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Weitere endokrine Autoimmunerkrankungen bei Typ-1-Diabetikern häufig

Abstract zum Vortrag von Privatdozentin Dr. med. Wilgard Hunger-Battefeld, Klinik für Innere Medizin III, Endokrinologie/Stoffwechselerkrankungen, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller Universität Jena, im Rahmen der Pressekonferenz zur 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 10. Mai 2013 in Leipzig.

Schilddrüsenprobleme bei Diabetes Typ 1 frühzeitig erkennen und behandeln

Privatdozentin Dr. med. Wilgard Hunger-Battefeld Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 treten gehäuft weitere endokrine Autoimmunerkrankungen auf, wobei die Autoimmunthyreopathie als die häufigste assoziierte endokrine Autoimmunerkrankung beschrieben wird.

In einer Querschnittsstudie an der Universität Jena zeigten 50 Prozent der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 pathologisch erhöhte Schilddrüsen-Autoantikörpertiter. Bei 31 Prozent lag eine Autoimmunthyreopathie vor: dabei zeigten 24 Prozent eine Autoimmunthyreoiditis mit manifester Hypothyreose und sieben Prozent einen Morbus Basedow.

Die Autoimmunthyreoiditis manifestierte sich in den meisten Fällen erst Jahre nach dem Diabetes mellitus manifestierte. Die Latenz zwischen der Diabetesmanifestation als Ersterkrankung bis zum Auftreten einer manifesten Schilddrüsendysfunktion lag im Median bei unseren Patienten bei 16 Jahren und ist mit publizierten Daten, die eine mittlere Latenz von 13 Jahren aufzeigen, vergleichbar. Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 zeigten mit 40 Prozent signifikant häufiger eine Autoimmunthyreopathie als Männer (19 Prozent).

FAZIT für die Praxis

Eine Autoimmunthyreoiditis kann asymptomatisch über Jahre bestehen. Bei völliger Destruktion des Endorgans wird die Erkrankung klinisch relevant und erfordert eine Hormonersatztherapie der ausgefallenen endokrinen Achse. Die Kenntnis der Schilddrüsenfunktion bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 hat große klinische Relevanz. Eine Schilddrüsendysfunktion nimmt Einfluss auf den Glukosestoffwechsel und bedarf einer Anpassung der Insulindosis: Bei Vorliegen einer Hyperthyreose kommt es infolge einer zunehmenden Insulinresistenz und einer vermehrten Glukagonfreisetzung zu einem Blutglukoseanstieg mit der Notwendigkeit der Insulindosissteigerung. Das Vorliegen einer Hypothyreose birgt auf Grund einer erhöhten Insulinsensitivität und der damit erforderlichen geringeren Insulindosis die Gefahr der Hypoglykämie. Mit der Normalisierung der Schilddrüsenfunktion stabilisiert sich die Stoffwechsellage.

Im Rahmen der Betreuung von Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1 sollte - insbesondere bei Patienten mit pathologisch erhöhten Schilddrüsen-AAK-Titern und in Kenntnis des Chronizität der Erkrankung - eine jährliche TSH-Kontrolle erfolgen.

Es gilt das gesprochene Wort!

Bildunterschrift: Privatdozentin Dr. med. Wilgard Hunger-Battefeld
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 10.05.2013 nach oben

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