aktivierung im Nucleus Accumbens stattfand", so Dr. Lennerz. Das ist eine Hirnregion des sogenannten mesolimbischen Systems - dem "Belohnungssystem" - das auch eine zentrale Rolle bei Suchtverhalten spielt.

Die Forscherin weist in Bezug auf die Versuchsanordnung darauf hin, dass die Milchshakes - abgesehen vom glykämischen Index - einen identischen Kalorien-, Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydrat-Gehalt aufwiesen. "Auch geschmacklich gab es keinen Unterschied", versichert Dr. Lennerz. Ihr Fazit: "Raffinierte Kohlenhydrate aktivieren Suchtzentren im Gehirn. Vermeidet man Lebensmittel mit hohem glykämischem Index, bleiben auch suchtartige Heißhungerattacken weitgehend aus. So lässt sich eine Gewichtsreduktion leichter und auch dauerhafter realisieren."

Das ist ein wichtiger Aspekt insbesondere für die junge Generation, wie Prof. Dr. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie, betont: "Allein in Deutschland wiegen rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu viel, etwa 6 Prozent sind sogar stark übergewichtig oder fettleibig. Ihr Risiko für Erkrankungen wie Bluthochdruck, Fettleber oder eine gestörte Glukoseregulation bis hin zum Diabetes ist hoch. Schon eine geringe dauerhafte Gewichtsreduktion senkt diese Risiken."

Bildunterschrift: Dr. Belinda Lennerz
Foto: Universitätsklinikum Ulm

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 11.07.2013 nach oben

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